Der Finanzinvestor Robus zieht seine Kaufoption und übernimmt die Modemarke Hallhuber.

Grosescu Alberto Mihai/iStock/Getty Images Plus

12.07.19
Deals

M&A-Deals: Gerry Weber, Schleich, Leoni

Gerry Weber verkauft Hallhuber an Robus, der Spielzeughersteller Schleich bekommt einen neuen Eigentümer und Leoni will sich von seiner Kabelsparte trennen: Diese und weitere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Robus übernimmt Hallhuber von Gerry Weber

Robus zieht seine Kaufoption: Der Finanzinvestor übernimmt die Mehrheit an Hallhuber von der insolventen Modekette Gerry Weber. Die Kaufoption hatte sich Robus gegenüber Gerry Weber gesichert, als der Investor Hallhuber im Februar mit einer Brückenfinanzierung über 10 Millionen Euro über Wasser gehalten hatte.

Nach dem Verkauf hält Gerry Weber noch 12 Prozent an Hallhuber und bekommt von Robus eine Barzahlung über eine halbe Millionen Euro. Alternativ hätte der Modekonzern auf die Cash-Komponente verzichten können, und dafür mehr Anteile behalten können.

Ardian verkauft Schleich an nächsten Finanzinvestor

Der französische Private-Equity-Investor Ardian trennt sich von dem Spielwarenhersteller Schleich: Das Schwäbisch-Gmünder Unternehmen wird an den Schweizer Finanzinvestor Partners Group verkauft. Der Verkaufspreis wurde nicht genannt. Medienberichten zufolge wurde der Verkauf der Mehrheitsbeteiligung mit einem Unternehmenswert von 400 Millionen Euro bewertet.

Bei dem Deal wurde Ardian von der Anwaltskanzlei Milbank (Federführung: Norbert Rieger) unterstützt. Die Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins hat die Partners Group beraten. Der Verkaufsprozess wurde auf Seiten der Franzosen von JP Morgan arrangiert. Das Schleich-Management wurde von P & P Pöllath & Partners (Federführung: Benedikt Hohaus) sowie der Corporate-Finance-Beratung Blättchen und Partner beraten. Ardian hatte den Spielwarenhersteller vor fünf Jahren vom britischen Finanzinvestor Hg Capital für 220 Millionen Euro erworben. Erst Anfang dieser Woche sorgte Ardian noch mit der Insolvenz seines Portfoliounternehmens Weber Automotive für Schlagzeilen.

Leoni will sich von Kabelsparte trennen

Der Kabelhersteller Leoni spaltet sich auf: Die Nürnberger wollen ihre Sparte Wire & Cable Solutions (WCS) verkaufen oder an die Börse bringen. Für welche Option Leoni sich entscheidet, ist noch offen, auch ein Anteilsverkauf kommt für die Nürnberger noch in Frage.

Der Erlös aus dem Verkauf des profitableren Kabelgeschäfts soll vor allem in die defizitäre Brodnetzsparte Wiring Systems Division (WSD) fließen, die Leoni nach der Trennung zum Kerngeschäft machen und weiterentwickeln will.

Kretinsky legt Details zur Metro-Übernahme vor

Die Annahmefrist für das Metro-Übernahmeangebot des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky hat begonnen: Die Aktionäre können nun bis zum 7. August ihre Papiere andienen. Trotz einiger Kritik seitens der Metro-Vorstände hat Kretinsky sein Angebot nicht nachgebessert – sein Gebot für den Handelsriesen entspricht immer noch einem Eigenkapitalwert von 5,8 Milliarden Euro.

Der Tscheche hat dafür aber eine hohe Mindestannahmeschwelle festgelegt: Sie liegt bei 67,5 Prozent aller Stimmrechte. Mit den Anteilen die Kretinsky bereits hält und denen, die ihm vom Großaktionär Haniel bereits zugesichert worden sind, kommt der Tscheche auf 32,7 Prozent. Damit rücken nicht nur die anderen beiden Großaktionäre, die Meridian Stiftung und die Beisheim Holding, in den Blick, sondern auch die Aktien, die sich im Streubesitz befinden – das sind aktuell 45,5 Prozent.

Evotec gründet Spin-off Breakpoint Therapeutics

Evotec gründet gemeinsam mit einem Investorenkonsortium das Spin-off Breakpoint Therapeutics. Wie das Biotech-Unternehmen am Montag bekannt gab, wird es weniger als 50 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen halten. Neben dem TecDax-Unternehmen gehören auch die Venture-Capital-Investoren Medicxi und Taiho zu dem Investorenkonsortium, das für die Frühphasenfinanzierung 30 Millionen Euro aufbringt. Breakpoint Therapeutics Fokus liegt künftig auf der Entwicklung mehrerer bei Evotec initiierter Wirkstoffentwicklungsprogramme.

