Neustart in Zeiten von Corona: Der Reiseveranstalter Tui will die Sommersaison 2020 mit deutlich weniger Personal meistern. „Die Tui soll gestärkt aus der Krise hervorgehen“, erklärte Tui-Chef Fritz Joussen am Mittwoch bei der Präsentation der Halbjahreszahlen für 2020. Das veränderte Marktumfeld würde Einschnitte erforderlich machen bei Investitionen, Kosten, Größe und Präsenz in aller Welt, so Joussen weiter.
Aufgrund dessen wolle der Touristikkonzern dauerhaft 30 Prozent der Overhead-Kosten reduzieren. „Weltweit wird das Auswirkungen auf rund 8.000 Stellen haben, die wir nicht besetzen oder abbauen“, ließ Joussen wissen. Bei der Tui, die ihre rund 70.000 Mitarbeiter bereits vom 1. April bis 30. September in Kurzarbeit geschickt hat, wäre dies mehr als jede zehnte Stelle. Das Kostensenkungsprogramm soll auch „die bereits eingeleitete Transformation zu einem digitalen Plattform-Unternehmen weiter beschleunigen“.
Corona schlägt bei Tui voll durch
Vor Ausbruch des Coronavirus sah sich das Hannover Unternehmen noch auf einem guten Weg. So legte der Umsatz in den ersten fünf Monaten des Geschäftsjahres von Oktober bis Februar um 6 Prozent auf 6 Milliarden Euro zu. Der bereinigte Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag in den ersten fünf Monaten im traditionell schwächeren Wintergeschäft bei 240 Millionen Euro, was im Vergleich zum Vorjahreszeitraum allerdings einer Verbesserung von 21 Prozent entsprach. „Wir waren vor der Krise wirtschaftlich sehr erfolgreich und werden es auch nach dem Ende der Krise wieder sein“, gab sich Tui-CEO Joussen zuversichtlich.
FINANCE-Themenseite
Das genaue Ausmaß der Corona-Folgen zeichnet sich mit Blick auf den gesamten Zeitraum von Oktober bis März ab. Hier musste die Tui einen bereinigten Verlust vor Zinsen und Steuern von 828,7 Millionen Euro ausweisen, im Vorjahreszeitraum war der Verlust mit 301,6 Millionen Euro noch deutlich geringer. Der Umsatz gab in den ersten sechs Monaten immerhin nur leicht um 0,6 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro nach.
Tui mit Finanzpolster dank Staatshilfe
Die verfügbaren liquide Mittel beziffert Tui aktuell mit 2,1 Milliarden Euro. Ein Blick aufs Zahlenwerk macht deutlich, dass das Eigenkapital zwischen Ende September 2019 und Ende März 2020 von 4,2 Milliarden auf 2,8 Milliarden geschmolzen ist. Angesichts der Krise Ende März hatte sich der Tourismuskonzern Ende März eine KfW-Kreditlinie in Höhe von 1,8 Milliarden Euro gesichert und damit eine bereits bestehende 1,75 Milliarden Euro umfassende Kreditvereinbarung für seine Revolving Credit Facility aufstocken können.
Mitte März hatte der Tui-Vorstand um CEO Fritz Joussen und CFOBirgit Conix bereits den Ausblick für das Gesamtjahr zurückgezogen. Auch jetzt wollte das Management „aufgrund der andauernden Pandemie und der weiter bestehenden weltweiten Reisebeschränkungen“ keine Prognose für das Geschäftsjahr 2020 wagen. Allerdings ließ das Unternehmen wissen, dass das aktuelle Sommerprogramm noch zu 35 Prozent gebucht sei. Mit Blick auf die ersten Buchungen für den Folgesommer verzeichne man hingegen bereits ein Plus von 114 Prozent.
FINANCE-Köpfe
Gleichzeitig gab man bekannt, dass die ersten deutschen Tui-Hotels auf Sylt und in Mecklenburg-Vorpommern in den kommenden Tagen wieder Gäste empfangen. Auch in anderen europäischen Ländern sollen Hotels und Clubs wieder bereit stehen. Um die Gesundheit der Urlauber zu gewährleisten, hat der Reisekonzern eigenen Angaben zufolge einen 10-Punkte-Katalog für erhöhte Hygiene- und Schutzmaßnahmen umgesetzt. „Die Saison startet später, könnte dafür aber länger dauern“, so die Hoffnung von CEO Joussen.
Info
Einbrechende Nachfrage, einreißende Lieferketten: Etliche Unternehmen leiden massiv unter den Folgen von Corona. Lesen Sie mehr dazu auf unserer Themenseite zum Coronavirus.
Mehr über die Tui-CFO finden Sie auf dem Köpfe-Profil von Birgit Conix. Wie der Konzern versucht, die Coronakrise zu überstehen, können Sie auf unserer Themenseite zu Tui nachlesen.

