Der chinesische Lederwaren- und Handtaschenhersteller Powerland bekommt kein Testat für Jahresabschluss

Powerland

02.07.13
Finanzabteilung

Powerland bekommt kein Testat für Jahresabschluss

Der an der Frankfurter Börse notierte chinesische Lederwaren- und Handtaschenhersteller Powerland bekommt kein Testat für seinen Jahresabschluss und den Konzernjahresabschluss 2012. Schon im vergangenen Jahr hat die Bilanzpolizei DPR Powerland auf die Finger geklopft.

Das muss ein herber Schlag für den an der Frankfurter Börse notierten chinesische Lederwaren- und Handtaschenhersteller Powerland gewesen sein. Die deutsche Powerland AG wurde heute darüber informiert, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO, ihre Abschlussprüfung des Einzel- und des Konzernabschlusses für das am 31. Dezember 2012 abgeschlossene Geschäftsjahr voraussichtlich bis Ende dieser Woche abschließen und kein Testat ausstellen wird. Das teilte Powerland am Dienstag in einer Ad-hoc-Mitteilung mit. Beide Prüfungen würden mit einem Versagungsvermerk abschließen, heißt es weiter. Um welche Art des Versagungsvermerks es sich handelt, teilte Powerland allerdings nicht mit. Grundsätzlich lässt sich aber ein Versagungsvermerk aufgrund von „Einwendungen“ und einer aufgrund von „Prüfungshemmnissen“ unterscheiden.

Powerland war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Laut Ad-hoc-Mitteilung liegen die Prüfungsberichte des Abschlussprüfers Powerland bislang noch nicht vor. Sobald dies der Fall ist, will Powerland eigenen Angaben zufolge, „die Versagungsgründe analysieren und an den Kapitalmarkt kommunizieren“. Zudem plant Powerland, den nicht-testierten Einzel- und Konzernjahresabschluss für das vergangene Geschäftsjahr zeitnah zu veröffentlichen. Infolge der gerade veröffentlichten Schreckensnachricht verschiebt der Handtaschenhersteller nun die ordentliche Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2012 auf „unbestimmte Zeit“, wie es weiter heißt. Öffentlichkeit und Kapitalmarkt würden zeitnah nach Festlegung des Termins informiert.

Powerland hat im Frühjahr Finanzchef Kelvin Ho entlassen

Schon Ende März dieses Jahres zeichnete sich Ungemach bei Powerland ab. Der chinesische Handtaschenhersteller teilte damals mit, dass er seinen Jahresabschluss nicht wie geplant am 30. April würde vorlegen können. Die Abschlussprüfung durch BDO-Prüfer erfordere „mehr Zeit als vorgesehen, da sich zusätzliche Überprüfungshandlungen in Bezug auf interne Kontrollverfahren als erforderlich herausgestellt haben“, hieß es dieses Frühjahr. Finanzchef Kelvin Ho hat dafür die Verantwortung übernommen und ist damals mit sofortiger Wirkung "in gegenseitigem Einvernehmen" aus dem Unternehmen ausgeschieden.

Medienberichten zufolge war dieses Frühjahr das Ausfuhrgeschäft Grund für die Verschiebung der Veröffentlichung des Jahresabschlusses 2012. Während die Luxusgütersparte ihre Produkte nur in der Volksrepublik China vermarktet, werden die Produkte der Casual-Sparte wie Rucksäcke und Reise- oder Kühltaschen unter anderem nach Australien, Südafrika und die Vereinigten Arabischen Emirate ausgeführt. Die Überprüfung der kompletten Absatzkette benötigte offenbar mehr Zeit als ursprünglich gedacht. Nach Veröffentlichung der Mitteilung brach die Aktie damals um 28 Prozent auf 6,80 Euro ein. Auch heute gab es nach der Ad-hoc-Mitteilung einen Kursrutsch: Der Aktienkurs stürzte um mehr als 50 Prozent auf 2,19 Euro. Vor mehr als zwei Jahren war das Powerland-Papier noch zu 15 Euro platziert worden.

Schon 2012 hatte die Bilanzpolizei DPR Powerland gerügt. Der Grund: Powerland hatte sein Konzernergebnis im verkürzten Abschluss vom 30. Juni 2011 um etwa 2,4 Millionen Euro zu hoch ausgewiesen.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

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