Evonik bangt um den Peroxychem-Deal: Nachdem die FTC kartellrechtliche Bedenken geäußert hat, könnte die Transaktion platzen.

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09.08.19
Deals

M&A-Deals: Evonik, Bayer, KKR

Die FTC könnte den Evonik-Deal platzen lassen, Bayer macht einen Milliarden-Exit bei Currenta, und KKR schließt gleich zwei Transaktionen ab: Die spannendsten M&A-News der Woche in unserem FINANCE-Rückblick.

Evoniks US-Deal droht zu platzen

Die geplante Übernahme von Peroxychem durch den Spezialchemiekonzern Evonik steht auf der Kippe: Die amerikanische Handelsaufsicht FTC will den Deal verhindern und hat Klage gegen die Transaktion eingereicht. Ihren Schritt begründet die Behörde mit kartellrechtlichen Bedenken: Die Konkurrenz für die Herstellung und den Verkauf von Wasserstoffperoxid werde durch den Zusammenschluss in weiten Teilen der USA eingeschränkt, teilte die FTC mit.

In einem gemeinsamen Statement erklären Evonik und Peroxychem, gegen die Klage ankämpfen zu wollen. Trotzdem lässt sich die nun bevorstehende Verzögerung des 625 Millionen US-Dollar schweren Deals nicht verhindern: Um bis 2022 die erwarteten jährlichen Synergien in Höhe von 20 Millionen Dollar heben zu können, hatte Evonik gehofft, die Transaktion bis Mitte dieses Jahres abschließen zu können. Nun sei ein Closing vor Ende des Jahres aber nicht mehr möglich, so Evonik.

Bayer steigt für 1,2 Milliarden Euro bei Currenta aus

Erfolg für Bayer: Der Leverkusener Konzern erhält für den Verkauf seiner 60-prozentigen Beteiligung an dem Chemieparkbetreiber Currenta rund 1,17 Milliarden Euro. Damit legt der Käufer – der australische Infrastruktur-Investor Macquarie Infrastructure and Real Assets (Mira) – mehr auf den Tisch als Marktbeobachter erwartet hatten. Durchgesetzt hatte sich Mira Medienberichten zufolge gegen den Finanzinvestor EQT.

Currenta ist Teil eines Joint Ventures zwischen Bayer und Lanxess, die Kölner sind mit 40 Prozent an dem Chemieparkbetreiber beteiligt. Auch Lanxess wird seinen Anteil, der aktuell mit 780 Millionen Euro bewertet wird, an Mira veräußern – allerdings erst in einigen Monaten, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Insgesamt zahlen die Australier für Currenta 3,5 Milliarden Euro inklusive Schulden und Pensionsverpflichtungen.

Mit dem Abschluss der Transaktion rechnet Bayer im vierten Quartal dieses Jahres. Die Wirtschaftskanzlei Baker McKenzie (Federführung: Ingo Strauss, Heiko Gotsche und Florian Thamm) hat die Leverkusener bei dem Deal beraten. Lanxess hat sich für die Transaktion von der Kanzlei White & Case (Federführung: Markus Hauptmann) beraten lassen. Die Kanzleien Clifford Chance (Federführung: Anselm Raddatz und Markus Stephanblome) und Kliemt sowie das WP-Haus Deloitte haben Mira bei der Transaktion begleitet.

Unterdessen hat Bayer die restlichen Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen Bluerock Therapeutics aufgekauft. Bislang war der Chemiekonzern mit knapp 41 Prozent an dem US-Biotechunternehmen beteiligt. Dem bisherigen Mitgesellschafter und -gründer, Versant Ventures, zahlt Bayer für seine knapp 60 Prozent der Anteile zunächst 240 Millionen Dollar. Weitere 360 Millionen Dollar folgen, wenn bestimmte Forschungs- und Entwicklungsmeilensteine erreicht werden. Den Abschluss der Transaktion, bei der Bluerock mit bis zu 1 Milliarde Dollar bewertet wird, erwarten die Leverkusener im dritten Quartal dieses Jahres.

