Euromicron AG

24.03.15
Finanzabteilung

Bilanzskandal kostet Euromicron-Chef Willibald Späth den Job

Der Telekommunikations-Konzern Euromicron wird von schweren Bilanzierungsfehlern erschüttert. CEO Willibald Späth muss seinen Hut nehmen, die Kosten gehen in die Millionen. Kurios: Der Jahresabschluss wurde zuvor noch prämiert.

Der Telekommunikations-Konzern Euromicron und sein bislang auch für Finanzen zuständiger CEO Willibald Späth gehen ab sofort getrennte Wege. Bis auf weiteres wird Thomas Hoffmann als Alleinvorstand Späths Aufgaben übernehmen. Der Grund sind Bilanzierungsfehler, die beim Erstellen des Konzernabschlusses 2014 aufgetreten sind.

Späth war seit April 2000 für die Geschicke bei Euromicron verantwortlich und die prägende Figur des Konzerns: Unter Späth wuchs der Konzern in der Zeit nach dem Börsengang beachtlich, seine ambitionierten Wachstumsziele wurden ihm jedoch bereits 2013 zum Verhängnis, als das Konzernergebnis zum ersten mal ins Negative rutschte. Sein Verlust ist dennoch ein harter Schlag für das Softwareunternehmen.

Die Fehler betreffen die Bilanzierung und Bewertung von Projekten in den Vorperioden. Da der Konzern nach den IFRS-Standards bilanziert, schlagen sich die Korrekturen im Jahresabschluss 2014 nieder. So will es der Standard IAS 8, wenn Fehler nicht rückwirkend egalisiert werden können. Über die genaue Höhe machte der Konzern zunächst keine Angaben, jedoch werde das Eigenkapital voraussichtlich um rund 15 Millionen Euro schrumpfen. Ende September vergangenen Jahres betrug dieses noch rund 126 Millionen Euro, was einer Eigenkapitalquote von 40 Prozent entsprach. Die Covenants aus bestehenden Bankfinanzierungen würden durch die Fehlbilanzierung nicht gerissen, betonte das Technologieunternehmen.

Cash-Position von Euromicron deutlich zurückgegangen

Damit halten sich die bilanziellen Folgen der Falschbilanzierungen offenbar in Grenzen. Auch ernste Auswirkungen auf die Liquidität sollen sie laut Unternehmensangaben nicht haben. Die Cashposition hat sich im Lauf der ersten drei Quartale 2014 allerdings sehr schlecht entwickelt, die liquiden Mittel gingen gegenüber Ende 2013 um 26,3 Millionen Euro auf 12,6 Millionen Euro zurück – laut Unternehmensangaben vor allem auf Grund eines „niedrigeren Factoringvolumens“. Über eine nicht gezogene Kreditlinie hatte Euromicron damals noch Zugriff auf weitere 24 Millionen Euro.

Auch die Umsatzprognose für das abgelaufene Geschäftsjahr beließ das Unternehmen bei 340 bis 360 Millionen Euro. Die Ebitda-Marge werde sich bei rund 6 Prozent bewegen, was dem unteren Ende des Prognosekorridors entspricht. Sehr wohl Auswirkungen haben die Bilanzierungsfehler auf den Einzelabschluss 2014 der AG. Der ohnehin bestehende Bilanzverlust von 5,3 Millionen Euro wird sich erhöhen, da die Korrekturen laut HGB-Rechnungslegung im aktuellen Abschluss zu verarbeiten sind.

Euromicron erhielt Bilanzierungspreis „Fox Award“

Kurios: Im vergangenen Jahr wurde der Geschäftsbericht 2013 laut Unternehmensangaben mit den Fox Awards ausgezeichnet, die dem Preisträger eine weit überdurchschnittliche Wirkungskraft und eine hohe Gestaltungseffizienz bescheinigen.

Die Aktionäre müssen nun aller Wahrscheinlichkeit nach auf eine Dividende verzichten, woraufhin sie die Aktie auf Talfahrt schickten: Der Kurs brach nach Aufdeckung der Unregelmäßigkeiten schlagartig um 21 Prozent von 14 auf rund 11 Euro ein. Damit kostete der Bilanzskandal Euromicron auf einen Schlag einen Börsenwert von über 20 Millionen Euro.

Die endgültigen Zahlen will das Unternehmen nun Ende April veröffentlichen. Die Hauptversammlung verzögert sich auf Ende Juni.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Weitere Bilanzskandale und deren Prozesse, Pleiten und Pannen finden Sie auf unserer dazugehörigen FINANCE-Themenseite