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04.05.15
Finanzabteilung

Grohe findet schwere Bilanzfehler bei China-Tochter Joyou

Dem Badarmaturenhersteller Grohe droht ein Bilanzskandal in China: Die China-Tochter Joyou soll für das Jahr 2014 falsche Zahlen bei Umsatz, Verbindlichkeiten und Barmitteln ausgewiesen haben. Und das könnte nur die Spitze des Eisbergs sein.

Der Badarmaturenhersteller Grohe hat schwere Fehler in den Bilanzen seiner China-Tochter Joyou entdeckt. Eine derzeit laufende Sonderprüfung habe ergeben, dass bei Tochtergesellschaften der Joyou  von „wesentlichen Abweichungen“ bei der Höhe des Umsatzes, der Verbindlichkeiten und der verfügbaren Barmittel im Vergleich zu den in Finanzberichten des Jahres 2014 genannten Werten auszugehen sei, teilte Joyou am Sonntagabend mit.

Voraussichtlich sei die „die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage für 2014  zu positiv dargestellt worden“, warnt  das an der Frankfurter Börse im Prime Standard notierte Unternehmen. Das genaue Ausmaß der Abweichungen werde derzeit im Rahmen einer wirtschaftlichen und rechtlichen Sonderuntersuchung ermittelt.

Die Chinesen hatten Ende März ein deutliches Wachstum für 2014 vermeldet: Die Umsatzerlöse sollen im Vergleich zu 2013 um 11 Prozent auf 398,1 Millionen Euro gestiegen sein, das Ebit soll ein Plus von 15 Prozent auf 61,4 Millionen Euro hingelegt haben. Diese Zahlen dürften nun hinfällig sein. Laut dem Analysehaus Equinet kann auch ein Totalverlust für die Aktionäre nicht ausgeschlossen werden.

Sonderprüfung der Joyou-Bilanzen hat gerade erst begonnen

Für Grohe, seit 2013 in den Händen der japanischen Lixil-Gruppe, könnte das unangenehme Konsequenzen haben: Joyou gehört seit 2011 mehrheitlich dem deutschen Sanitärarmaturenhersteller, der auch den Aufsichtsrat des in Hamburg ansässigen Unternehmens dominiert.

Das Drama hatte sich in der vergangenen Woche schon  angedeutet, Grohe  hatte Anwälte und Wirtschaftsprüfer zu einer Sonderprüfung der Joyou-Bilanzen aufgerufen. Grund seien „Informationen zu Geschäftsvorfällen“ gewesen, die Grohe nicht weiter erläutern wollte.

Die Prüfer sollen dem Verdacht nachgehen, dass die Chinesen in der Vergangenheit ihre Vermögens- und Ertragslage falsch dargestellt haben. Mit der Bekanntgabe der Sonderprüfung brach der Joyou-Aktienkurs an nur einem Tag um zwischenzeitlich um rund zwei Drittel auf 5,45 Euro ein und verlor in den folgenden Tagen weiter. Heute machte der Kurs dagegen zunächst sogar einen Sprung nach oben und notiert derzeit bei 4,88 Euro.

Joyou-CFO Dorothy Wu bleibt im Amt

Für das Jahr 2014 hat sich der Verdacht auf Bilanzierungsfehler nun bewahrheitet. Ob noch weitere Geschäftsjahre von betroffen sind, sei nach derzeitigem Kenntnisstand noch unklar, sagte ein Joyou-Sprecher gegenüber FINANCE. Die Sonderprüfung läuft weiter.

Für Joyou-CFO Dorothy Wu, die im vergangenen September Zufang Li als Finanzvorstand ablöste, hat die Bilanz-Affäre bislang keine Konsequenzen. Anders erging es zwei ihrer Vorstandskollegen: Der Vorstandsvorsitzende und Gründer Jianshe Cai sowie sein Sohn und Joyou-COO Jilin Cai müssen bis auf Weiteres ihre Ämter im Vorstand ruhen lassen. Das teilte Joyou am vergangenen Montag mit. Seither führt der Vorstand und frühere Grohe-Manager Gerald Mulvin das Unternehmen.

Die Eskapaden der China-IPOs in Frankfurt gehen weiter

Mit der China-Tochter des Badarmaturenherstellers Grohe fällt erneut ein an der Frankfurt Börse notiertes chinesisches Unternehmen mit Eskapaden auf: Bei dem Handtaschenhersteller Powerland hatte die Verweigerung des Bilanztestats durch die WP-Gesellschaft BDO Unregelmäßigkeiten in den Büchern aufgedeckt.

Bei dem chinesischen Schuhhersteller Ultrasonic waren zwischenzeitlich gar die Vorstände Qingyong Wu (CEO) und Minghong Wu (COO) verschwunden – und mit Ihnen der größte Teil der Unternehmenskasse.  Ähnliches ereignet sich bei dem Modehersteller Kinghero, den die Deutsche Börse inzwischen aus dem Entry Standard geworfen hat.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Joyou ist nicht der erste Bilanzskandal eines chinesischen Unternehmens an der Frankfurter Börse. Eine Übersicht über die zahlreichen Eskapaden der Frankfurter China-Aktien finden Sie auf unserer dazugehörigen FINANCE-Themenseite.