Wolfgang Schäfer

Continental AG

Name:
Wolfgang Schäfer
Unternehmen:
Continental AG
Ressort:
Finanzen, Controlling, Compliance, Recht und IT
Position:
CFO seit Januar 2010
Ausbildung:
Studium der Betriebswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München (Abschluss: Diplom-Kaufmann) und MBA-Studium an der INSEAD Business School
Geburtstag:
25.05.1959
Familie:
Verheiratet, drei Kinder
Ehrenamt:
Keine Angaben
Hobbies:
Familie, Mountainbiking

Karriere

Von 1984 bis 1986 absolviert Schäfer ein internationales Trainee-Programm bei der Robert Bosch GmbH und arbeitet anschließend als Assistent der Geschäftsführung im Bereich Power Tools. Zwischen 1988 und 1989 ist Schäfer als Berater und Teamleiter bei Bain & Co. in München tätig. Anschließend kehrt er in die Unternehmenswelt zurück und leitet zwischen 1990 und 1995 die Finanzen und das Controlling der Westig GmbH.

Die folgenden sechs Jahre ist Schäfer Mitglied des Vorstands und CFO der Vorwerk Elektrowerke Stiftung. 2001 geht Schäfer zurück in die Automobilbranche und wird CFO des Autozulieferers Behr, wo er bis 2009 die Geschäftsbereiche Finanzen, Controlling, IT, Personal, Einkauf, Recht, Logistik und M&A verantwortet. Zeitgleich leitet er ab 2005 sämtliche Deutschlandaktivitäten als CEO von Behr.

Im Januar 2010 beruft Continental Schäfer zum CFO. Der Autozulieferer leidet unter einer hohen Verschuldung, weil das vorherige Management kurz vor Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise für mehr als 10 Milliarden Euro den Konkurrenten Siemens VDO übernommen hat. Gemeinsam mit CEO  Elmar Degenhart gelingt es Schäfer, Continental langfristig zu refinanzieren und den Großkonzern zunächst in ruhiges Fahrwasser und anschließend wieder in Dax zu führen.

Karriere-Highlights:

1) Drastische Entschuldung von Continental in einer existenzgefährdenden Phase. Unter Schäfers Ägide sinkt die Verschuldungsquote (Gearing) von 226 auf 64 Prozent und bleibt auch danach auf sehr solidem Niveau.

2) Erfolgreiche Platzierung von vier Highyield-Anleihen im Jahr 2010 zwecks Ablösung teurer Bankkredite aus der Krisenzeit von Continental, die mit strengen Covenants versehen sind. Emissionsvolumen: 3 Milliarden Euro. Im Juli 2013 refinanziert Schäfer eine dieser Hochzinsanleihen vorzeitig. Der Kupon sinkt von 8,5 auf 4,5 Prozent. Auch weitere auslaufende Anleihen refinanziert Schäfer in der Folge zu deutlich günstigeren Konditionen.

3) Im Januar 2013 arrangiert Schäfer eine syndizierte Kreditline in Höhe von 4,5 Milliarden Euro, die eine teurere, ältere Linie ablöst.

4) Rückkehr von Continental in den Dax im September 2012

MEHR zur Person

Wolfgang Schäfer, Continental: Der Kämpfer

Preisdruck hin, Preisdruck her – von der Autobranche kann Wolfgang Schäfer nicht lassen. Nach Stationen bei Bosch und Behr ist er seit 2010 CFO von Continental. Nach außen gibt er den ruhigen Zahlenmann, der mit stoischer Gelassenheit Stück für Stück den Riesenschuldenberg des Dax-Konzerns abgetragen hat. Nach innen hält er die Zügel fest in der Hand – er liebt es, den Einkäufern der Autokonzerne immer einen Schritt voraus zu sein. Nur sportlich wird der Westfale in Hannover einfach nicht glücklich.

