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EY versagt Ekosem-Agrar Bilanztestat

Das deutsch-russische Agrarunternehmen Ekosem-Agrar, das unter anderem Milch vertreibt, erhält keinen Bestätigungsvermerk für den Abschluss 2020. Foto: Ekosem-Agrar
Das deutsch-russische Agrarunternehmen Ekosem-Agrar, das unter anderem Milch vertreibt, erhält keinen Bestätigungsvermerk für den Abschluss 2020. Foto: Ekosem-Agrar

Schlechte Nachrichten bei dem deutsch-russischen Agrarunternehmen Ekosem-Agrar: Der Abschlussprüfer EY hat einen Versagungsvermerk für den Einzel- und Konzernabschluss 2020 erteilt. Die Prüfer sehen sich aufgrund der Auswirkungen des Russland-Ukraine-Konflikts nicht in der Lage, ein abschließendes Prüfungsurteil abzugeben, heißt es zur Begründung.

„Insbesondere konnten vor dem Hintergrund der gegen Russland ergriffenen Sanktionen und der russischen Gegensanktionen nach Auffassung von EY keine hinreichenden Nachweise zu zentralen Planungsannahmen erbracht werden“, heißt es weiter. Unklarheit besteht für die Prüfer außerdem offenbar auch darin, ob Ekosem-Agrar überhaupt noch die Kontrolle über die operativen Tochtergesellschaften in Russland und die dort vorhandenen Zahlungsmittel ausüben kann.

Ukraine-Krieg erschwerte Abschlussprüfung durch EY

Dass es Probleme bei der Testierung des Abschlusses für 2020 gibt, war bereits Anfang 2022 deutlich geworden. So hatte der Konzern, der seinen Hauptsatz zwar in Walldorf hat, aber operativ ausschließlich in Russland tätig ist, bereits im Februar mitgeteilt, dass er noch auf die Einschätzung von EY warte, ob ein Bestätigungsvermerk erteilt werden könne. Dem vorangegangen war ein Finanzierungsstreit mit der russischen Landwirtschaftsbank Rosselkhozbank (RSHB).

Letztlich konnten sich die beiden Parteien zwar einigen – doch dann eskalierte der Ukraine-Krieg. Im März gab Ekosem-Agrar bekannt, dass sich die Prüfung verzögern werde, weil die „Entwicklungen der letzten Tage“ es EY nicht möglich machten, die Prüfungsarbeiten abzuschließen. Die Prüfung wurde unter anderem dadurch erschwert, dass EY sich mit Beginn des Kriegs vom Russlandgeschäft getrennt hatte, so wie auch die anderen Big-Four-Häuser.

Nun hat Ekosem-Agrar denn auch einen neuen Abschlussprüfer bestellt. Für den Einzel- und Konzernabschluss 2021 werde man mit der DWP AG, einer Gesellschaft mit Hauptsitz in Düsseldorf, zusammenarbeiten. Die Prüfungen hätten bereits begonnen und „laufen planmäßig“.

Schwierige Restrukturierung der Ekosem-Anleihen

Für Ekosem-Agrar endet damit ein ohnehin schwieriges Jahr mit einem Versagungsvermerk. Nach dem Ausbruch des Kriegs waren die beiden Mittelstandsanleihen eingebrochen. Schließlich musste das deutsch-russische Unternehmen diese restrukturieren, doch die Gläubigerverhandlungen waren äußerst zäh, wie CFO Wolfgang Bläsi im Interview mit FINANCE berichtete.

CFO-Profil

Wolfgang Bläsi

Ekosem-Agrar AG

Letztlich gelang im Mai die Einigung – unter anderem wurden Laufzeiten verlängert und Zinssätze reduziert – aber wirksam wurden die Änderungen erst im Dezember, da eine Anleihegläubigerin eine Anfechtungsklage erhoben hatte. Hier stellte das OLG Karlsruhe allerdings fest, dass die Klage unbegründet sei.

CFO Wolfgang Bläsi verlässt Ekosem-Agrar

Ende Juli gab das Unternehmen außerdem bekannt, dass der langjährige CFO Bläsi Ekosem-Agrar Ende dieses Jahres „aus persönlichen Gründen“ verlassen wird. Er war von Dezember 2011 bis Oktober 2016 CFO sowie von Oktober 2016 bis Juli 2018 Mitglied des Beirats. Seit August 2018 fungierte er wieder als CFO.

Vor wenigen Tagen gab Ekosem-Agrar seinen Nachfolger bekannt: Neuer Finanzchef wird Alexander Krastilevskiy. Er war zuvor unter anderem CFO eines Geschäftsbereichs der SUEK Gruppe, einem russischen Kohleförderer. Seit April ist er bereits für die Ekosem-Agrar-Gruppe tätig. „Alexander Krastilevskiy hat bereits in den ersten Monaten seiner Tätigkeit für die Gruppe seine Finanz- und Management-Expertise unter Beweis gestellt und wir sind zuversichtlich, dass er die Ekosem-Agrar AG als CFO gut durch diese herausfordernden Zeiten manövrieren wird“, kommentierte Rolf Zürn, Aufsichtsratsvorsitzender der Ekosem-Agrar, seine Berufung.  

Julia Schmitt ist Redaktionsleiterin von FINANCE-Online und Moderatorin bei FINANCE-TV. Nach ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre und Publizistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz stieg sie 2014 bei F.A.Z. BUSINESS MEDIA ein. Sie betreut die Themenschwerpunkte Wirtschaftsprüfung und Bilanzierung und ist Trägerin des Karl Theodor Vogel Preises der Deutschen Fachpresse.