Das Level20-Team v.l.n.r. um Giovanna Maag (Altor Equity Partners), Michala Rudorfer (Permira), Laura Schröder (Advent), Anja Bickelmaier (Triton), Dörte Höppner (Riverside) und Martina Pfeifer (Advent) wollen Private-Equity-Karrieren von Frauen fördern.

Level20

21.10.19
Deals

Private Equity: Gemischte Bilanz für Level20

Die Initiative „Level20“ will die Karriere von Frauen in Private Equity fördern. Warum die Initiative ihr ambitioniertes Quotenziel vermutlich verfehlen wird – und trotzdem schon viel erreicht hat.

Bis Ende nächsten Jahres sollen 20 Prozent der Senior-Positionen bei Private-Equity-Häusern weiblich besetzt sein. Mit diesem ambitionierten Ziel trat 2015 die von zwölf Frauen in London gegründete weltweite Initiative „Level20“ an, um die Karrieren von Frauen in der Private-Equity-Branche zu fördern.

Blickt man auf die nackten Zahlen, wird dieses Ziel schwer zu erreichen sein. Zwar liegt die Senior-Quote Level20 zufolge derzeit bei rund 10 Prozent. Das ist immerhin doppelt so hoch wie vor vier Jahren, als der Branchenverband Invest Europe sie auf magere 5 Prozent bezifferte. Aber: Laut einer Studie von Preqin lag der Frauenanteil schon im Oktober 2017 bei 9 Prozent. Trotz der vermuteten Messunterschiede zwischen den verschiedenen Quellen deuten diese Zahlen eher auf eine moderate denn auf eine dynamische Entwicklung hin. 

Viele Mentoren melden sich bei Level20

Dies zeigt, wie mühsam die Arbeit von Level20 ist. Den bisherigen Erfolg oder Misserfolg der Initiative allein an dem gesteckten Quotenziel zu messen, wäre allerdings zu kurz gegriffen. „Die Beförderungszyklen in der Private-Equity-Branche sind vergleichsweise lang“, meint Laura Schröder. Sie ist Assistant Director bei Advent International und Teil des sechsköpfigen deutschen Führungskomitees von Level20. 

Level20 verfolgt verschiedene Ziele. Ein sehr wichtiges davon ist ein spezielles Mentoring-Programm, für dessen Konzept Schröder in Deutschland verantwortlich ist und das im September vergangenen Jahres gestartet ist. Vor kurzem begann die zweite Mentoring-Runde. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis des ersten Durchgangs“, berichtet Schröder. Die Anzahl der Mentoring-Paare stieg von 15 auf 25. 

„Wir sind sehr zufrieden mit dem ersten Durchgang."

Laura Schröder, Assistant Director, Advent International

Glaubt man Schröder, hätten es auch „gut und gerne 50 sein können“. Das Interesse seitens der Mentoren sei da gewesen, über alle Sektoren und Fondsgrößen hinweg. Offensichtlich mangelte es aber an Kandidatinnen, die die Mindestanforderungen an das Mentee-Programm erfüllen. Ganz frische Berufseinsteigerinnen schließt Level20 aus: „Ein Mentee muss mindestens zwei bis drei Jahre Berufserfahrung in Private Equity haben“, erklärt Schröder. 

So hilft Level20 Frauen beim Karrieresprung

Was aber hat das Mentoring-Programm den Kandidatinnen der ersten Runde gebracht? Schröder zufolge haben Teilnehmerinnen bei ihren Fonds anschließend Verantwortung für neue Teams oder Fonds bekommen. Viele ehemalige Senior Associates hätten zudem den nächsten Karrieresprung gemacht. Ob beides immer im direkten Zusammenhang steht, sei seitens Level20 nicht zu beurteilen, da bei den Beförderungen viele unterschiedliche Aspekte zusammenspielen würden.

„Aber die Mentees haben bei ihren Arbeitgebern ihr Profil geschärft und mehr Sichtbarkeit bekommen“, meint Schröder. Tatsächlich haben sich der Private-Equity-Managerin zufolge alle Mentees innerhalb ihrer bestehenden Organisation weiterentwickelt und nicht durch einen Wechsel zu einem anderen Fonds. „Den Mentoren ist es untersagt, die Mentees zu rekrutieren“, stellt Schröder klar. 