KKR besiegelt zwei M&A-Deals

Heidelpay bekommt mit KKR einen neuen Eigentümer: Der Private-Equity-Investor übernimmt 60 Prozent an dem Heidelberger Zahlungsdienstleister. Verkäufer ist der britische Finanzinvestor Anacap, der vor rund zwei Jahren bei Heidelpay eingestiegen war. FINANCE-Informationen zufolge bewertet KKR das Unternehmen mit 600 Millionen Euro, was dem 14,8-fachen Ebitda entspricht.

Der Finanzinvestor hatte sich der „Financial Times“ zufolge im Bieterrennen um Heidelpay gegen die Finanzinvestoren Nordic Capital und EQT sowie die Zahlungsdienstleister Worldline und Nets durchgesetzt. Mit dem Abschluss der Transaktion rechnet KKR im ersten Quartal 2020, der Deal steht noch unter Vorbehalt der Behörden. Die Anwaltssozietät Weil, Gotshal & Manges (Federführung: Gerhard Schmidt) hat KKR bei der Transaktion unterstützt.

Zudem nimmt KKR diese Woche auch eine Hürde für den Einstieg bei Axel Springer: Wie KKR mitteilte, wurden 27,8 Prozent aller Aktien im Rahmen des Übernahmeangebots für das Berliner Verlagshaus angedient. Mit diesem Ergebnis hat KKR die Mindestannahmeschwelle von 20 Prozent überschritten.

Siemens Healthineers macht Milliardendeal in den USA

Siemens Healthineers will das US-Medizintechnikunternehmen Corindus übernehmen: Hierfür bietet das Siemens-Spin-Off 1,1 Milliarden Dollar, was einem Aufschlag von 77 Prozent auf den Schlusskurs der Aktie vor Bekanntwerden der Übernahme entspricht. Die hohe Bewertung des noch jungen US-Unternehmens rechtfertigen die Erlangener mit einem Technologievorsprung seitens der US-Amerikaner: Sie entwickelten zuerst robotergestützte Systeme, die operative Eingriffe präziser und schneller machen.

Mit dem Zukauf will Siemens Healthineers die Sparte Advanced Therapies ausbauen. Das kleinste Geschäftsfeld des MDax-Unternehmens erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Siemens Healthineers setzte zuletzt 13,4 Milliarden Euro um. Finanziert wird die Transaktion mit einem Darlehen von Siemens, ihren Abschluss erwarten die Unternehmen noch in diesem Jahr.

Scheitert die Private-Equity-Übernahme von Osram?

Die geplante Übernahme von Osram durch Bain und Carlyle wackelt: Weil der größte Osram-Aktionär Allianz Global Investors – beteiligt mit mehr als 9 Prozent – die Offerte der Finanzinvestoren als zu niedrig ablehnt, haben es die Private-Equity-Investoren immer schwerer, die ambitionierte Mindestannahmeschwelle von 70 Prozent zu erreichen. Bain und Carlyle bieten 35 Euro je Osram-Anteilsschein.

Dieses Angebot lehnt der Vermögensverwalter vehement ab, da er in den vergangenen Jahren Osram-Aktien zu deutlich höheren Preisen gekauft hatte, als die Finanzinvestoren nun bieten. Ein weiterer Störfaktor für Bain und Carlyle ist zudem das wieder ins Spiel gebrachte, höhere Angebot von AMS: Der österreichische Sensorhersteller bietet 38,50 Euro je Osram-Aktie. Die Annahmefrist läuft noch bis zum 5. September.

Apax steigt bei Dixi und Toi Toi ein

Apax erwirbt eine Mehrheitsbeteiligung an der für die Dixi- und Toi-Toi-Toiletten bekannten Adco-Gruppe. Dem Wiesbadener Familienunternehmen zufolge bleiben die Altgesellschafter bei dem Buy-out „signifikant“ rückbeteiligt. Zur Höhe der Rückbeteiligung sowie der Höhe des Anteils, den Apax erwirbt, machten die Unternehmen keine Angaben. Das Closing erwartet Adco für das vierte Quartal dieses Jahres.

