Finanzinvestoren setzen auf Ausdauer: Im kommenden Jahr werden weitere Private-Equity-Häuser langlaufende Fonds gründen, prognostiziert FINANCE.

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02.01.17
Deals

So wird Private Equity im Jahr 2017

Finanzinvestoren fahnden nach Nachwuchs-Managern, langlaufende Fonds entstehen, und Midcap-Häuser gründen kleine Schwestervehikel: Diese Prognosen wagt FINANCE für das neue Private-Equity-Jahr.

Vor zwölf Monaten hat FINANCE fünf Prognosen für das Private-Equity-Jahr 2016 aufgestellt – welche das waren und ob sie eintrafen, lesen Sie am Ende dieses Artikels. Die dominierende Erkenntnis des Buy-out-Jahres 2016 ist in jedem Fall diese: 2016 hat sich im Private-Equity-Sektor wenig geändert, die wichtigsten Trends haben sich eher noch verstärkt. Es liegt noch mehr Kapital bei den Finanzinvestoren, die Bewertungen für Firmen sind noch weiter gestiegen, und die Angst vor der nächsten Korrektur ist noch präsenter. Doch auch wenn die großen Umwälzungen ausgeblieben sind, wagt FINANCE für 2017 wieder neue Thesen. 

Deutsche Investorenkonferenz 2017

Private Equity fließt immer mehr Geld zu. Die Folge: Die Konkurrenz um Zukaufsziele wird schärfer. Das treibt Kaufpreise und Leverage-Grade in die Höhe und macht es den Private-Equity-Häusern damit immer schwerer, den Wert ihrer Beteiligungen über die Haltedauer hinweg zu steigern. Wie die Branche damit umgeht, diskutieren namhafte Fondsmanager auf der Deutschen Investorenkonferenz am 13. November in Frankfurt. Hier geht es zu Programm und Anmeldung »

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1. Private-Equity-Investoren geht der Nachwuchs aus

Versicherungen und Pensionsfonds übertragen den Private-Equity-Investoren so viel Geld wie nie, weil ihnen im Niedrigzinsumfeld die Anlagealternativen fehlen – 600 Milliarden Euro an verwaltetem Anlagegeld hatten europäische Private-Equity-Fonds laut dem Datendienstleister Preqin zum 30. Juni 2016, knapp 40 Milliarden Euro mehr als sechs Monate zuvor. Die Zahl der potenziellen Übernahmeziele aber bleibt gleich, was zu verstärktem Wettbewerb um Kaufgelegenheiten führt, der die Preise treibt.

Das trägt auf doppelte Weise dazu bei, dass die Private-Equity-Häuser mehr Investmentmanager einstellen: Erstens müssen sie mehr Mühe und damit mehr Personal darauf verwenden, an Deals zu kommen. Zweitens müssen sie operativ die Portfoliounternehmen konzentrierter voran bringen, um trotz teurer Kaufpreise noch eine Wertsteigerung zu erzielen – am besten eine, die auch dann bestehen bleibt, wenn im Laufe der Haltedauer eine größere Konjunkturdelle eintreten sollte.

„Es war eine Boom-Phase für Headhunter, aber mit dem Risiko, dass wir unsere eigene Existenzgrundlage zerstören“, sagt Rupert Bell, der als Deutschlandchef von PE Recruit Investmentmanager für den hiesigen Markt sucht. „Besonders was die jüngeren Leute angeht, hat die Start-up-Welt viele Talente angezogen, die früher zu einer Bank oder Beratung gegangen wären. Außerdem gibt es das klassische Generation-Y-Thema: Studienabsolventen stellen sich heute mehr denn je die Frage, ob sie ihr Leben so auf die Arbeit konzentrieren wollen, wie eine Private-Equity-Karriere das erfordert.“ Die Folge: „Es ist nicht ungewöhnlich, dass wirklich gute PE-Manager in manchen Wochen vier oder fünf Angebote bekommen.“ Ein veritables Nachwuchsproblem bahnt sich für die Private-Equity-Fonds an.

2. Langlaufende Fonds sind im Kommen

Die Branchenpioniere Blackstone, CVC und Carlyle sind gerade dabei, Kapital für Fonds einzutreiben, deren Lebensdauer über die konventionellen zehn bis zwölf Jahre hinausgeht. Alle anderen großen internationalen Largecap-Private-Equity-Häuser und diverse Midcap-Investoren überlegen ebenfalls, solche Langläuferfonds aufzulegen, wie FINANCE von Brancheninsidern erfahren hat.

Die Logik ist überzeugend: Erstens herrscht ein Mangel an Kaufgelegenheiten. Also wandern Firmen von Investor zu Investor. Es ist kein Zufall, dass das Wort „Quaternary“, also der Verkauf eines Unternehmens an den vierten Finanzinvestor, ausgerechnet im abgelaufenen Jahr an  Bekanntheit gewonnen hat, etwa mit dem Besitzerwechsel des Wiesbadener Wurstpellenherstellers Kalle.