„Die Mentees haben ihr Profil geschärft und mehr Sichtbarkeit bekommen."

Laura Schröder

Anja Bickelmaier hat als Mentee das Angebot von Level20 genutzt, kurz nachdem sie zu dem Private-Equity-Investor Triton gewechselt ist. Als Investment Advisory Professional ist sie dort Teil des Healthcare-Teams. „Mein externer Mentor hat mir neben dem internen Onboarding sehr gut dabei geholfen, mich schnell und erfolgreich in das Team zu integrieren“, berichtet Bickelmaier. 

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist noch immer eines der größten Hindernisse für die Karrieren von Frauen in Private Equity. Triton beschäftigt sich laut Bickelmaier mit dem Thema schon länger, führte bereits vor Jahren eine moderne Elternzeit-Regelung ein und unterstützte Bickelmaier umfassend. Mit ihrem Mentor Andre Perwas hat sich Bickelmaier im Schnitt alle vier bis fünf Wochen getroffen und zu allgemeinen und genderspezifischen Karrierethemen ausgetauscht. 

Private Equity lockt zu wenige Frauen an

Auch Perwas bezeichnet die Erfahrungen, die er als Mentor mit dem Programm gemacht hat, als gut: „Level20 hat das Mentoring sehr gut vorstrukturiert und ein Handbuch mit den wichtigsten Zielen ausgearbeitet“, lobt Perwas. Dadurch habe das Programm eine hohe Verbindlichkeit. Perwas beurteilt seine Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Programm rückblickend als „sehr wertvoll“ und ermuntert seine männlichen Kollegen, es ihm gleich zu tun. 

Dass sich renommierte Private-Equity-Manager wie der ehemalige 3i-Partner Perwas oder Cinven-Deutschlandchef Bruno Schick der Initiative anschließen, ist vor allem dem Einsatz der Level20-Initiatoren zu verdanken. Perwas wurde beispielsweise von Giovanna Maag, Partnerin bei Altor Equity Partners in Zürich, für Level20 rekrutiert. 

„Das Thema ist für unsere Branche wichtig."

Andre Perwas, Ex-Partner, 3i

„Das Thema ist für unsere Branche wichtig“, meint Perwas. Private Equity tue sich aktuell schwer, ausreichend weibliche Talente anzuziehen. Unter zehn oder zwölf Bewerbungen von Investmentprofessionals sei derzeit eine Frau – wenn man Glück hat. 

Nur 15 Prozent der deutschen Fonds sind bei Level20

Perwas aber glaubt, dass Initiativen wie Level20 zu einem Umdenken in der Branche geführt hätten. Vor allem im Recruiting habe sich viel getan, Private-Equity-Investoren würden beispielsweise über Headhunter gezielt mehr Frauen ansprechen. Allerdings würde dies nur dann zu einem steigenden Anteil von Frauen in den verantwortlichen Positionen führen, wenn von unten eine wachsende Zahl an weiblichen Nachwuchsmanagerin nachwüchse. Dafür müssten die Fonds auch auf Junior-Ebene vermutlich mehr Frauen einstellen als in der Vergangenheit.

„Wir können nicht darauf warten, dass die Bewerberinnen uns die Türen einrennen."

Andre Perwas

Dass das passiert, dafür gibt es Hinweise. So unterstützen inzwischen schon rund 53 Private-Equity-Häuser die Level20-Initiative – 17 mehr als vor zwei Jahren. Sie haben sich verpflichtet, feste Mitgliedsbeiträge zu bezahlen. Häuser wie Equistone, die schon heute die Level20-Quote in Deutschland erfüllen, sind allerdings immer noch die Ausnahme. 

Hinzu kommt: Dem Branchenverband BVK zufolge gibt es über 300 in Deutschland aktive Beteiligungsgesellschaften. Nur rund 15 Prozent davon engagieren sich bei Level20 – einerseits ein beträchtliches Potential, andererseits aber auch ein Zeichen, dass das Problembewusstsein für die von Level20 aufgeworfenen Fragen nach wie vor gering ist. „Wir können nicht darauf warten, dass die Bewerberinnen uns die Türen einrennen. Wir müssen schon rausgehen und aktiv etwas dafür tun“, appelliert PE-Manager Perwas an seine Branche.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de