Deutsche Post DHL

15.04.16
Finanzabteilung

Das 7,6-Milliarden-Euro-Problem der Deutschen Post

Der neue Bilanzierungsstandard zwingt Deutschlands Konzerne, alle Leasing-Schulden auf die Bilanz zu nehmen. Das bringt auch die Kennzahlen der Deutschen Post durcheinander.

3,3 Billionen Euro – so hoch sind die Leasingschulden, die börsennotierte Unternehmen weltweit aufgetürmt haben. Nur ein Bruchteil aber findet sich davon tatsächlich in den Bilanzen, der Mammutteil versteckt sich in den Anhängen der Geschäftsberichte. Die neue Leasingbilanzierung IFRS 16 macht damit jetzt Schluss, denn künftig müssen alle Leasingschulden in der Bilanz abgebildet werden – und das trifft auch in Deutschland einige Unternehmen besonders hart.

Allen voran die Deutsche Telekom, die Leasingschulden in Höhe von 19 Milliarden Euro hat. Unter den Top Drei befindet sich aber auch die Deutsche Post: Sie weist im Anhang ihres Geschäftsberichts aktuell Leasingverpflichtungen in Höhe von 7,6 Milliarden Euro aus, die hauptsächlich auf Grundstücke, Bauten und Flugzeuge entfallen.

Viele Unternehmen ärgern sich darüber, dass der neue Standard Schluss mit Off-Balance macht,  immerhin verändern sich dadurch zentrale Kennzahlen. In erster Linie steigt die Verschuldung – welcher Wert zum Erstanwendungszeitpunkt im Jahr 2019  tatsächlich in der Bilanz steht, hängt allerdings von Annahmen zu Rechnungszins und Laufzeiten ab. Die meisten Unternehmen halten sich bedeckt, was die konkrete Summe angeht.

So auch die Deutsche Post. Eine genaue Quantifizierung sei erst nach Abschluss der Analyse möglich, sagt Adam Pradela, Executive Vice President Corporate Accounting & Controlling bei der Deutsche Post DHL, gegenüber FINANCE. Derzeit liegt die Nettofinanzverschuldung der Deutschen Post bei 1,1 Milliarden Euro, die Fremdkapitalquote beträgt rund 70 Prozent, vor allem wegen hoher Pensionslasten.

IFRS 16 macht der Deutschen Post Arbeit

Auch zu der Entwicklung weiterer zentraler Kennzahlen will sich der Konzern nicht im Detail äußern, nur so viel: „Das Ebitda wird aufgrund der Aufteilung von Mietaufwendungen in Abschreibungen und Zinsaufwand steigen. Innerhalb der Kapitalflussrechnung und der Gewinn- und Verlustrechnung wird es zu Verschiebungen kommen“, so Pradela.

Die Änderungen der Bilanzkennzahlen sind allerdings nicht der einzige Grund, warum der neue Standard viele Unternehmen nervös macht. Es kommt auch ein hoher zeitlicher und finanzieller Aufwand auf sie zu, immerhin müssen alle bestehenden Leasingverträge darauf geprüft werden, ob sie von der neuen Regelung betroffen sind.

Auch die Deutsche Post räumt ein, dass die Implementierung von IFRS 16 „im Vergleich zu anderen in letzter Zeit umgesetzten Standards vermehrte Aufmerksamkeit erfordert“, so Pradela, „da hier die entsprechenden Finanzberichtsprozesse konzernweit in Divisionen und Einheiten angepasst werden müssen“. Zu den Umstellungskosten wollte sich das Unternehmen nicht äußern.

Deutsche Post: „Rein bilanzielle Aspekte“ ändern nichts

Zu Beginn der Umstellung will die Deutsche Post eine konzernweite Bestandsaufnahme der bereits vorhandenen Leasingverträge machen. Anschließend plant der Konzern, die Rechnungslegungsprozesse neu gestalten. Die Zusammenarbeit der betroffenen Einheiten Controlling, Finance, Investor Relations und Einkauf muss koordiniert werden – gerade bei großen Konzernen kann das zur Herausforderung werden.

Die Deutsche Post zeigt sich angesichts dieser Umstellung aber zuversichtlich, „da wir frühzeitig mit den Vorbereitungsarbeiten begonnen haben“, so Pradela. Immerhin wurde der neue Standard viele Jahre lang diskutiert, das haben viele Unternehmen dazu genutzt, sich frühzeitig darauf einzustellen.

Doch nicht nur den Unternehmen als Leasingnehmer ist der neue Standard ein Dorn im Auge – auch die Leasinggeber sträubten sich lange dagegen, weil sie fürchten, dass die Leasingnachfrage zurückgeht. Immerhin war die Off-Balance-Behandlung der Leasingschulden einer der wichtigsten Vorteile. Sie fürchten daher, dass Unternehmen sich jetzt eher für einen Kauf und gegen ein Leasing entscheiden.

Trotz ihrer hohen Leasingverschuldung will sich die Deutsche Post aber offenbar nicht vom Leasing verabschieden. „Es erfolgt für alle Investments eine detaillierte ‚Buy versus Lease Analysis‘, woran sich auch zukünftig nichts ändern wird“, sagt Pradela. Ihren Grundsatz will die Deutsche Post nur wegen „rein bilanzieller Aspekte“ nicht ändern. Über diese Aussage von einem der größten Leasingnehmer Deutschlands dürfte sich die Leasingbranche freuen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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