Scout24-Finanzchef Christian Gisy beim Börsengang im Herbst 2015: Die kurze Börsengeschichte des Internetkonzerns könnte schon bald wieder zu Ende sein.

Andre Langer / Scout24

21.01.19
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Private-Equity-Duo will Scout24 zurück

Nicht einmal ein Jahr nach dem Verkauf der letzten Aktien will der Private-Equity-Investor Hellman & Friedman erneut zusammen mit Blackstone bei Scout24 einsteigen. Doch die Scout-Führung verfolgt ihre eigene Agenda.

Die noch junge Börsenhistorie von Scout24 steht womöglich schon vor ihrem Ende. Am Freitag nach Börsenschluss meldete der Internetportalbetreiber, eine informelle Übernahmeofferte der beiden Finanzinvestoren Hellman & Friedman sowie Blackstone erhalten zu haben. Gerüchte um ein Private-Equity-Interesse kursieren schon seit dem vergangenen Herbst. Als Hauptinteressent galt bislang jedoch der US-Tech-Investor Silver Lake.

Die beiden US-Fonds Blackstone und Hellman & Friedman haben nach Angaben von Scout24 einen Kaufpreis von 43,50 Euro je Aktie in Aussicht gestellt – aus Sicht der Scout-Führung zu wenig: „Der Vorstand hat den vorgeschlagenen Angebotspreis als unangemessen zurückgewiesen“, teilte Scout24 mit.

Wird Scout24 teurer als der Rekord-Buy-out Stada?

Tatsächlich liegt dieser Preis rund 10 Prozent unter dem bisherigen Höchststand der Scout-Aktie von 48 Euro, der im vergangenen Mai erreicht wurde. Doch bereits der jetzt im Raum stehende Preis würde eine Übernahme von Scout24 auf ein Niveau mit der größten Private-Equity-finanzierten Übernahme aller Zeiten in Deutschland machen. Zusammen mit den Nettofinanzschulden ergäbe sich ein Unternehmenswert von nahezu 5,5 Milliarden Euro.

Der bislang größte deutsche Buy-out, die Übernahme des Pharmakonzerns Stada, kam auf knapp 5,6 Milliarden Euro. Die beiden Finanzinvestoren hatten zunächst nur 5,4 Milliarden Euro geboten, mussten den Kaufpreis auf Druck des US-Hedgefonds Elliott jedoch nochmal erhöhen. 

Finanzinvestoren brachten Scout24 an die Börse

Andererseits bewerten Blackstone und Hellman & Friedman Scout24 mit 43,50 Euro deutlich ehrgeiziger als in der Vergangenheit, denn beide Fonds waren schon einmal gemeinsame Eigentümer des Internetkonzerns. Im Oktober 2015 brachten sie das Unternehmen zu einem Kurs von 30 Euro pro Aktie an die Börse. Nur eineinhalb Jahre zuvor hatten die beiden Finanzinvestoren Scout24 von der Deutschen Telekom übernommen. Hellman & Friedman hat sogar erst im Februar vergangenen Jahres seine letzten Scout24-Aktien verkauft. Damals notierte die Aktie bei rund 35 Euro.

Bemerkenswert ist, dass das Papier heute Vormittag trotz allem nur auf etwas mehr als 41 Euro steigt. Damit bleibt der Kurs spürbar unter dem im Raum stehenden Übernahmepreis. Dabei berichtet die FAZ, dass Scout24 mitnichten ein Spielball der Geschenisse ist, sondern selbst eine aktive Käufersuche angestoßen habe. Mandatiert dafür sei die Investmentbank Morgan Stanley. Stimmen diese Informationen, könnte Morgan Stanley versuchen, ein Wettbieten zwischen verschiedenen Finanzinvestoren und eventuell sogar strategischen Kaufinteressenten in Gang zu bringen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de