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03.12.18
Finanzabteilung

Bitterer Bilanzdisput bei Staramba

Der Wirtschaftsprüfer BDO hat dem Hightech-Unternehmen Staramba das Bilanztestat verweigert. Staramba veröffentlicht die Zahlen trotzdem. Die Aktie stürzt ins Bodenlose.

Unruhe im Hause Staramba: Der Wirtschaftsprüfer BDO hat seine Drohung wahrgemacht und dem Produzenten von 3D-Bildern und -Figuren endgültig das Bilanztestat verweigert. Die Begründung: Das erst wenige Jahre alte IT-Unternehmen habe erforderliche Nachweise für ausgewiesene Umsätze und Forderungen nicht erbracht.

Sowohl die Begründung als auch der Schritt selbst sind gravierend, und entsprechend fällt auch die Reaktion der Börse aus: Die Aktie stürzt auf unter 10 Euro ab, am Freitag hatte sie noch bei rund 20 Euro notiert. Noch bitterer ist der Blick auf den Jahreschart: Im Mai hatte das Papier einen Höchstkurs von 61 Euro erreicht, womit das junge Tech-Unternehmen mit fast 150 Millionen Euro bewertet worden war. Wenig später kamen die Bilanzierungsprobleme ans Licht, Staramba konnte den Jahresabschluss 2017 nicht vorlegen. Jetzt beläuft sich der Börsenwert nur noch auf gut 20 Millionen Euro.

Wie aus einer am Montagnachmittag veröffentlichten Mitteilung von Staramaba hervorgeht, prüft das Unternehmen jetzt zivil-, straf- und berufsrechtliche Schritte gegen seinen Abschlussprüfer BDO. Staramba zweifle an der Neutralität der Prüfgesellschaft, so das Statement des Untenrehmens. Staramba sei bis kurz vor der Entscheidung von einem Testat mit wenigen Einschränkungen ausgegangen. BDO habe aus unerfindlichen Gründen eine Kehrtwende vollzogen, begründet die Unternehmensfühurung seine Entscheidung.

Die Staramba-Aktie bricht nach Bilanzdisput ein

Staramba Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Staramba will Finanzbereich „besser aufgestellt“ haben

Bei der ersten Eskalation des Bilanzdisputs mit BDO im Mai hatte Staramba die Ansicht des Prüfers zurückgewiesen, jedoch zugleich betont, die von BDO angeführten Gründe „ernstzunehmen“. Staramba kündigte an, einen weiteren Wirtschaftsprüfer einzusetzen, um ein „unabhängiges“ Gutachten zu erhalten. Zudem plante das Unternehmen, mehr Finanzkompetenz in den Verwaltungsrat zu holen.

Beide Schritte haben offensichtlich nicht dazu geführt, die Unklarheiten bezüglich der Ertrags- und Finanzlage zu klären. Trotzdem hat der Staramba-Verwaltungsrat am Freitagabend den Jahresabschluss 2017 „ohne Gegenstimme festgestellt und gebilligt“. Die Situation wird beschrieben als „einmaliger Fall, den Staramba als noch junges Unternehmen meistern musste“. Der Finanzbereich und insbesondere das Accounting seien inzwischen „deutlich besser aufgestellt“.  

Staramba mit fragwürdigen Deals in den USA

Doch die direkt im Anschluss veröffentlichten Zahlen zeigen, dass auch die Staramba-Führung bei zentralen Bilanzansätzen Handlungsbedarf gesehen hat. Unterm Strich türmt sich ein Jahresverlust von 43,8 Millionen Euro auf – bei einem angeblichen Umsatz von 12,1 Millionen Euro.

Der Grund sind massive Goodwill-Abschreibungen auf einen Firmenwert, der 2016 entstanden war. Damals verschmolz die deutsche Staramba mit dem US-Unternehmen „3D Safe Corporation“, das die „Wirtschaftswoche“ in einem Artikel vor wenigen Tagen als „nahestehend“ beschrieb. Unter anderem schrieb das Magazin, dass das US-Unternehmen kurz vor der Verschmelzung selbst noch den Namen Staramba getragen habe. Der aus dieser Transaktion entstandene Firmenwert hatte zu einem massiven Anstieg von Bilanzsumme und Eigenkapital des Berliner Tech-Unternehmens geführt.

Zuvor hatte es auch schon andere ungewöhnliche Transaktionen zwischen Staramba und der 3D Safe Corporation gegeben. So soll Staramba der „Wirtschaftswoche“ zufolge der US-Firma seine Berliner Druckmanufaktur verkauft haben. Staramba habe aus diesem Deal einen Gewinn von 3 Millionen Euro verbucht – obwohl der gesamte Konzern zum damaligen Zeitpunkt gerade einmal 2 Millionen Euro Jahresumsatz erzielt habe. Infolge der beiden Transaktionen mit der US-Firma begann der enorme Höhenflug der Aktie – bei Kursen von weniger als 10 Euro, wo das Papier nun wieder angelangt ist.

Bobic und Salihamidžić werben für Staramba

Staramba ist nicht nur wegen seiner Produkte mit Star-Flair bekannt – unter anderem „scannt“ das Unternehmen die Star-Kicker von Bayern München und noch viele weitere Weltklassesportler –, sondern auch wegen der prominenten Investoren und Fürsprecher, mit denen sich Staramba-Chef Christian Daudert umgibt. Zu ihnen zählen die Fußball-Manager Fredi Bobic (Eintracht Frankfurt) und Hasan Salihamidžić (Bayern München), die beide auch selbst in Staramba investiert sein sollen. Auch die Ex-Fußball-Nationalspieler Marko Rehmer und Oliver Neuville zählen zu den Investoren und sitzen außerdem noch im Beirat des Unternehmens. Staramba ist seit 2015 im General Standard der Frankfurter Börse notiert.

Der größte Aktionär ist aber der Rostocker Investor Rolf Elgeti, Ex-Chef von TAG Immobilien: Der 42-Jährige hält 30 Prozent der Anteile am Staramba. Der Kurseinbruch und Bilanzskandal dürfte Elgeti schmerzen, aber sein Vermögen ist breit gestreut. Er ist an mehreren Immobilienunternehmen beteiligt und hält außerdem große Beteiligungen an dem Fintech Creditshelf und seit kurzem auch an dem Brokerhaus Seydler. Elgeti mischt auch im Fußballgeschäft mit und hat mit einer Finanzspritze den Fußballklub Hansa Rostock gerettet.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Update

Am späten Nachmittag teilte Staramba mit, man werde zivil-, straf- und berufsrechtliche Schritte gegen die verantwortlichen Abschlussprüfer von BDO prüfen. Aus Sicht des Unternehmens gebe es berechtigte Zweifel an der erforderlichen Neutralität des Wirtschaftsprüfers. BDO darf sich aus gesetzlichen Gründen nicht zu den Anschuldigungen von Staramba äußern.

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