Ulf Hüttmeyer

Air Berlin PLC & Co. Luftverkehrs KG

Name:
Ulf Hüttmeyer
Unternehmen:
Air Berlin PLC & Co. Luftverkehrs KG
Ressort:
Finanzen
Position:
CFO von Februar 2006 bis März 2015
Ausbildung:
Duales BWL-Studium an der Berufsakademie Vechta zum Betriebswirt (BA), Fachrichtung Bank. Den praktischen Teil des Studiums absolvierte er bei der Commerzbank. Anschließend folgte ein berufsbegleitendes Studium an der privaten Fachhochschule für Wirtschaft und Technik in Vechta zum Diplom-Kaufmann (FH).
Geburtstag:
09.07.1973
Familie:
Verheiratet, zwei Kinder
Ehrenamt:
Keine Angaben
Hobbies:
Keine Angaben

Karriere

Von 1996 bis 2006 arbeitet Hüttmeyer als Analyst der Commerzbank im Bereich Kreditvergabe und Finanzierung. Seine Einsatzorte sind Bremen, Berlin und für drei Jahre auch Singapur. Anfang 2006 wird er zum Director ernannt. Kurz darauf, im Februar 2006, wechselt Hüttmeyer als CFO zu Air Berlin und ist seit Oktober 2012 Mitglied des Management Boards der Air Berlin Group.

Ende September 2014 übernimmt er zusätzlich eine Führungsaufgabe im globalen Finanzteam bei der Muttergesellschaft Etihad Airways, zu der er im Frühjahr 2015 komplett wechselt und im Zuge dessen seinen CFO-Posten bei Air Berlin aufgibt.

Karriere-Highlights:

1)    Mai 2006: Börsengang von Air Berlin

2)    M&A: Übernahme von LTU im Jahr 2007, vollständige Integration im Jahr 2011

3)    Finanzierung: Zwei Kapitalerhöhungen (2009 und 2011) und Platzierung diverser High-Yield-Anleihen

Deals

M&A-Divestment
Datum:
12/2012
Dealvolumen des M&A-Divestments:
150 - 249 Millionen Euro
Veräußertes Unternehmen:
Vielfliegerprogramms Topbonus
Käufer:
Etihad Airways
Land:
Deutschland
Land:
Arabische Imirate
Umsatz des Unternehmens:
keine Angaben
Umsatz des Unternehmens:
keine Angaben
Optimierungungsprojekt
Beratungsanfang:
2013
Beratungsende:
2013
Art des Projekts:
Kostensenkung
Unternehmen:
Air Berlin PLC & Co. Luftverkehrs KG

MEHR zur Person

Ulf Hüttmeyer, Air Berlin: Der Frühberufene

Mit jungen 32 Jahren ist Ulf Hüttmeyer CFO von Air Berlin geworden – und das, obwohl er bis dahin nur in einer einzigen Bank Berufserfahrung gesammelt hat. Seitdem hat er bewiesen, dass er dennoch über das nötige kreative Finanzierungsgeschick verfügt.

Ulf Hüttmeyer ist noch ein Jungspund, als er im Februar 2006 Finanzvorstand von Air Berlin wird. Die Fluggesellschaft hat im Zuge der Umfirmierung zur Aktiengesellschaft den CFO-Posten neu geschaffen. Wäre der Posten über einen Headhunter besetzt worden, hätte Hüttmeyer den Job wohl nicht bekommen, da er bei seiner Berufung gerade einmal junge 32 Jahre alt ist und nur Berufserfahrung in einem einzigen Kreditinstitut aufweisen kann.

1996 hat Hüttmeyer seine berufliche Karriere bei der Commerzbank als Analyst im Bereich Credit and Financing begonnen. Von der Bremer Niederlassung in seiner norddeutschen Heimat wechselt er für dreieinhalb Jahre nach Singapur, bevor er nach Berlin geholt wird. Dort ist er als Group Manager Corporate Clients Services in leitender Funktion tätig. Zu Beginn des Jahres 2005 wird er schließlich noch zum Director ernannt. Insgesamt betrachtet kann Hüttmeyer aber rund 13 Jahre Berufserfahrung in der Bankenwelt vorzeigen. Denn nach dem Abitur hat er während seines dualen BWL-Studiums gleichzeitig bei der Commerzbank praktische Erfahrungen gesammelt.

Doch der ehemalige Air-Berlin-Chef Joachim Hunold kennt den hemdsärmeligen Commerzbanker persönlich, da Hüttmeyer als Großkundenbetreuer unter anderem für Air Berlin zuständig ist. Hunold sieht in ihm den Richtigen für den neu geschaffenen CFO-Posten bei der Fluggesellschaft. Beide bereuen diesen Schritt nicht, denn Hüttmeyer hat gerade in der anhaltend schwierigen Situation Air Berlins gezeigt, dass er etwas vom Finanzierungshandwerk versteht und die Fluggesellschaft stets von den drückendsten Finanzierungsproblemen befreit.

Der Air-Berlin-CFO arbeitet dabei nicht nur mit Banken, sondern auch mit einer Vielzahl an bankenunabhängigen Finanzierungspartnern zusammen, von denen viele noch nie gehört haben: Namen wie Jackson Square, Mubadala oder MC Aviation Partners gehören dazu. Im März 2010 schließt Hüttmeyer mit dem Finanzierer Jackson Square, hinter dem der Hedgefonds Oaktree steckt, einen komplexen Deal ab. Dabei übernimmt Jackson Square vier Flugzeuge von Air Berlin, von denen drei bereits an eine chinesische Airline verleast sind. Vier weitere Maschinen, ausgeliefert 2011, werden über eine Sale-and-Leaseback-Transaktion finanziert.

Auch mit der asiatischen MC Aviation Partners, hinter der der Flugzeugleasing- und -handelszweig der Mitsubishi Corporation steht, schließt Hüttmeyer Leasingverträge ab.

Mit der Investmentgesellschaft Mubadala Development Company aus Abu Dhabi vereinbart Air Berlin Ende 2009, die Wartung der Triebwerke für zehn Jahre an SRT/Mubadala auszulagern. Gleichzeitig bekommt Air Berlin eigenen Angaben zufolge von den Arabern 100 Millionen Dollar, um Triebwerke zu finanzieren. Zudem begibt die Fluggesellschaft 2007 und 2009 zwei Wandelanleihen, die bald schon wieder zurückgekauft werden. Über das Mittelstandssegment Bondm platziert Air Berlin mit der im Herbst 2012 durchgeführten Aufstockung der 2011-Anleihe insgesamt drei Bonds. Diese Fremdkapitalstruktur wird seit Januar 2012 durch eine Kreditlinie über bis zu 255 Millionen US-Dollar der Fluggesellschaft Etihad Airways, die größter Einzelaktionär von Air Berlin ist, ergänzt. An die Golf-Airline verkauft Air Berlin auch die Mehrheit an ihrem Vielfliegerprogramm, was ein weiteres Mal die leere Kasse wieder einigermaßen auffüllt. Im Mai 2014 zeichnet Etihad eine 300 Millionen Euro schwere Wandelanleihe ohne Laufzeitende, die laut IFRS als Eigenkapital zählt.

Dieser Finanzierungsstrauß mag einer der Gründe sein, warum der nach wie vor jungenhaft wirkende Ulf Hüttmeyer die ganze Misere bei Air Berlin bislang überstanden hat und immer noch CFO ist. Er ist das letzte verbliebene Vorstandsmitglied aus der Ära Hunold. Mit seinen neuartigen Finanzierungsideen hat er Air Berlin bislang vor dem Schlimmsten bewahrt.