Axel Krieger ist bei Digital+Partners für Investments in Industrie-Technologie zuständig.

M J Chapman/Digital+Partners

31.10.16
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„Wir schließen Lücke zwischen Private Equity und Wagniskapital“

Der neue Münchener Investor Digital+Partners hat bald 100 Millionen Euro eingesammelt. Partner Axel Krieger erklärt im Interview mit FINANCE, in welche Art von Unternehmen das Geld fließt.

Der neugegründete Finanzinvestor Digital+Partners steht vor dem First Close seines Debütfonds. Bis Mitte Dezember will die Münchener Gesellschaft rund 100 Millionen Euro von deutschen Geldgebern eingesammelt haben, erklärt Partner Axel Krieger im Interview mit FINANCE. Im nächsten Schritt zapft Digital+Partners internationale Investoren an – bis Mitte 2018 soll der erste Fonds 300 Millionen Euro stark sein.

Die Investoren in Digital+Partners sind bisher überwiegend deutsche Family Offices, berichtet Krieger, der zuvor als Partner für McKinsey aus Deutschland, China und den USA heraus gearbeitet hat. Das Geld soll in junge, stark wachsende Technologie-Firmen fließen.

Neben Axel Krieger zählt Digital+Partners drei weitere Miteigentümer: Patrick Beitel, der wie Krieger lange bei McKinsey war; Thomas Jetter, der als Permira-Partner in der Branche bekannt wurde; und Dirk Schmücking, der für Investcorp Wachstumsfinanzierungen getätigt hat. Die vier wollen pro Unternehmen zwischen 10 und 30 Millionen Eigenkapital für Minderheitsanteile von 15 bis 25 Prozent geben – und positionieren sich damit in einer Nische des Private-Equity-Marktes, in der es noch nicht so eng ist wie im klassischen Mid-Market-Geschäft.

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Digital+Partners investiert in Wachstumsunternehmen

„Wir schließen die Lücke zwischen Private Equity und Wagniskapital“, beschreibt Krieger die Strategie seines Investors. Private-Equity-Investoren würden die kleinen und im Cashflow negativen Firmen links liegen lassen, während klassische Venture-Capital-Geber an der Größe der Tickets oft scheitern würden und höchstens im Konglomerat zum Zuge kämen.

„Was wir machen, ist Growth Equity – das gibt es im angelsächsischen Raum, hier in Deutschland aber bisher kaum“, erklärt Krieger. Darum erwartet der Investor nur wenig Wettbewerb um Unternehmen. „Das heißt, dass wir nicht an klassischen Auktionen teilnehmen müssen, sondern mit Unternehmen in Ruhe die Themen durchgehen können, bevor es zu einem Investment kommt.“

Digital+Partners hat bislang Anteile an zwei Unternehmen erworben: Orderbird stattet Gastronomen mit Bezahlsystemen über das iPad aus, Movingimage bietet Konzernen eine Plattform, um Video-Content zu verbreiten. Insgesamt will Digital+Partners aus dem aktuellen, zehn Jahre laufenden Fonds in zwölf bis fünfzehn Firmen investieren, jeweils mit einer angepeilten Haltezeit von fünf Jahren.

B2C-Startups sind für Digital+Partners uninteressant

Die Unternehmen haben gemeinsam, dass eine Technologie im Zentrum ihres Geschäftsmodells steht. Digital+Partners unterteilt die geplanten Investments in Industrial Tech und Fintech.

In beiden Sparten interessiert der Investor sich nur für Firmen, die sich an Geschäftskunden statt an Endkunden richten. „Unsere Investmentstrategie funktioniert, weil Deutschland im Bereich Industrie-Technologie Weltklasse ist. Im B2C-Bereich ist es das aus unserer Sicht nicht. Darum verstehen wir viele Investments in diesem Sektor nicht“, sagt Krieger. In Deutschland setzt etwa Rocket Internet in großem Stil auf B2C-Technologie-Start-ups.

Geht es an den Exit, sollen die Unternehmen Umsätze von 50 Millionen Euro und mehr schreiben, mit einem positiven Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit). „Damit sind die Firmen interessant für Private Equity“, sagt Krieger, womit auch er einen Beitrag dazu leisten würde, dass sich das Universum an potentiellen M&A-Targets für die deutsche PE-Branche mittelfristig wieder etwas erweitert. Doch dafür müssen sich die klassischen Finanzinvestoren strecken, hofft Krieger. „Als Käufer für unsere Unternehmen sehen wir auch deutsche und internationale Strategen. Und selbst Börsengänge halten wir für denkbar.“ Bis zur ersten Probe aufs Exempel dürften aber noch mindestens zwei bis drei Jahre vergehen.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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