Der Mangel an Buy-out-Gelegenheiten führt so weit, dass Private-Equity-Häuser zuvor verkaufte Firmen zurückkaufen, oder von Fonds zu Fonds wandern lassen, wie offenbar beim Spezialchemie-Hersteller HCS geschehen. Nur in wenigen Fällen lässt sich das mit einer sinnvollen Wertschöpfungslogik erklären. In aller Regel liegt der Grund für derartige Vorgänge einfach darin, dass einerseits die Fondslaufzeit sich dem Ende nähert, andererseits das Portfoliounternehmen weiteren Wertzuwachs bei überschaubarem Risiko verspricht.

Zweitens haben viele große institutionelle Investoren, wie etwa Staatsfonds und Pensionsfonds, ein Interesse daran, ihr Kapital länger als zehn bis zwölf Jahre anzulegen. Vehikel mit längeren Laufzeiten neben den üblichen Fonds zu etablieren, erscheint also als eine logische Erweiterung des Private-Equity-Spektrums.

Allerdings machen die langen Laufzeiten das übliche Anreizmodell der Investmentmanager hinfällig: Läuft ein Fonds 15, 20 oder 25 Jahre, ist es für die Private-Equity-Manager schwer, die Gewinnbeteiligung über den Carried Interest im Blick zu behalten. „Die großen Private-Equity-Häuser tüfteln gerade an der Frage, wie sie dieses Problem lösen sollen. Eine Möglichkeit könnte sein, die Investmentmanager nicht erst nach Auflösung des Fonds, sondern schon bei Unternehmensverkäufen stärker an den Gewinnen zu beteiligen“, sagt ein Insider zu FINANCE.

3. Midcap-Investoren gründen Smallcap-Fonds

Große Private-Equity-Investoren wie KKR, Permira oder Goldman Sachs Merchant Banking beugen sich schon lange eine Etage tiefer und kaufen mittelgroße Unternehmen oder schnell wachsende, kleine Tech-Firmen, wenn sie eine Gelegenheit sehen.

Jetzt zeigen auch Midmarket-Investoren ein verstärktes Interesse, unterhalb ihrer angestammten Größenklasse zu investieren. So hat IK Investment Partners im abgelaufenen Jahr das Fundraising für seinen ersten Smallcap-Fonds abgeschlossen. Die Deutsche Beteiligungs AG hat sich für ihren Wachstums-Fonds (den es schon vorher gab) von den Investoren die Möglichkeit einräumen lassen, neben Minderheitsinvestments auch Mehrheitsübernahmen zu tätigen.

Das dürfte nicht alles gewesen sein. Die Rekordmenge an Kapital, die bei Private-Equity-Investoren liegt, will irgendwo angelegt werden, und um kleine Firmen mit einem Enterprise Value von 50 Millionen Euro und weniger ist die Konkurrenz unter den Bietern nicht ganz so verbissen, was die Multiples auf den Gewinn vergleichsweise moderat erscheinen lässt. „Wir überlegen, ob wir einen neuen Fonds abseits unseres angestammten Brackets eröffnen sollen“, sagte etwa der Geschäftsführer eines großen europäischen Midmarket-Investors jüngst zu FINANCE. „Ein Smallcap-Fonds wäre die naheliegendste Variante.“

Und was ist mit den FINANCE-Private-Equity-Thesen zu 2016?

FINANCE hat vor einem Jahr prognostiziert, dass Finanzinvestoren noch stärker zu großangelegten Buy-and-Build-Strategien greifen werden, in der Hoffnung, auf solch aufwändige Weise den Wert der ohnehin teuren Assets noch steigern zu können. Und tatsächlich hat das abgelaufene Jahr gezeigt, dass diese Ausbaustrategie noch beliebter als vorher geworden ist. So wurden im ersten Halbjahr 325 Zukäufe für Portfoliofirmen getätigt, zählt der Finanzinvestor Silverfleet, 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Ein gutes Beispiel für diese Strategie ist das Portfoliounternehmen HCS des Investors H.I.G. Capital. Der Chemiehersteller hat jüngst eine Unitranche von 290 Millionen Euro aufgenommen, um durch Zukäufe zu wachsen.

Eine andere These war, dass Finanzinvestoren im Jahr 2016 Gelegenheiten bekommen würden, Konzern-Spin-offs aufzukaufen. Und tatsächlich kamen im vergangenen Jahr drei der fünf deutschen Milliarden-Zukäufe durch Private Equity mittels Konzern-Abspaltungen zustande: Airbus Defense Electronics  (ging an KKR), Bilfinger Facility Management (ging an EQT) und Atotech (an Carlyle).

FINANCE hat vor einem Jahr schon vermutet, dass institutionelle Investoren ihr Geld vermehrt den Smallcap-Häusern übertragen – eine Bewegung, die sich jetzt bestätigt (siehe Punkt 3). Außerdem sagten wir, dass es wenige so genannte Public-to-Private-Transaktionen geben würde, bei denen ein Finanzinvestor ein Unternehmen von der Börse nimmt. Und tatsächlich blieben diese Deals aus. Den Begriff „Conviction“ hörten wir im laufenden Jahr allerdings selten – anders als von uns prognostiziert.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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