Die Wiesbadener wurden bei dem Kauf finanziell von der Citigroup und rechtlich von der Rechtsanwaltsgesellschaft KWM Europe beraten. Ernst & Young unterstützte das Familienunternehmen mit einer Due Diligence. Die US-Investmentbank Houlihan Lokey fungierte als Finanzberater von Apax, die Wirtschaftskanzlei Kirkland & Ellis (Federführung: Attila Oldag, Rory Mullarkey) als deren Rechtsberater.

Ende Juni flammten kurzzeitig Gerüchte darüber auf, dass neben Apax auch die Private-Equity-Häuser EQT, Triton und Core Equity an Adco interessiert gewesen sein sollen. Die Nachrichtenagentur „Reuters“ hatte damals einen Kaufpreis von 700 bis 800 Millionen Euro in den Raum gestellt.

Trustbills an Gründer verkauft

Das insolvente Fintech Trustbills wurde an Fintech Studio verkauft. Der Insolvenzverwalter Sponagel wurde dabei von der Corporate-Finance-Boutique Saxenhammer beraten. Hinter Fintech Studio stehen Jörg Hörster und Johannes Ulbricht. 

Über Trustbills können Firmenkunden Forderungen versteigern, weshalb das Geschäftsmodell auch für Banken interessant ist. 2016 von Hörster und Ulbricht gegründet, beteiligten sich in der Folge sowohl die genossenschaftliche DZ Bank als auch die Deutsche Bank an Trustbills. Aufgrund eines Streits unter den Gesellschaftern musste Trustbills im April dieses Jahres Insolvenz anmelden

Berater-News

Innogy muss eine Führungskraft ziehen lassen: M&A-Chef Gerwig Koch wird das Unternehmen Mitte kommenden Jahres auf eigenen Wunsch verlassen, teilten die Essener mit. Koch gilt als maßgeblicher Arrangeur der geplanten 22 Milliarden Euro schweren Übernahme der RWE-Tochter durch Eon. Zudem war der 49-Jährige für den Börsengang von Innogy im Oktober 2016 verantwortlich. Insgesamt war der M&A-Chef 15 Jahre lang für RWE und Innogy tätig.

Taurus Advisory baut die Geschäftsleitung aus: Berthold Hackl wird neuer Managing Director bei der Bad Sodener M&A-Boutique. Er verantwortet dort nun den Geschäftsbereich Life Sciences & Health Care. Zuvor war Hackl fünf Jahre als General Manager Europe bei dem bioanalytischen Dienstleistungsanbieter Eurofins tätig. Davor war er CEO des Medizintechnikers Invendo.

Oliver Marquardt wechselt von Mayerhöfer zu Oaklins: Seit Anfang des Monats ist Marquardt nach eigenen Angaben Director bei der Mid-Market-M&A-Beratung mit Sitz in Frankfurt am Main. Bevor der Berater vor zwei Jahren zum Director bei Mayerhöfer aufstieg, verantwortete er bei der ebenfalls in Frankfurt ansässigen Corporate-Finance-Beratung als Vice President neben M&A unter anderem das Investmentbanking sowie Private-Equity-Transaktionen.

Weitere Meldungen

Choice übernimmt die insolvente Visione: Der Nürnberger Mobilitätsdienstleister kauft den digitalen Preisauszeichner aus Remscheid. Über den Kaufpreis sowie Transaktionsdetails haben die Unternehmen Stillschweigen vereinbart. Der Deal wurde von der M&A-Beratung Livingstone (Federführung: André Schröer und Christian Garbe) begleitet.

Bosch Building Technologies
übernimmt GFR: Den Gebäudetechniker kauft die Sicherheitstechniksparte von Bosch der Wiedemann Unternehmensgruppe ab. Mit dem Zukauf will Bosch den Geschäftsbereich mit Sicherheits- und Automationslösungen stärken. Über die Höhe des Kaufpreises wurde Stillschweigen vereinbart. Bei der Transaktion, die noch der Zustimmung der Kartellbehörden bedarf, wurde Bosch von der Wirtschaftskanzlei Dentons (Federführung: Christof Kautzsch) beraten.

