Syngroh: Family Office oder Private-Equity-Investor?

Syngroh Capital

10.09.19
Deals

Syngroh: Family Office oder Private-Equity-Investor?

Das noch junge Family Office der Familie Klaus Grohe kann bereits zwei Deals vorweisen. Vor allem die jüngste Auktionsübernahme von Novopress macht deutlich, dass Private-Equity-Investoren Family Offices wie Syngroh als Konkurrenten ernst nehmen sollten.

Rund eineinhalb Jahre erst ist Syngroh Capital am Markt, und schon hat das Family Office der Unternehmerfamilie Klaus Grohe zwei Deals gemacht – eine Schlagzahl, die viele Private-Equity-Häuser, die schon lange im Geschäft sind, nicht schaffen. Vor wenigen Tagen gab Syngroh die Übernahme des Presswerkzeugherstellers Novopress bekannt. Zuvor hatte man sich bereits am Gebäudedienstleister KMLS beteiligt. Und weitere Investments sollen sich bereits anbahnen, verlautet aus dem Syngroh-Umfeld.

Wie für ein Family Office typisch, wurde über die finanziellen Transaktionsdetails Stillschweigen vereinbart. Umso untypischer bei der Novopress-Übernahme war die Transaktionsstruktur, wie Robert Clausen im Interview verrät. Er ist der Geschäftsführende Gesellschafter von Syngroh Advisory und kümmert sich um die Investments der Beteiligungsgesellschaft. 

Syngroh hat DBAG-Ausstieg bei Novopress ermöglicht

Die Ausgangslage bei Novopress war komplex. Das Unternehmen hatte insgesamt vier Gesellschafter, von denen drei ihre Anteile verkaufen wollten, darunter auch der deutsche Private-Equity-Investor Deutsche Beteiligungs AG (DBAG). Mitglieder der Gründerfamilie Zangen wollten Gesellschafter auszahlen und suchten dafür eine Finanzierung. 

„Wir haben dieses Vorhaben über nachrangiges Fremdkapital finanziert, das wir inzwischen in Eigenkapital gewandelt haben“, berichtet Clausen. Syngroh hält jetzt 50,1 Prozent an Novopress. „Diese Flexibilität bei der Kapitalstruktur hilft uns, in dem hart umkämpften Private-Equity-Markt zu bestehen“, freut sich Clausen.

„Die Flexibilität bei der Kapitalstruktur hilft uns, in dem hart umkämpften Private-Equity-Markt zu bestehen.“  

Robert Clausen, Geschäftsführender Gesellschafter, Syngroh Advisory

Syngroh setzte sich bei KMLS in Auktion durch

Der frühere Corporate-Finance-Banker der französischen BNP Paribas fädelte für Syngroh aber nicht nur den Novopress-Deal ein, sondern navigierte das Family Office auch durch die kompetitive Auktion für KMLS. Syngroh sicherte sich dort schließlich einen Minderheitsanteil, der laut Clausen zu einer Mehrheitsposition ausgebaut werden kann. 

„Im aktuellen Marktumfeld können wir uns nicht auf den viel beschworenen proprietären Dealflow verlassen.“ 

Robert Clausen

In Auktionen trauen sich Family Offices selten, nicht nur, weil Auktionen in der Regel die Preise treiben. Viele Family Offices schaffen es schlicht nicht, bei dem schnellen Takt mitzugehen, den die M&A-Berater des Verkäufers vorgeben. Aber: „Im aktuellen Marktumfeld können wir uns nicht auf den viel beschworenen proprietären Dealflow verlassen“, begründet Clausen Syngrohs Offenheit für Auktionen. 

Family Offices werden immer professioneller

Allerdings wächst die Zahl der Family Offices, die strukturell ähnlich professionell wie die meisten Private-Equity-Häuser aufgestellt sind. Neben Syngroh gehören beispielsweise auch Bregal – das Family Office der C&A-Gründerfamilie – oder HQ Equita aus dem Umfeld der Harald-Quandt-Familie dazu. Syngroh ist Clausen zufolge deshalb bei Auktionen schnell und kompetitiv, weil es wie ein Private-Equity-Investor über ein Investment-Komitee verfügt, das schnell über Deals entscheiden kann. 

Seit Syngroh am Markt ist, hat sich Clausen eine dreistellige Zahl an möglichen Transaktionen angesehen, zehn davon intensiver. Syngrohs Investitionsspektrum ist breit – breiter als bei den meisten Private-Equity-Häusern: Mehrheit, Minderheit, Equity, nachrangiges Debt, Buy-and-hold, Buy-and-Build, all Equity oder moderater Leverage – „unser Mandat lässt das alles zu“, sagt Clausen.

„Pro Transaktion können wir zwischen 20 und 40 Millionen Euro investieren.“

Robert Clausen

Die Familie hat dafür 100 Millionen Euro als feste Kapitalzusage bereitgestellt, die Clausen und sein Team investieren können. „Pro Transaktion können wir zwischen 20 und 40 Millionen Euro investieren“, meint Clausen. Sobald 80 Prozent der Grohe-Gelder investiert seien, werde man sich mit der Familie, für die grundsätzlich auch Co-Investments denkbar seien, erneut zusammensetzen. Behält Syngroh bei Zukäufen dieses Tempo bei, dürfte das nicht mehr allzu lange dauern.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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