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Telekom zündet M&A-Feuerwerk

Die Deutsche Telekom schließt zwei neue Deals ab. Foto: Deutsche Telekom
Die Deutsche Telekom schließt zwei neue Deals ab. Foto: Deutsche Telekom

Die Telekom treibt mit zwei M&A-Deals den Umbau ihres Portfolios voran: Wie die Bonner am heutigen Dienstag verkündeten, bauen sie den Anteil an der lukrativen Mobilfunk-Tochter T-Mobile US aus. Finanziert wird der Deal mit dem Tech-Investor Softbank, der im Zuge der Transaktion zum zweitgrößten Einzelaktionär des Dax-Konzerns aufsteigt, unter anderem durch den Verkauf des Geschäfts in den Niederlanden.

Für einen Unternehmenswert von 5,1 Milliarden Euro geht T-Mobile Netherlands an ein Konsortium um die Private-Equity-Investoren Apax Partners und Warburg Pincus. Der Kaufpreis entspricht etwa dem 8,7-fachen bereinigten Ebitda AL von T-Mobile NL über die vergangenen 12 Monate. Bis Ende Juni 2021 erwirtschaften die Niederländer einen Umsatz von gut 2 Milliarden Euro und ein bereinigtes Ebitda AL von 582 Millionen Euro.

Im Zuge der Transaktion, die noch von den zuständigen Behörden und der europäischen Fusionskontrolle genehmigt werden muss, darf sich Telekom-CFO Christian Illek auf einen Milliardenerlös freuen: Netto fließen 3,8 Milliarden Euro in die Kasse des Finanzchefs. Der Telekom gehören bislang 75 Prozent an T-Mobile Netherlands, die restlichen 25 Prozent gehören Tele2, die ihren Anteil ebenfalls an die Finanzinvestoren verkaufen.

Die Telekom wurde von Morgan Stanley als Finanzberater und De Brauw Blackstone Westbroek als Rechtsberater begleitet.

T-Mobile NL hat Restrukturierung hinter sich

Telekom-CEO Tim Höttges hatte den Verkauf der Tochter schon im Mai bei einem Kapitalmarkttag in Aussicht gestellt. Grund für die Entscheidungen seien strategische Gründe, betonte der Telekomchef damals. Der Landesgesellschaft sei zwar „ein enormer Turnaround“ gelungen, sie könne aber nicht in dem Maße Produkte aus einer Hand anbieten wie es die zwei großen lokalen Wettbewerber KPN und Ziggo machen.

Die T-Mobile NL musste in den vergangenen Jahren restrukturiert werden. Laut Telekom habe sie den Marktanteil im Mobilfunk zum Jahresende 2020 auf 42 Prozent ausgebaut, mit 700.000 Breitbandkunden zum Ende des zweiten Quartals 2021 im Festnetz ist der Ableger aber eher nur ein Nischenanbieter.

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Christian Illek, Deutsche Telekom AG

Christian Illek

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Deutsche Telekom AG

Die Neubesitzer Apax und Warburg Pincus, dessen Deutschlandchef René Obermann früher CEO der Telekom war, wollen T-Mobile NL nun neu positionieren und „zu einem der erfolgreichsten europäischen Mobilfunkunternehmen machen“, heißt es in der Pressemitteilung. Die Finanzinvestoren sind laut Telekom im Bereich der Kommunikationsdienstleistungen und des TMT-Sektors bereits erfahren. Sie sind  unter anderem an Orange Schweiz, Ziggo, TDC, Wind Telecom und Community Fibre beteiligt.

Telekom mit komplexen Deal

Die Telekom dagegen zieht sich aus den Niederlanden zurück, um mehr finanzielle Mittel für das boomende US-Geschäft zu haben: Große Teile des Erlöses aus dem Deal mit PE nutzen die Bonner, um ihre Beteiligung an der Ertragsperle, der amerikanischen Mobilfunksparte T-Mobile US, aufzustocken. Insgesamt könnten bis zu 2,4 Milliarden Euro aus dem Niederlanden-Deal in den Ausbau der Beteiligung am US-Geschäft fließen. Der Anteil soll damit um 5,3 Prozent auf 48,4 Prozent wachsen.

Der Deal erfolgt in zwei Schritten. Zunächst gibt es einen Aktientausch. Telekom wird 45 Millionen Aktien vom Techinvestor Softbank übernehmen. Die Bonner zahlen dabei im Durchschnitt rund 118 US-Dollar je T-Mobile-US-Aktie – ein guter Deal für die Telekom: Der Kurs entspricht einem Abschlag von rund 13 Prozent gegenüber dem Schlusskurs am 3. September.

Möglich ist dies dank einer Vereinbarung aus dem Juni 2020 – kurz nach dem die Telekom das US-Geschäft mit dem kleineren Wettbewerber Sprint fusioniert hatte. Damals hatten sich die Deutsche Telekom und Softbank darauf verständigt, dass die Telekom Call-Optionen über insgesamt 101 Millionen T-Mobile-US-Aktien erhält. Ein Teil dieser Call-Optionen hatte einen festen Ausübungspreis, ein anderer Teil ergab sich aus dem Marktpreis bei Ziehung der Option.

Softbank steigt bei Deutscher Telekom ein

Teile dieser Call-Option zieht die Telekom nun. Allerdings fließt dafür kein Cash, denn im Gegenzug steigt Softbank über eine Kapitalerhöhung bei der Telekom ein. Die Japaner zahlen je Telekom-Aktie 20 Euro. Die Japaner halten dann 4,5 Prozent an der Telekom und werden damit nach dem Bund zum zweitgrößten Aktionär. An dem USA-Geschäft hält Softbank dann noch 3,3 Prozent.

Deutsche Telekom und Softbank schließen zudem eine Vereinbarung über eine neue strategische Partnerschaft, durch die die Telekom zu einem wichtigen europäischen Partner im Ökosystem von Softbank werden soll. Die Transaktion soll im 2021 abgeschlossen werden. Goldman Sachs, Morgan Stanley, Cravath, Swaine & Moore und Freshfields Bruckhaus Deringer haben die Telekom beraten.

Doch das soll noch nicht alles sein. Die Telekom plant weitere 20 Millionen T-Mobile-US-Aktien von Softbank zu übernehmen. Das würde einem Anteil von 1,6 Prozent entsprechen, wodurch die Telekom die gewünschte 50-Prozent-Marke bei den Amerikanern knacken würde. Die Telekom will nämlich „langfristig die bestehende unternehmerische Kontrolle über das US-Unternehmen haben und die Vollkonsolidierung sichern“, heißt es in der Mitteilung.

Es dürfte zudem nicht das letzte Mal gewesen sein, dass sich die Telekom am M&A-Markt zeigte: Ebenfalls im Mai hatte das Unternehmen angekündigt, für ihre gesamte Funkturmsparte einen Käufer zu suchen. Der Markt für Sendemasten ist derzeit durch die beschleunigte Digitalisierung und den kostspieligen 5G-Aufbau in Bewegung. Die Vodafone-Tochter Vantage Towers ist im März in Frankfurt an die Börse gegangen und schaut sich nach Zukäufen um, zu Beginn des Jahres verkaufte die spanische Telefónica in einem Milliardendeal Funkmasten an American Towers.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

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