Einen Schönwetterkapitän kann man Wolfgang Schäfer wahrlich nicht schimpfen. Der Conti-CFO hat fast sein gesamtes Berufsleben in der Autobranche zugebracht, und dann auch noch ausschließlich bei Zulieferern. Ein viel härteres Branchenumfeld kann man sich nicht aussuchen. „Aber wo war es denn in den letzten zwanzig Jahren schon einfach?“ fragt Schäfer in der für ihn typisch unaufgeregten Art. „In der Medienbranche oder der Druckmaschinenindustrie hat man als CFO auch nicht nur Spaßtage.“ Selbst mit seinen Kollegen bei den Energieversorgern, die er lange Zeit beneidet hat, will er nicht mehr tauschen. „Früher konnte man ja fast denken: Da fährt man morgens hin, abends wieder nach Hause, und zwischendrin ist es gut“, erinnert sich Schäfer. „Aber auch das hat sich ja geändert.“

An der Autobranche schätzt Schäfer das Komplexe, das diese Industrie so unverwechselbar macht: „Ich glaube, in Sachen Integration der Lieferketten ist Automotive die Benchmarkindustrie. Der Preisdruck ist zwar immer hoch, dafür aber berechenbar.“ Schäfer liebt es, dagegen anzukämpfen und die Prozesse schneller zu optimieren, als die Einkäufer der Großkunden die Preise drücken können.

Dieser Hang zum Wettbewerb hat Schäfer nach seinem Berufsstart bei Bosch und Zwischenstopps bei der Strategieberatung Bain und dem Staubsaugerhändler Vorwerk im Jahr 2001 wieder in die Autoindustrie zurück geführt. Bei dem Stuttgarter Autozulieferer Behr steuert Schäfer bis zum Jahr 2009 neben dem Finanzbereich auch noch das wichtige Deutschlandgeschäft. Dabei durchlebt er auch die eine oder andere Restrukturierungsrunde. Und obwohl Behr stärker unter dem Schock der Wirtschaftskrise leidet als manche anderer Zulieferer, ereilt Schäfer in diesen Tagen der Ruf des Branchenführers Continental, der einen neuen CFO sucht.

Für den Kämpfer Schäfer eine reizvolle Aufgabe. Conti gilt als Weltklasse in der Kosten- und Prozesskultur, hat aber ein großes Problem, das es kurzfristig zu lösen gilt. Nach dem Milliardenkauf von Siemens VDO hoch verschuldet und dazu noch mit der Hypothek eines strauchelnden Großaktionärs – der Schaeffler-Gruppe – beladen, muss Schäfer Conti aus dem Würgegriff kurzfristiger Bankschulden in Milliardenhöhe zu befreien. Dies gelingt ihm und CEO Elmar Degenhart in beeindruckender Weise: Continental schafft den Turnaround und kehrt binnen zwei Jahren wieder zu zweistelligen Ebit-Margen zurück. Die Bankschulden ersetzt Schäfer zu einem großen Teil durch lang laufende Highyield-Anleihen. Den Verschuldungsfaktor (Gearing) führt er von 226 auf unter 70 Prozent zurück.

Inzwischen ist Conti wieder in ruhigem Fahrwasser unterwegs, und Schäfer kann sich wieder stärker seinem Lieblingsthema – der Kosten- und Prozessoptimierung – widmen. Obwohl Conti mit 33 Milliarden Euro Umsatz und 170.000 Mitarbeitern ein ganz anderes Kaliber als Behr ist, hält Schäfer die Zügel auch in Hannover straff in der Hand. Seine Controller sind zwar dezentral über den ganzen Konzern verteilt, aber die Zahlendefinitionen, die KPIs und die technischen Systeme gibt der CFO in Hannover vor. Und alle wichtigen Controller haben auch eine direkte Berichtslinie zu ihm. Der Automotive-Veteran Schäfer ist überzeugt, immer nah am Spielfeld sein zu müssen: „Eins habe ich in 20 Jahren Automotive gelernt: Wenn man Kostenthemen nicht gleich ganz früh anpackt, kommen sie später mit einem Vielfachen an Druck wieder zu einem zurück.“      

Abstand von der täglichen Kärrnerarbeit sucht der Westfale Schäfer in Stuttgart. Dort verbringt er die Wochenenden – wegen der drei schulpflichtigen Kinder ist seine Familie Ende 2009 nicht mit nach Hannover gezogen. Zur Entspannung holt Schäfer im Talkessel der Neckarmetropole auch schon mal das Mountainbike aus der Garage und genießt den Standortvorteil seiner Wahlheimat: „In Hannover hat man als Mountainbiker ja nicht so viel Spaß“, meint Schäfer trocken. „Man kann ja nicht immer nur die Brücken rauf und runter fahren.“

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de