RIB Software
übernimmt CCS UK: Der börsennotierte IT-Dienstleister, der Technologien speziell für die Bau- und Immobilienbranche anbietet, kauft den britischen Wettbewerber über sein südafrikanisches Investmentvehikel. Mit der Übernahme erwirbt RIB Software die Lizenz zum Vertrieb einer Baumanagementsoftware in Großbritannien und Irland. Ein Kaufpreis oder weitere Transaktionsdetails sind nicht bekannt.

Hubert Burda Media
übernimmt das Münchener Online-Medizin-Portal Netdoktor von der Holtzbrinck-Verlagsgruppe. Wie Burda bekanntgab, soll Netdoktor in den Geschäftsbereich der Mediengruppe BurdaLife integriert werden. Mit der Transaktion will Burda in Kooperation mit der Apothekergenossenschaft Noweda traditionelle Apotheken unterstützen. Über finanzielle Transaktionsdetails wurden keine Angaben gemacht. Holtzbrinck wurde von der Anwaltskanzlei CMS (Federführung: Thomas Meyding und Tobias Grau) begleitet.

Der Schaum- und Perlweinhersteller Schloss Wachenheim kauft das stationäre Weingeschäft sowie den Onlineshop des Wettbewerbers Pieroth. Mit der Übernahme verdoppelt Schloss Wachenheim eigenen Angaben zufolge seine Retail-Kapazitäten auf dem deutschen Markt. Ein Kaufpreis ist nicht bekannt. Die Corporate-Finance-Beratung Capitalmind (Federführung: Jürgen Schwarz und Florian Ismer) hat Pieroth beim Verkauf beraten.

Postcon
geht an Private Equity: Der Münchener Finanzinvestor Quantum übernimmt mit Postcon das Deutschlandgeschäft der niederländischen PostNL. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Postcon kommt in Deutschland auf einen Marktanteil von 10 Prozent. Postcons größter Wettbewerber, die Deutsche Post, kommt im Briefgeschäft auf einen Marktanteil von 81 Prozent. Bei der Transaktion wurde PostNL von Bird & Bird (Federführung: Stefanie Orttmann) unterstützt.

Scio Automation
übernimmt Autkom: Mit dem Zukauf erweitert der Frankenthaler Industrieautomatiker sein bestehendes Portfolio, das bereits aus den Unternehmensgruppen Schiller und Vescon besteht. Scio wurde bei der Transaktion von der M&A-Beratung IMAP unterstützt. Hinter den Frankenthalern steht der Private-Equity-Investor Quadriga.

Die Beteiligungsgesellschaft Syngroh beteiligt sich mehrheitlich an Novopress, einem Hersteller elektromechanischer Presswerkzeuge. Zum Kaufpreis oder der Höhe der Beteiligung haben die Unternehmen keine Angaben gemacht. Syngroh ist die Beteiligungsgesellschaft der Unternehmerfamilie Grohe.

Massenberg
übernimmt das Geschäft mit Bauwerkinstandsetzung des Wettbewerbers Stromberg. Über Transaktionsdetails haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Mit dem Zukauf wächst der Essener Spezialist für Bauwerkinstandsetzung auf rund 400 Mitarbeiter. Hinter Massenberg steht der Finanzinvestor Deutsche Private Equity (DPE).

Die DEAG übernimmt Mewes Entertainment mehrheitlich. Mit dem M&A-Deal baut die DEAG ihre Aktivitäten im Bereich Schlager und Volksmusik weiter aus. Einen Kaufpreis nennt die DEAG nicht.

R. Stahl
hat seine Beteiligung an Easco um 35 Prozent ausgebaut: Damit hält der Explosionstechniker nun 70 Prozent an seinem südafrikanischen Vertriebspartner. Für die 35-prozentige Beteiligung zahlen die Waldenburger 900.000 Euro.

Das insolvente Unternehmen Wayand verkauft seinen Standort Herrstein an Happich: Damit gehört der Wayand-Geschäftsbereich Land-, Baumaschinen und Nutzfahrzeuge künftig dem Wuppertaler Innenausstatter für Nutz- und Spezialfahrzeuge. Wie aus einer Mitteilung hervorgeht, bleiben alle Arbeitsplätze am Standort Herrstein erhalten. Bei dem Verkauf wurde der Insolvenzverwalter Tobias Laub von Ebner Stolz Management Consultants unterstützt.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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