Ist Scout24 bald schon wieder in Private-Equity-Hand?

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15.02.19
Deals

PE-Investoren stocken Scout24-Offerte auf

Hellmann & Friedman und Blackstone erhöhen ihr Übernahmeangebot für Scout24. Jetzt ist auch das Management an Bord. Mit 5,7 Milliarden Euro wäre der Deal der größte deutsche Buy-out aller Zeiten.

Die Finanzinvestoren Hellmann & Friedman sowie Blackstone lassen bei Scout24 nicht locker: Um den Onlinemarktplatzbetreiber übernehmen zu können, haben sie ihre Offerte noch einmal aufgestockt. Sie bieten nun 46 Euro je Aktie in bar, was einem Eigenkapitalwert von 4,9 Milliarden Euro und inklusive Nettofinanzverschuldung einem Unternehmenswert von 5,7 Milliarden Euro entspricht.

Vor rund einem Monat hatten die beiden Private-Equity-Häuser einen Preis von 43,50 Euro je Aktie in Aussicht gestellt, waren damit beim Scout24-Vorstand aber auf Ablehnung gestoßen. Das neue Angebot begrüßen Vorstand und Aufsichtsrat jedoch, heißt es in einer Mitteilung des Internetunternehmens.

Die Scout24-Führung ist auch dazu bereit, ihre selbst gehaltenen Aktien an die Investoren verkaufen. Es sei ein „attraktives Angebot mit einer substanziellen Prämie, hoher Transaktionssicherheit und einem strategischen Mehrwert für das Unternehmen“, wirbt Aufsichtsratschef Hans-Holger Albrecht. CEO Tobias Hartmann bezeichnet Hellmann & Friedman und Blackstone als „vertrauenswürdige und langfristige Partner, die als ehemalige Eigentümer mit dem Unternehmen vertraut sind“.

Scout24-Aktionäre sind begeistert

Tatsächlich kennen die beiden Finanzinvestoren Scout24 in- und auswendig: Sie hatten das Unternehmen 2014 von der Deutschen Telekom übernommen und nur eineinhalb Jahre später zu einem Kurs von 30 Euro je Aktie an die Börse gebracht. Hellman & Friedman hat erst vor gut einem Jahr seine letzten Scout24-Anteile verkauft.

Die Aktie entwickelte sich in den Folgejahren gut und erreichte im Juli 2018 ihr Hoch bei 47 Euro. Anschließend gingen die Kursgewinne zum Teil wieder verloren, unter anderem wegen des Zukaufs von Finanzcheck.de, den viele Aktionäre als zu teuer bewerteten.

Das aktuelle Übernahmeangebot von 46 Euro liegt nur knapp unter dem bisherigen Höchstwert, und die Aktie springt am frühen Freitag Vormittag auch um 11 Prozent auf genau den gebotenen Preis nach oben. Laut Unternehmensberechnungen entspricht das aktuelle Angebot einer Prämie von 24 Prozent auf den 3-Monats-Durchschnittskurs und von über 27 Prozent zum Kurs vom 13. Dezember, als Medien erstmals über eine mögliche Übernahme berichteten.

Die Übernahmebedingungen scheinen erreichbar: Die Mindestannahmeschwelle liegt bei 50 Prozent plus eine Aktie, während der Streubesitz bei 51,7 Prozent liegt und der Rest bei größeren institutionellen Anlegern. 

Scout24-Kurs kratzt wieder an Höchstmarke

Scout24 hat Buy-out-Finanzierung grade abgeschüttelt

Scout24 bietet gleich drei Dinge, die Finanzinvestoren schätzen: Hohe, gut vorhersehbare Cashflows, einen geringen Investitionsbedarf sowie diverse M&A-Optionen, mit denen sich das Unternehmen weiterentwickeln ließe. Aktuell verfügt Scout über eine noch ganz frische Finanzierung von 1 Milliarde Euro. Darin enthalten ist auch eine M&A-Kreditlinie von 500 Millionen Euro, wie CFO Christian Gisy im August im FINANCE-Interview berichtete.

Allerdings ist nicht bekannt, ob die Banken die M&A-Linie auch nach einem Buy-out noch stehen lassen würden. Hintergrund: Scout24 hat die Zeit seit dem Börsengang immer wieder dazu benutzt, Sondertilgungen auf Finanzierungen vorzunehmen.

Die teuren Kredite aus der ersten Buy-out-Ägide ersetzte CFO Gisy nach und nach durch eine günstigere Corporate-Finanzierung. Gelingt die geplante Übernahme, dürfte es auf der Finanzierungsseite zu einer Rolle rückwärts kommen.

FINANCE-Köpfe

Christian Gisy, Scout24 AG

Nach dem Studium arbeitet Gisy zunächst als Wirtschaftsprüfer bei Warth & Klein in Düsseldorf. 1997 wird er Direktor im Bereich Equity Capital Markets bei der WestLB Panmure.

Im Juli 2000 wechselt er auf die Unternehmensseite und wird Finanzvorstand bei dem Fernsehsender Viva Media AG. Im November 2006 wechselt Gisy als CFO zur Kinokette Cinemaxx in Hamburg, knapp zwei Jahre später übernimmt er im Oktober 2008 den Vorstandsvorsitz von Cinemaxx. Während dieser Zeit begleitet er die Restrukturierung der Kinokette.

Nach dem Verkauf an die britische Vue Entertainment wird Cinemaxx im Februar 2014 von der Börse genommen. Gisy, der zunächst noch als Managing Director der Cinemaxx Holdings GmbH an Bord bleibt, wechselt im Herbst desselben Jahres zu Scout24, um den Börsengang des Unternehmens zu begleiten. 

Dieser gelingt im Oktober 2015. Anschließend streift CFO Gisy die Buy-out-Finanzierung Stück für Stück und führt das Unternehmen in den Bereich des normalen Bankkredits. Teil der neuen Kredite ist auch eine M&A-Linie, die Scout im Sommer 2018 nutzt, um für 285 Millionen Euro das Kreditportal Finanzcheck.de zu erwerben. Im Zuge des Rückzugs von CEO Gregory Ellis kündigt auch Gisy im September 2018 an, seinen im September 2019 endenden CFO-Vertrag bei Scout 24 nicht verlängern zu wollen.

zum Profil

Das Vorhaben der beiden US-Finanzinvestoren hat für deutsche Verhältnisse ein gewaltiges Ausmaß: Mit einem Wert von 5,7 Milliarden Euro wäre der Deal die größte Private-Equity-Übernahme in Deutschland aller Zeiten. Bislang trägt diesen Titel die Übernahme des Pharmakonzerns Stada mit einem Volumen von knapp 5,6 Milliarden Euro.

Beraten wird der Scout24-Vorstand von Allen & Overy sowie Morgan Stanley. Den Aufsichtsrat beraten die Citigroup und die Anwaltssozietät Gleiss Lutz. Hellman & Friedman und Blackstone haben J.P. Morgan, Freshfields Bruckhaus Deringer sowie Latham & Watkins mandatiert.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de