Wolfgang Bläsi

Ekosem-Agrar AG

Name:
Wolfgang Bläsi
Unternehmen:
Ekosem-Agrar AG
Ressort:
Unternehmensfinanzierung, Rechnungswesen, Controlling, Legal Restructuring, IT
Position:
CFO von März 2010 bis September 2016 und wieder seit August 2018
Ausbildung:
Ausbildung im Bereich Finanzverwaltung, Fachhochschulreife und Studium der Technischen Betriebswirtschaftslehre an der FH Offenburg zum Diplom-Betriebswirt (FH)
Geburtstag:
25.04.1968
Familie:
Verheiratet, zwei Kinder
Ehrenamt:
Keine Angaben
Hobbies:
Familie, Laufen, Lesen, Rotwein/Kochen

Karriere

1997 startet Bläsi seine berufliche Laufbahn als Trainee in der internen Revision des Burda-Verlags. Danach wechselt er 1999 als Assistent der Geschäftsleitung zum SAP-Beratungshaus Novasoft und bereitet dessen IPO am Neuen Markt vor. Ab 2001 leitet er  das Rechnungswesen und die Kommunikation. Bis 2007 ist er auch Finanzvorstand des inzwischen vom US-Unternehmen Ciber übernommenen Konzerns.

Im Anschluss startet Bläsi eine Unternehmensberatung im Bereich Klimaschutz, wechselt jedoch im April 2008 als Finanzchef zum Landwirtschaftsunternehmen KTG Agrar. Dieses Amt legt er zum 30. September 2009 nieder.

Im März 2010 wird Bläsi Geschäftsführer und CFO von Ekosem Agrar sowie des Landmaschinenherstellers Ekotechnika, ein Schwesterunternehmen Ekosems. Er verantwortet die IFRS-Abschlusserstellung, die Unternehmensfinanzierung sowie das Legal Restructuring.

Im September 2016, nachdem bei beiden Unternehmen die ausstehenden Mittelstandsanleihen restrukturiert wurden, steigt Bläsi bei Ekosem und Ekotechnika aus. Zwischenzeitlich arbeitet er als selbstständiger Finanzierungsberater und agiert unter anderem bei der Restrukturierung der Mittelstandsanleihe des Sanitärausrüsters Sanha. Im August 2018 holt Ekosem Bläsi zurück: Als CFO soll er dabei mithelfen, den russischen Agrarbetrieb mit deutscher Holding an die Börse zu führen.

Karriere-Highlights:

1)  Vorbereitung und Durchführung des IPOs von Novasoft.

2)  Bei Ekosem Agrar führt er die IFRS-Bilanzierung ein und löst die Geschäftsbereiche von Ekosem Agrar und Ekotechnika organisatorisch voneinander.

3)  Bläsi diversifiziert der Finanzierung von Ekosem Agrar und Ekotechnika und platziert insgesamt drei Mittelstandsanleihen: 2012 sammelt er über zwei Mittelstandsanleihen 110 Millionen Euro für Ekosem Agrar ein, 2013 wirbt er 60 Millionen Euro für Ekotechnika ein. Später geraten beide Unternehmen wegen der Rubelkrise unter Druck. Bläsi hilft mit, alle drei Anleihen zu restrukturieren und so eine Insolvenz abzuwenden. Anschließend erholen sich Ekosem und Ekotechnika von ihren Unternehmenskrisen.

4) Als selbstständiger Finanzierungsberater spielt Bläsi im Jahr 2017 eine wichtige Rolle bei der Verlängerung und Restrukturierung der Mittelstandsanleihe des Sanitärausrüsters Sanha.

Wolfgang Bläsi, Ekosem Agrar/Ekotechnika: Der Vielflieger

Nicht gerade stromlinienförmig verlaufen ist die Karriere von Wolfgang Bläsi. Vom Rettungsdienst und über den Berufswunsch Musiker hat ihn sein Berufsweg in die Finanzabteilung geführt. Bei Novasoft gelingt ihm der Börsengang, jetzt leitet er einen deutsch-russischen Agrarkonzern, dessen Anbaufläche sechstausendmal so groß ist wie der übliche Bauernhof in Westdeutschland.