DBAG räumt Portfolio auf

Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) verkauft ihre Beteiligung an dem Folienhersteller Infiana an den britischen Finanzinvestor Pamplona. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart, jedoch realisiert der Frankfurter Private-Equity-Investor nach eigenen Angaben im Rahmen des Deals mehr als das Doppelte des ursprünglich investierten Kapitals. Die DBAG hatte die Infiana-Anteile im Dezember 2014 im Zuge eines Management-Buy-outs für 141 Millionen Euro von dem finnischen Konzern Huhtamaki Oij übernommen. Die Transaktion soll innerhalb der kommenden drei Monate abgeschlossen werden. Beraten wurde die DBAG beim Infiana-Deal von der Wirtschaftskanzlei Jones Day (Federführung: Christian Krebs).

Zusätzlich hat die DBAG auch ihre Beteiligung an Novopress verkauft. Der Hersteller elektromechanischer Presswerkzeuge geht an den größten Mitgesellschafter, ZHG Zangen. Über den Kaufpreis haben die Unternehmen Stillschweigen vereinbart. Die DBAG ist seit 2015 in Novopress beteiligt. Die damaligen Anschaffungskosten beziffert das Unternehmen auf 2,3 Millionen Euro und schöpft aus dem aktuellen Verkauf von Novopress eigenen Angaben zufolge „ein Vielfaches dieses 2015 investierten Betrages.“

Berater-News

IMAP erweitert den Vorstandskreis: Die Mannheimer M&A-Beratung hat Henning Graw als viertes Mitglied in den Vorstand berufen. Der 43-Jährige rückt damit zu Karl Fesenmeyer, Peter Koch und Carsten Lehmann auf. Graw ist seit 2017 bei IMAP. Er startete als Partner mit dem Schwerpunkt auf Distressed M&A-Deals und baute bei den Mannheimern auch die dazugehörige Abteilung aus.

Die Corporate-Finance-Abteilung der Kanzlei SGP Schneider Geiwitz setzt einen neuen Schwerpunkt: Die auf Distressed M&A spezialisierte Abteilung will nun mit der traditionellen M&A-Beratung ein zweites Standbein aufbauen. Hierfür eröffnet SGP einen neuen Standort in Ravensburg und holt zwei neue Mitglieder in ihr Team. Von Helbling Business Advisors wechseln der künftige Geschäftsführer Nicolas Gutbrod sowie Benjamin Bauer, der Vice President M&A bei SGP werden soll. Gutbrod, der neben dem geschäftsführenden Gesellschafter Arndt Geiwitz agieren wird, bringt unter anderem Erfahrungen mit M&A-Deals in den Segmenten Software, Automotive, Maschinenbau sowie Engineering mit. Bauer war in der Vergangenheit unter anderem mit Cross-Border-Transaktionen betraut.

Weitere Meldungen

Bayer erwägt offenbar eine Fusion seines Tierarzneigeschäfts mit dem US-Wettbewerber Elanco Animal Health. Wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ unter Berufung auf Insider berichtete, sind die Leverkusener an Elanco herangetreten, um über einen möglichen Zusammenschluss beider Unternehmen zu sprechen. Den Insidern zufolge zögert Bayer mit dem Auktionsstart für Finanzinvestoren, um ein Abkommen mit Elanco abzuschließen. Zuletzt wurden noch die Finanzinvestoren CVC, KKR, Blackstone, EQT, Bain und Cinven als mögliche Interessenten für die Tiermedizinsparte gehandelt.

Morphosys steigt bei Vivoryon Therapeutics ein: Die Biotechfirma zahlt für einen Minderheitsanteil an dem biopharmazeutischen Wettbewerber bis zu 15 Millionen Euro. Der Einstieg bei Vivoryon soll Ende des Jahres im Rahmen einer Kapitalerhöhung erfolgen. Im Gegenzug erhält Morphosys von Vivoryon eine exklusive Lizenzoption für die Entwicklung und Vermarktung von speziellen Wirkstoffklassen in der Krebsforschung.

Das Melsungener Pharmaunternehmen B. Braun erwirbt über sein Tochterunternehmen B. Braun Avitum den Geschäftsbetrieb des Medizintechnikers Nephtec, hinter dem die Maintaler Unternehmensgruppe Centec steht. Mit der Übernahme baut B. Braun das Produktportfolio im Bereich der zentralen Aufbereitung von Dialysekonzentraten aus. Über finanzielle Transaktionsdetails wurde Stillschweigen vereinbart. Die Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt (Federführung: Sebastian Weller) hat B. Braun Avitum beim Kauf rechtlich beraten.

