Die Grohe-Tochter Joyou steht nach dem Bilanzskandal kurz vor der Pleite. (Im Bild die Düsseldorfer Grohe-Zentrale)

Grohe

21.05.15
Finanzabteilung

Nach Bilanzskandal: Joyou steht vor der Pleite

Der vor kurzem aufgedeckte Bilanzskandal droht die Grohe-Tochter Joyou in die Pleite zu treiben: Der Vorstand prüft die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Grohe droht der Verlust von mehreren hundert Millionen Euro.

Im Bilanzskandal um die Grohe-Tochter Joyou zeichnen sich fatale Folgen ab. Wie Joyou am späten Mittwochabend mitteilte, prüft der Vorstand die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Das Unternehmen geht nach dem jetzigen Stand der Sonderuntersuchungen davon aus, dass mehr als die Hälfte des Grundkapitals verloren ist. Der Vorstand muss nun unverzüglich eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Außerdem wird die ursprünglich für den morgigen Freitag geplante Vorlage der Q1-Zahlen verschoben.

Hintergrund der massiven Verluste ist nach offiziellen Angaben eine wohl nicht zu vermeidende außerplanmäßige Abschreibung auf die Beteiligung an Hong Kong Zhongyu Sanitary Technology. Ende April war bekannt geworden, dass der Mehrheitseigner Grohe auf schwerwiegende Fehler in den Büchern von Joyou gestoßen war. Die Chinesen hätten die „Vermögens-, Finanz- und Ertragslage“ für das Jahr 2014 „zu positiv“ dargestellt. 

Joyou-Aktionären droht Totalverlust

Das ganze Ausmaß der Bilanzfehler kommt nun ans Tageslicht. Von geringfügigen Manipulationen könne keine Rede mehr sein, schreiben die Analysten von Equinet und verwerfen damit Hoffnungen, die nach den ersten Meldungen zum Ausmaß des Bilanzskandals noch die Runde gemacht hatten.

Der erwartete massive Verlust des Grundkapitals deute vielmehr auf echten Finanzbetrug hin, schlussfolgern die Analysten. Ein Totalverlust für die Aktionäre sein nun das wahrscheinlichste Szenario. Die Joyou-Aktie bricht heute um 85 Prozent ein. Seit der Aufdeckung des Bilanzskandals sind damit mehr als 300 Millionen Euro Börsenwert bei Joyou vernichtet worden. Der deutsche Badausrüster Grohe hält über 72 Prozent der Anteile.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

Nicht nur bei Joyou geht es drunter und drüber. Noch mehr Skandale aus dem Reich der Mitte, die deutsche Investoren treffen, finden Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu China-Aktien.