Dass Wolfgang Bläsi ein erfolgreicher CFO ist, ist kein Zufall, doch vorgezeichnet war der Weg keinesfalls. Nach der mittleren Reife absolviert er eine Ausbildung beim Finanzamt. Schnell ist ihm klar, dass er in der Finanzverwaltung nicht sein Leben verbringen würde. Er wechselt zum Rettungsdienst und widmete sich einer möglichen Gesangskarriere. In seinem tönenden Bariton hat er fast alles gesungen von Klassik über Gospel, Jazz und Musical. Klarinette und Saxofon sind seine Instrumente.

Zudem singt Bläsi, der angesichts seines eher feingliedrigen Körperbaus jeden mit seiner tiefen sonoren Stimme überrascht, auf professionellem Niveau. Doch die Berufsaussichten erscheinen ihm zu unsicher. Als seine damalige Freundin das erste Kind erwartet, findet Bläsi, es sei nun Zeit, die Familie wirtschaftlich besser abzusichern. Er studiert Betriebswirtschaft an der Offenburger FH und beginnt ein Trainee-Programm in der internen Revision des Offenburger Burda-Verlags. Schnell ist ihm klar, dass sich dort nicht viel bewegt, und er sucht nach einer Alternative. Dabei interessiert er sich stark für SAP und eine Stelle als Assistent der Geschäftsführung. Dies führt ihn über eine Anzeige zur dynamisch wachsenden SAP-Beratung Novasoft.

Dort überrascht ihn schnell der Börsengang, der zum Projekt des Jungfinanzers wird. Die Geschäftsführer lassen ihm freie Hand, und Bläsi kniet sich rein. Novasoft gelingt der Sprung an die Börse, später wird die Firma vom US-Konzern Ciber übernommen. Für Bläsi sind die Wachstumsmöglichkeiten bei Novasoft damit erschöpft. Gern wäre er CFO der Europaholding geworden, die dritte Ebene ist dauerhaft nicht attraktiv. So verlässt er den Konzern mit dem Ziel, selbst Berater zu werden. Doch die Selbständigkeit im Bereich Umweltberatung stellt sich als weniger erquicklich heraus als erhofft. Eines Tages ruft ihn ein alter Vertrauter an und bringt ihn als CFO zur KTG Agrar. Das Verhältnis zu dem dominanten CFO Siegfried Hofreiter ist nicht frei von Konflikten. Bläsi vermisst Handlungsspielräume und verlässt den Konzern nach nur 18 Monaten wieder.

Im März 2010 geht dann alles ganz schnell. An einem Freitag lernt er den in Russland aktiven Landwirtschaftsunternehmer Stefan Dürr kennen, am Montag tritt er den Dienst als CFO von Ekosem Agrar an. Seitdem pendelt Bläsi zwischen Heidelberg und Russland – vorzugsweise Woronesch, aber auch Sibirien, wo sich weitere Besitzungen des Konzerns befinden. Dabei führt der rasante Expansionskurs den deutschen CFO einer deutschen Holding mit operativem Geschäft in Russland bisweilen auch an physische Grenzen.

Ein Reiseanteil von 65 Prozent der Arbeitszeit kann auf Dauer ziemlich schlauchen. Vieles hat Bläsi bei Ekosem seit 2010 schon bewegt. Er hat die Bilanzierung konzernweit auf IFRS umgestellt, was gerade bei der Bewertung der Agrarrohprodukte nicht ohne Tücken war, aber unabdingbar für die Kapitalmarktfähigkeit des Konzerns. Heftig gefordert ist Bläsi in der Finanzmarktkommunikation und der strukturierten Finanzierung. Schließlich müssen die Mittel für den rasanten Expansionskurs des Milcherzeugers sichergestellt werden, und das, ohne die Bilanzstrukturen aus dem Ruder laufen zu lassen.

Dank des unermüdlichen Expansionsdrangs seines CEOs Stephan Dürr wird Dürr schließlich zu einem der intimsten Kenner des Marktes für Mittelstandsanleihen – seit 2012 hat Bläsi inzwischen schon drei Mittelstandsanleihen erfolgreich platziert.

An der Finanzierungsfront sollte damit jetzt erst einmal Ruhe einkehren. Dennoch hält der Job bei  Ekosem für Bläsi noch einige harte Nüsse bereit: den internen Aufbau eines IT-basierten Performance-Controllings und am Kapitalmarkt perspektivisch ein IPO. Auch das hat Bläsi schon mal erlebt.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de