Riverside hat ein Add-on gefunden: Der Private-Equity-Investor beteiligt sich an Compana, einem Anbieter von Rekrutierungssoftware für die Zeitarbeitsbranche. Das PE-Haus will Compana mit seinem Portfoliounternehmen Germanpersonnel zusammenführen. Zum Kaufpreis oder der Höhe der Beteiligung wurden keine Angaben gemacht. Die Geschäftsführer von Compana und Germanpersonnel leiten ihre Unternehmen weiterhin und bleiben auch Anteilseigner. Der US-Finanzinvestor wurde von dem Beratungshaus Bluemont (Commercial), EY (Financial and Tax), der Digitalberatung Wdp (IT) sowie den Rechtsanwälten von Lupp + Partner (Legal) begleitet.

Die Schuhhandelsgruppe Kienast übernimmt den insolventen Warendorfer Wettbewerber Schuhpark Fascies. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. In dem Eigenverwaltungsverfahren konnten 70 der insgesamt 88 Filialen sowie 700 von 900 Arbeitsplätzen gesichert werden. Die Wirtschaftskanzlei Luther (Federführung: Thomas Halberkamp und Vincent Tiepold) hat Kienast bei der Transaktion unterstützt.

Die Private-Equity-Investor Steadfast beteiligt sich mehrheitlich an Söhngen, einem Hersteller und Anbieter von Produkten für die Notfallmedizin. Teil der Transaktion sind die beiden Unternehmen W. Söhngen und Silva. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Finanzierung der Akquisition wurde von einem Bankenkonsortium um die Norddeutsche Landesbank und die Oldenburgischen Landesbank bereitgestellt. Steadfast wurde von der Rechtsanwaltskanzlei Taylor Wessing (Federführung: Maria Weiers und Ulf Gosejacob) beraten.

Der Immobilieninvestor Corestate übernimmt seinen französischen Wettbewerber Stam Europe. Mit dem Abschluss der Transaktion rechnen die im SDax gelisteten Luxemburger im vierten Quartal dieses Jahres. Transaktionsdetails wurden nicht genannt. Das 1997 gegründete Pariser Unternehmen Stam verwaltet rund 2 Milliarden Euro. Corestate wurde von Allen & Overy (Federführung: Fréderic Jungels) und EY beraten. Stam Europe wurde von De Pardieu Brocas Maffei begleitet.

Main Capital investiert rund 50 Millionen Euro in GBTEC Software & Consulting. Für das Investment erhält der niederländische Finanzinvestor 51 Prozent der Anteile an dem Softwarespezialisten für Business Prozessmanagement. Transaktionsdetails sind nicht bekannt. GBTEC hat seinen Sitz in Bochum und bedient mehr als 700 Kunden. Das Softwareunternehmen wurde von dem WP-Haus BDO (Federführung: Matthias Meyer, Oliver Bach und Thorsten Schumacher) beraten.

United Internet hat seine Anteile an 1&1 Drillisch aufgestockt: Der Internetanbieter hat die Anzahl seiner Anteile auf eine kritische Schwelle gehoben und kontrolliert jetzt 75,1 Prozent an 1&1. Damit eröffnen sich für United Internet nun viele Handlungsoptionen, die sie aktuell aber nicht nutzen möchten. Auch der Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags sei nicht geplant, heißt es in einer Kapitalmarktmitteilung.

Waterland verkauft seine Beteiligung Vivaneo: Der Private-Equity-Investor veräußert die Kinderwunschzentren an Fertility Partnership, hinter denen der Investor Impilo steht. Waterland hatte Vivaneo 2011 erworben und seitdem für das Wiesbadener Zentrum 12 Add-ons gekauft. Nun geht das Unternehmen, das mittlerweile an 15 Standorten in Europa 300 Mitarbeiter beschäftigt und einen Jahresumsatz von 50 Millionen Euro erwirtschaftet, an den britisch-polnischen Anbieter künstlicher Befruchtungen. Über Transaktionsdetails wurde Stillschweigen vereinbart. Waterland ließ sich bei der Transaktion von Quarton (M&A) und Willkie Farr & Gallagher (Legal) beraten. Impilo hat sich bei der Transaktion von der Kanzlei Herbert Smith Freehills (Federführung: Christoph Nawroth) beraten lassen.

Die auf die Gesundheitsbranche spezialisierte Investmentgesellschaft Archimed übernimmt im Rahmen eines Management-Buy-outs das Salzburger Diagnostikunternehmen Eurolyser. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Neben Eurolyser hat der Investor auch den österreichischen Handelsvertreter Eurolab gemeinsam mit dem Management gekauft. Beide Unternehmen sollen Archimed zufolge die Basis für die zukünftige Eurolyser Gruppe bilden. Archimed entstand 2014 aus einem Zusammenschluss ehemaliger Mitglieder der Private-Equity-Gesellschaft 3i.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals. Hinweise zur Bewertung im Rahmen von Transaktionen liefern unsere neuen FINANCE-Multiples, die Sie auch in der aktuellen FINANCE-Ausgabe finden.