Der Seegang ebbt nicht ab: 2018 rollte eine Nachfolgewelle durch den deutschen Private-Equity-Midmarket.

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29.01.19
Deals

Nachfolgewelle rollt durch den Private-Equity-Markt

Eine regelrechte Nachfolgewelle hat den deutschen Markt für Mittelstands-Private-Equity 2018 auf ein neues Rekordniveau katapultiert. Ist der Nachfolge-Knoten jetzt endlich geplatzt?

2018 war FINANCE-Recherchen zufolge ein Rekordjahr am deutschen Markt für Mittelstands-Private-Equity („Midmarket“). Das Transaktionsvolumen explodierte regelrecht und erreichte einen neuen Höchststand von gut 4,8 Milliarden Euro. Das sind fast 10 Prozent mehr als im Vorjahr, als der Midmarket ebenfalls schon eine neue Bestmarke setzen konnte.

Ein gewisser Teil dieses Anstiegs dürfte auf die noch weiter gestiegenen Kaufpreise zurückzuführen sein. Vor allem aber stieg die Anzahl der von Finanzinvestoren in Deutschland strukturierten Mehrheitsübernahmen im Wert von 50 bis 250 Millionen Euro klar an, und zwar von 35 auf 47.

Unternehmer öffnen sich für Private Equity

Für diese große Zunahme der Deals gibt es einen eindeutigen Auslöser: 2018 rollte eine regelrechte Nachfolgewelle durch den deutschen Midmarket. Insgesamt 19 Nachfolge-Deals verzeichnet die FINANCE-Buy-out-Liste 2018 (die hier zum Download bereit steht). Bei 13 davon standen die Firmengründer selbst auf der Verkäuferseite und nicht etwa ihre Nachkommen.

Dies könnte signalisieren, dass der von der PE-Branche lange herbeigesehnte Sinneswandel bei den deutschen Unternehmern endlich da ist: Sie scheinen sich mehr und mehr gegenüber Private Equity zu öffnen. Die 2018 in diesem Teilsegment verzeichnete Dealaktivität ist jedenfalls enorm: Der bisherige Jahresrekord lag bei zehn Nachfolge-Deals im Jahr (2016), 2017 gab es sogar nur drei solcher Deals.

Aber auch Private-Equity-Häuser haben 2018 wieder einige Exits getätigt: Der Marktanteil der Secondary Buy-outs hielt sich bei knapp 40 Prozent, jener der Tertiary Buy-outs ging hingegen von 11 auf 6 Prozent zurück.

Dafür gab es 2018 den ersten Quarternary Buy-out in der Geschichte des deutschen Midmarkets: Der Maschinenbauer Karl Eugen Fischer wanderte zum vierten Mal in das Portfolio eines Finanzinvestors: Die DBAG kaufte das Unternehmen von Equistone. Zuvor waren bereits HQ Equita und Halder bei Karl Eugen Fischer am Ruder gewesen.

2018 gab es den ersten Quarternary Buy-out im deutschen Midmarket.

M&A-Boom im Healthcare-Sektor hält an

Mit fünf Deals tätigte das Münchener Family Office Bregal 2018 die meisten Neu-Investments im Midmarket. Dahinter drängt sich ein dichtes Verfolgerfeld aus acht weiteren Private-Equity-Häusern, die ebenfalls mehr als einmal zugekauft haben.

Branchenseitig gab es die höchste Dealaktivität im Healthcare-Sektor (sechs Transaktionen), der die Finanzinvestoren unverändert stark anzieht. Großes Interesse finden beispielsweise Spezialkliniken und Pflegeheime. Auf der Käuferliste knapp dahinter folgten im abgelaufenen Jahr die Elektronikindustrie und Softwarehäuser (je fünf Deals). Jeweils viermal wechselten Chemieunternehmen und Automobilzulieferer den Besitzer.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Alle Deals, alle Targets, alle Finanzinvestoren: Die FINANCE Midmarket-Listen für das Jahr 2018 und alle früheren Jahre bis 2004 stehen hier im FINANCE-Shop zum Download bereit. Einen ausführlichen Rückblick auf das Private-Equity-Jahr finden Sie in der Januar/Februar-Ausgabe des FINANCE-Magazins.