Die Deutsche Post DHL ist stark von der neuen Leasingbilanzierung (IFRS 16) betroffen.

Deutsche Post DHL

16.04.18
Finanzabteilung

Deutsche Post muss neue Milliardenschulden bilanzieren

Die Deutsche Post stellt ihre Leasingbilanzierung um. Das hat gravierende Folgen für die Kennzahlen: Die ausgewiesene Verschuldung steigt um mehr als das Doppelte, die Eigenkapitalquote sinkt signifikant. In Kürze kommen die Details auf den Tisch.

Wenn die Deutsche Post DHL am 8. Mai ihre detaillierten Zahlen zum 1. Quartal 2018 vorlegen wird, werden sich die Analysten und Investoren mit einigen teils gravierenden Änderungen auseinandersetzen müssen. Schuld daran ist der neue Bilanzierungsstandard IFRS 16, der regelt, wie Leasingverbindlichkeiten ausgewiesen werden müssen. Im Kern geht es darum, dass die Unterscheidung zwischen Operate-Leasing und Finance-Leasing entfällt. Alle Verbindlichkeiten aus dem Operate-Leasing, die bisher nur im Anhang erwähnt wurden, müssen daher künftig direkt in der Bilanz erscheinen.

Bei der Deutschen Post summiert sich dies zu einer gewaltigen Summe: Im Anhang des Geschäftsberichts 2017 weist der Dax-Konzern das Volumen dieser Verbindlichkeiten mit rund 11,3 Milliarden Euro aus. Einen Hinweis darauf, wie genau sich die Kennzahlen ab dem 1. Quartal 2018 ändern werden, hat die Deutsche Post ihren Investoren und Analysten bereits im Anhang des aktuellen Geschäftsberichts gegeben.

Ausgewiesene Finanzschulden der Post steigen massiv an

Die Änderungen werden beachtlich sein: Die Verbindlichkeiten aus Leasing, die je nach Typ in den kurz- sowie langfristigen Verbindlichkeiten in der Bilanz auftauchen werden, steigen um 9,2 Milliarden Euro. Das ist der Barwert der rund 11,3 Milliarden Euro, die bislang lediglich im Anhang aufgetaucht sind. 

Zum Vergleich: Aktuell betragen alle langfristigen Finanzschulden der Post zusammengenommen rund 5,2 Milliarden Euro, alle kurzfristigen Finanzschulden knapp 900 Millionen Euro. Wie genau die umgewidmeten Schulden auf die kurz- und langfristigen Positionen verteilt werden, wird der Quartalsbericht zeigen. Klar aber ist, dass sich die ausgewiesenen Finanzschulden durch IFRS 16 mehr als verdoppeln werden.

Auf der Aktivseite werden im Gegenzug zwar auch Nutzungsrechte in Höhe von 9,2 Milliarden Euro angesetzt. Trotzdem wird die Umstellung schwere Folgen für die Eigenkapitalquote haben: Diese soll gemäß der Prognose der Deutschen Post um 6 Prozentpunkte sinken. Aktuell liegt sie bei 33,4 Prozent.

Durch die neue Leasingbilanzierung sinkt die Eigenkapitalquote der Deutschen Post um 6 Prozentpunkte.

IFRS 16 ändert ausgewiesenen Ebit und Cashflow

Da der Leasingaufwand künftig nicht mehr als betrieblicher Aufwand verbucht, sondern in eine Abschreibungs- und Zinskomponente aufgeteilt wird, schlagen sich die Veränderungen auch in der Gewinn- und Verlust- sowie in der Cashflow-Rechnung nieder. 2018 wird sich der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) voraussichtlich um rund 150 Millionen Euro erhöhen.

Wie sich die ausgewiesenen Cashflows verändern werden, könne derzeit nur sehr grob geschätzt werden, erklärte ein Sprecher. Momentan rechnet das Unternehmen damit, dass der Cashflow aus operativer Tätigkeit um 1,95 Milliarden Euro steigen wird, während sich der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit um eben diese Summe verringern wird.

Deutsche Post wendet IFRS 16 vorzeitig an

Damit gehört die Deutsche Post neben der Deutschen Telekom und dem angeschlagenen deutsch-südafrikanischen Möbelkonzern Steinhoff zu den Unternehmen, in den Deutschland mit am stärksten von der neuen Regelung betroffen sind. Hintergrund sind vor allem die zahlreichen geleasten Immobilien und Flugzeuge, die die Post nutzt.

Deutsche Post, Deutsche Telekom und Steinhoff sind in Deutschland mit am stärksten von IFRS 16 betroffen.

Wie sich die ausgewiesenen Zahlen bei den Konkurrenten ändern werden, wird man erst ab 2019 sehen, denn eigentlich gilt die neue Regelung erst ab dem Geschäftsjahr 2019. Die Deutsche Post hat sich jedoch für eine vorzeitige Anwendung entschieden.

Der Grund: Da die Deutsche Post ab 2018 auch die neuen Standards zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten (IFRS 9) und Umsatz (IFRS 15) anwenden muss, sollen die Zahlen durch die vorzeitige Anwendung von IFRS 16 ab 2019 schon wieder mit dem Vorjahr vergleichbar sein können, erklärt der Dax-Konzern auf Anfrage. Das dürfte die Investoren und Analysten, die ihre Modelle dann direkt für alle neuen Standards auf einmal anpassen können, freuen.

Telekom und Steinhoff mit Milliardenschulden aus Leasing

Aller Voraussicht nach dürften die Änderungen der Bilanzkennzahlen auch bei den Konkurrenten groß sein. So weist die Deutsche Telekom im Anhang des Geschäftsberichts 2017 über 15 Milliarden Euro an Operate-Lease-Verbindlichkeiten aus. Anders als bei der Deutschen Post bringt aber nicht nur die neue Leasingbilanzierung die Kennzahlen des Konzerns durcheinander: Die Deutsche Telekom ist auch stark von der neuen Regelung zum Umsatzbilanzierung betroffen, die ab diesem Geschäftsjahr gilt. Das Unternehmen rechnet ab dem 1. Quartal mit einem Milliardeneffekt auf die Zahlen.

Der Möbelkonzern Steinhoff, der gerade von einem großen Bilanzskandal erschüttert wird, dürfte zwar andere Sorgen als die Umstellung auf neue Rechnungslegungsstandards haben. Dennoch wird auch Steinhoff seine Leasingbilanzierung anpassen müssen, was die ausgewiesene Verschuldung des ums Überleben kämpfenden Konzerns zusätzlich in die Höhe treiben wird. Im Anhang des Geschäftsberichts 2016 wies Steinhoff noch Verbindlichkeiten aus Operate-Leasing in Höhe von 9,8 Milliarden Euro aus.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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