Tui-Konzernzentrale in Hannover: Der Reisekonzern könnte eine KfW-Kreditlinie in Höhe von 1,8 Milliarden Euro erhalten.

Tui

30.03.20
Finanzierungen

Tui bekommt milliardenschwere Staatshilfe

Der stark von der Corona-Pandemie getroffene Reisekonzern Tui hat von der Bundesregierung die Zusage über eine milliardenschwere Kreditlinie der KfW erhalten. Nun müssen allerdings noch die Hausbanken zustimmen.

Die vom Coronavirus stark gebeutelte Tui will sich mit Hilfe eines Staatskredits weitere finanzielle Luft verschaffen. Der Reisekonzern habe die Zusage der deutschen Bundesregierung für eine Kreditlinie der KfW in Höhe von 1,8 Milliarden Euro erhalten, teilte das Unternehmen mit. Um diese Summe kann der Reisekonzern  eine bereits bestehende 1,75 Milliarden Euro umfassende Kreditvereinbarung für seine Revolving Credit Facility aufstocken.

Mit dem KfW-Geld will Tui die „beispiellosen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie“ abfedern, bis der normale Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Derzeit hat der Reiseveranstalter sein gesamtes Angebot bis Ende April ausgesetzt. Zudem können Kunden die für Mai gebuchten Reisen gebührenfrei verschieben.

Banken müssen Tui grünes Licht geben

Noch ist der KfW-Kredit allerdings nicht vollständig in trockenen Tüchern. Die Banken des Konsortiums, bei dem Tui seine Revolving Credit Facility abgeschlossen hat, müssen zunächst noch einigen erforderlichen Vertragsänderungen des bereits bestehenden revolvierenden Kredits zustimmen. Laut einem Bericht des „Handelsblatts“ haben die Geschäftsbanken der Hannoveraner die Möglichkeit, die ausgezahlten Kredite zurückzufordern, wenn die Nettofinanzverschuldung das Dreifachen des Betriebsergebnisses (Ebitda) übersteigt. Ein Unternehmenssprecher wollte dies auf FINANCE-Nachfrage nicht kommentieren.

In jedem Fall müssten Tuis Geschäftsbanken ihr Risko erhöhen: Wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf einen KfW-Sprecher berichtet, werde der staatliche Kredit nur bereitgestellt, wenn die Geschäftsbanken für 20 Prozent der Kreditsumme bürgen – gemessen an der Gesamtsumme wären dies 360 Millionen Euro, für die das Konsortium im Risiko stünde.

Von der Tui und ihren Aktionären fordert die KfW ebenfalls Zugeständnisse, so muss der Konzern für die Dauer der Kreditlaufzeit auf Dividendenzahlungen verzichten.

Für das Geschäftsjahr 2019, das am 30. September endete, wies Deutschlands größtes Reiseunternehmen ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 1,28 Milliarden Euro aus. Die Nettofinanzposition lag bei minus 910 Millionen Euro. In einer Präsentation zu den Zahlen des ersten Quartals des Geschäftsjahrs 2020, das den Zeitraum Oktober bis Dezember 2019 umfasst, ging Finanzchefin Birgit Conix für das gesamte Geschäftsjahr 2020 noch von einem Anstieg dieses Werts auf 1,4 bis 1,7 Milliarden Euro aus.

Tui verordnet Kurzarbeit

Die Prognosen des Reisekonzerns für das laufende Geschäftsjahr dürften sich seitdem allerdings deutlich verdüstert haben, da die Auswirkungen der Krise auch auf den europäischen Markt nun viel stärker durchschlagen. Die Stornierung vieler Reisen wird ein Loch in die Kasse reißen, da die Tui beispielsweise Anzahlungen von Kunden zurückerstatten muss. Wann der Konzern seine normale Geschäftstätigkeit wieder vollständig wird aufnehmen können, ist zudem derzeit noch völlig offen.

Der Reisekonzern hat bereits auf die schwierige Situation reagiert: So sollen die Tui-Beschäftigten vom 1. April bis 30. September in Kurzarbeit gehen. Auch der Vorstand um CEO Friedrich Joussen und CFO Birgit Conix setzte ein Zeichen: Die Manager wollen von April an bis auf weiteres auf 30 Prozent ihres Grundgehalts verzichten.

Die Tui-Aktie hat seit Beginn der Corona-Krise fast zwei Drittel ihres Werts verloren und steht aktuell bei 4,11 Euro.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

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