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Aareon wandert in die Hände von Private Equity 

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Das Softwarehaus Aareon mit Hauptsitz in Mainz bekommt neue Eigentümer: TPG und CDPQ steigen ein, die bisherige Mehrheitseignerin Aareal Bank aus. Foto: Aareon
Das Softwarehaus Aareon mit Hauptsitz in Mainz bekommt neue Eigentümer: TPG und CDPQ steigen ein, die bisherige Mehrheitseignerin Aareal Bank aus. Foto: Aareon

Es geht etwas im zuletzt bescheideneren Private-Equity-Deal-Umfeld: TPG kauft zusammen mit der kanadischen Investmentgruppe CDPQ das Softwarehaus Aareon für rund 3,9 Milliarden Euro von den bisherigen Eigentümern Aareal Bank und Advent International. Der Mainzer Software-as-a-Service-Anbieter, der Lösungen für die Immobilienwirtschaft anbietet, werde im Zuge der Übernahme unabhängig aufgestellt, heißt es in einer aktuellen Mitteilung.

Aareon befindet sich derzeit noch mehrheitlich im Besitz des Immobilienfinanzierers Aareal Bank. Investor Advent war bei der Software-Tochter 2020 mit 30 Prozent eingestiegen und hatte dafür 260 Millionen Euro auf den Tisch gelegt. 

TPG hält künftig Mehrheit an Aareon  

Der Deal mit TPG und CDPQ soll in der zweiten Jahreshälfte 2024 abgeschlossen werden, wenn die aufsichtsrechtlichen Genehmigungen vorliegen. Konkret will TPG Capital in einem Konsortium mit der Investmentgruppe CDPQ in Aareon investieren. TPG wird dabei der Mehrheitseigner, Partner CDPQ ist mit einer Minderheitsbeteiligung engagiert. 

Auch der bisherige Mit-Eigner Advent wird weiter mitmischen. Dieser werde „seine Beteiligung an Aareon fortsetzen und neues Eigenkapital für einen Minderheitsanteil an dem eigenständigen Unternehmen investieren“, heißt es.  

Bei dem Deal war Arma Partners als Lead Financial Advisor aktiv. Goldman Sachs agierte als Financial Advisor für Advent und die Aareal Bank. Zudem war CMS als Legal Counsel für die Aareal Bank aktiv; Weil, Gotshal & Manges beriet Advent in rechtlichen Fragen. Für die Käufer TPG und CDPQ waren Morgan Stanley als Financial Advisor und Kirkland & Ellis als Legal Counsel involviert. 

Neue Besitzer bringen Aareon zusätzliche Ressourcen 

Durch die neue Konstellation mit TPG soll Aareon Zugang zu „zusätzlichen, spezialisierten Ressourcen und Expertise“ bekommen, um Innovation und Wachstum voranzutreiben. „Wir freuen uns, mit dem Aareon-Team und unseren Co-Investoren partnerschaftlich zusammenzuarbeiten, um den Geschäftserfolg des Unternehmens in seiner künftigen Eigenständigkeit fortzusetzen“, kommentiert TPG-Partner Flavio Porciani den Deal. „Der Bedarf an umfassenden Property-Management-Lösungen steigt angesichts der zunehmenden Digitalisierung von Arbeitsabläufen sowie der immer komplexeren regulatorischen Anforderungen in der Immobilienwirtschaft.“  

Aareal zieht sich bei Aareon zurück 

Die Aareal Bank dagegen verabschiedet sich mit dem Deal von ihrer IT-Tochter Aareon. Der Bank wird der Verkauf nach Abzug der Transaktionskosten einen Veräußerungsgewinn von rund 2 Milliarden Euro in die Kasse spülen.  

Dementsprechend hebt sie jetzt auch ihre Prognose fürs Geschäftsjahr 2024 an. Der Großteil der mit der Transaktion verbundenen Kosten von rund 150 Millionen Euro soll dabei bereits im zweiten Quartal bilanziell erfasst werden, der Veräußerungsgewinn dann im zweiten Halbjahr mit dem Closing.   

Fortbestehen soll jedoch die Zusammenarbeit zwischen Aareal und Aareon über das Joint Venture First Financial Software. Dieses bietet Zahlungsverkehrssoftwarelösungen für die Immobilienwirtschaft sowie angrenzende Branchen an.  

Aareal stellte Finanzierung von Aareon 2023 auf eigene Beine 

Die Bank hatte 2023 mit 100 Millionen Euro noch einmal erheblich und deutlich mehr als geplant in Aareon investiert. Der SaaS-Anbieter erwirtschaftete im vergangenen Jahr 344 Millionen Euro, ein Plus von 12 Prozent gegenüber 2022. Das bereinigte Ebitda legte um 33 Prozent auf 100 Millionen Euro zu, die bereinigte Ebitda-Marge verbesserte sich auf 29 Prozent.  

Gleichzeitig wurden die finanziellen Bande zwischen Aareal und Aareon gelockert: Die bisher von der Bank zur Verfügung gestellte Refinanzierungslinie war 2023 durch eine externe Finanzierung abgelöst worden. Aareon selbst wächst auch anorganisch durch M&A-Deals. Erst kürzlich wurde bekannt, dass das Unternehmen das Softwarehaus Haufe-Lexware Real Estate von der Haufe Group übernimmt.  

Lena Scherer ist Redakteurin bei FINANCE. Sie hat Publizistik, Anglistik und Komparatistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz studiert und nebenbei für verschiedene Redaktionen gearbeitet. Bevor sie zu FINANCE kam, war sie mehr als acht Jahre lang beim Branchen-Fachdienst buchreport aktiv, zuletzt als Co-Chefredakteurin. Dort hat sie unter anderem Marktanalysen vorgenommen sowie die Bereiche Fachinformation, Recht/Wirtschaft/Steuern und Digitales betreut.