Private Equity: Marktkorrektur lässt weiter auf sich warten

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04.07.19
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Private Equity: Marktkorrektur lässt weiter auf sich warten

Ende 2018 haben viele Private-Equity-Manager gehofft oder gebangt, dass 2019 die große Marktkorrektur kommt. Ein halbes Jahr später ist davon jedoch nichts zu sehen, wie eine aktuelle FINANCE-Umfrage zeigt.

Private-Equity-Investoren, die vergangenes Jahr mit großen Investitionen gezögert und auf eine Marktkorrektur in diesem Jahr gehofft haben, wurden bisher enttäuscht. Das zeigt die neueste Ausgabe des FINANCE Midmarket-Private-Equity-Monitors, für den FINANCE im Auftrag der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) im Juni rund 50 in Deutschland tätige Private-Equity-Häuser zu Trends im deutschen Mittelstandssegment befragt hat.

Nur 20 Prozent der Befragten haben im vergangenen halben Jahr einen Preisrückgang im deutschen Midmarket beobachtet. Deutlich mehr Private-Equity-Manager (38 Prozent) nahmen dagegen überhaupt keine Preisänderung wahr. 42 Prozent beobachteten sogar einen weiteren Preisanstieg. Die Marktveränderungen, die sich im Winter 2018 angedeutet hatten, sind bisher noch nicht eingetreten.

EZB-Chef Draghi hebt Stimmung bei PE-Investoren

Die makroökonomischen Krisenherde im vierten Quartal 2018 wie der Handelskonflikt zwischen den USA und China, der geplante Brexit oder die eingetrübten Konjunkturaussichten ließen den Private-Equity-Markt bisher kalt. 

„Das Kapitalangebot ist nach wie vor hoch – das gilt für Eigen- wie für Fremdkapital. Ein massiver Einbruch der Bewertungen ist deshalb nicht zu erwarten“, meint Torsten Grede, Vorstandssprecher der Deutschen Beteiligungs AG. Die jüngsten Ankündigungen von EZB-Chef Mario Draghi, die Geldpolitik notfalls wieder zu lockern, haben am Kapitalmarkt nicht nur die Preise für Kapitalmarktdarlehen und Hochzinsanleihen bewegt, sondern dürften auch die positive Stimmung unter den Private-Equity-Managern weiter befeuern.

„Das Kapitalangebot ist nach wie vor hoch, weshalb ein massiver Einbruch der Bewertungen nicht zu erwarten ist.“

Torsten Grede, Vorstandssprecher, DBAG

Warnsignale für Private-Equity-Investoren

Grede zufolge können sich jedoch auch Private-Equity-finanzierte Unternehmen den konjunkturellen Einflüssen nicht völlig entziehen. Dies zeigen auch jüngste Restrukturierungsfälle wie der Wärmetauschspezialist Kelvion (Triton-Beteiligung) oder der Zeltbauer Losberger (Gilde-Beteiligung). Vor allem bei Losberger setzten die finanzierenden Banken ein deutliches Zeichen, indem sie ihre Kredite nicht verkauft, sondern die wirtschaftliche Kontrolle über das Unternehmen an sich gerissen haben. Mit Eismann droht Gilde zudem gerade ein weiteres Portfoliounternehmen zu verlieren, erneut auf Druck der Banken

Finanzinvestoren sollte die Hartnäckigkeit der Banken eine Warnung sein. Und der FINANCE Private-Equity-Midmarket-Monitor liefert noch ein weiteres Warnsignal: Es zeichnet sich ab, dass der Dealflow – die Anzahl der Unternehmen, die Private-Equity-Investoren angeboten werden – seinen Höhepunkt überschritten haben könnte.  Auf einer Skala von 1 bis 10 (1= deutlich schlechter, 5= identisch, 10= deutlich besser) bewerteten die Beteiligungsmanager den aktuellen Dealflow im Vergleich zum langfristigen Durchschnitt im Sommer nur noch mit dem Wert 5,23.

Dies ist per se noch kein schlechter Wert, da er fast exakt dem langjährigen Normalwert entspricht. Doch angesichts der immer größeren Fonds und immer größeren Konkurrenz unter den Private-Equity-Häusern müsste der Markt eigentlich stark wachsen. Ein seit Dezember 2017 tendenziell nachlassender Dealflow macht dies unwahrscheinlich.

Zwei Mal im Jahr befragen wir im Rahmen des FINANCE Private-Equity-Midmarket-Monitors Beteiligungsmanager von Private-Equity-Häusern zu ihrer Einschätzung für den deutschen Midmarket. Die Ergebnisse der Sommer-Umfrage 2019 können Sie hier kostenlos herunterladen.