Powerland, CFO, Prüfungstestat, BDO

Powerland

16.07.13
Finanzabteilung

Powerland legt Gründe für fehlendes Testat offen

Der chinesische Lederwarenhersteller Powerland geht nach zwei desaströsen Wochen in die Offensive. Anfang Juli verweigerte der Wirtschaftsprüfer BDO der Powerland AG das Abschlusstestat. Eine Woche später forderte der Hedgefonds Exchange Investors die Liquidierung des Unternehmens. Jetzt geht Powerland mit seiner Sicht der Dinge an die Öffentlichkeit, pusht mit einem Rückkaufprogramm den Aktienkurs und ernennt einen neuen CFO.

In einer ausführlichen Stellungnahme stellt Powerland die von BDO angemahnten „Prüfungshemmnisse“ dar und versucht zugleich, sie zu entkräften. Doch die von BDO aufgedeckten Ungereimtheiten haben es in sich. Erster Vorwurf von BDO: Umsätze mit südafrikanischen Kunden in Höhe von 35 Millionen Euro und anschließende Forderungen über 5,5 Millionen Euro seien nicht ausreichend nachgewiesen. Teilweise residierten die Unternehmen gar nicht an den angegebenen Adressen, zudem seien einzelne Zahlungen nicht identifizierbar, weil sie Teil von Sammelüberweisungen seien.

Powerland spricht davon, dass Lieferempfänger und Lieferadressen von Endkunden für den Ausweis von Umsatzerlösen irrelevant seien und dass der Vorstand keine Notwendigkeit gesehen habe, die von den südafrikanischen Großkunden angegebenen Adressangaben zu prüfen. Zudem seien Sammelüberweisungen bei etablierten Kundenbeziehungen gängige Praxis.

Powerland-CEO gibt Kunden Kredit

Der zweite Vorwurf an Powerland: Eine Zahlung über 800.000 Euro an Powerland, um die Rechnung eines Auslandskunden zu begleichen  – durch den Powerland-CEO Shunyuan Guo. Hiermit habe Guo lediglich einem guten Powerland-Kunden geholfen, einen kurzfristigen Liquiditätsengpass zu überbrücken. Der Privatkredit sei später vom Kunden direkt an CEO Guo rückgezahlt worden.

Damit nicht genug. Auch Sichteinlagen in Höhe von 61 Millionen Euro habe BDO nicht nachprüfen können, weil Powerland einem Prüfbesuch bei den chinesischen Banken nicht zugestimmt habe. Spätestens hier wird die Sache haarig – vor allem weil BDO offenbar die Validität der im Export erzielten Umsatzerlöse anzweifelt. Der Kassenbestand wäre ein wichtiger Beleg dafür, dass es sich dabei nicht um Schein- oder Karussellgeschäfte handelt.

Powerland, kommentiert das Unternehmen, habe gemeinsam mit BDO-Vertretern Besuche bei den kontoführenden Banken durchgeführt, erachte aber die weiterführende Bitte von BDO, weitere Besuche bei den Hauptstellen der entsprechenden Banken durchführen zu dürfen, als „sehr ungewöhnlich“. Ebenfalls strittig ist die Nachprüfbarkeit langfristiger Schulden in Höhe von 3,7 Millionen Euro und kurzfristiger Bankschulden von 32,7 Millionen Euro. Auch hier gehen die Ansichten von BDO und Powerland, wie tief ein Prüfer bohren darf, auseinander.

Zu guter Letzt mahnt BDO noch an, dass auch der Kreis nahestehender Personen von Powerland nicht hinreichend transparent sei. Konkret geht es um Zahlungen an frühere Mitarbeiter, die später in Vertriebsgesellschaften arbeiteten beziehungsweise eine Onlineplattform aufbauen wollten.

Unklare Lage, Aufsichtsrat schweigt, neuer CFO

In dem öffentlich ausgetragenen Disput bleibt vieles unklar. Einerseits klingen viele der Vorwürfe von BDO nachvollziehbar. Fehlerhafte Lieferadressen für Waren im Umsatzwert von 35 Millionen mit dem lapidaren Hinweis zu kommentieren, dies sei für die Umsatzausweisung irrelevant, ist fragwürdig. Zumindest sollte Powerland die Integrität seiner südafrikanischen Großhändler hinterfragen. Auch ein privat gewährter Kredit vom Powerland-CEO höchstpersönlich – ausgerechnet ebenfalls an einen der beiden südafrikanischen Großkunden – ist aus Prüfersicht zurecht fragwürdig.  Andererseits scheint Powerland nicht grundlos die besonders harten Prüfungsanforderungen zu beklagen, gerade im Zusammenhang mit den Bankprüfungen in China. Indes könnten diese vertieften Prüfungen angesichts eines offenbar bestehenden Anfangsverdachts von BDO durchaus gerechtfertigt sein.

Auffällig ist, dass sich der deutsche Aufsichtsrat der chinesischen Firma in der Kommunikation bislang zurückhält. Mit Peter Diesch (Board Consultants, Vorsitzender) und Volker Potthoff (CMS Hasche Sigle, stellvertretender Vorsitzender) sitzen zwei renommierte Manager im Aufsichtsrat von Powerland. Von ihnen ist bislang nichts zu hören, bis auf ein allgemein gehaltenes Powerland-Statement, dass man gemeinsam mit dem Aufsichtsrat die Vorwürfe prüfe.

In einer anderen Sache hat sich der Aufsichtsrat heute dann doch noch geäußert. Allerdings zu einer neuen Personalie: Um 10:30 Uhr konnte Powerland endlich die Berufung eines neuen CFO verkünden, nachdem der Posten seit Mai vakant gewesen war. Jiang Ya Chen wurde vom Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung zum neuen Finanzvorstand ernannt. „Mit seinem deutsch-chinesischen Hintergrund und seinen exzellenten Fachkenntnissen und Erfahrungen im Rechnungswesen und Controlling, im Finanzwesen, der Prüfung und der internen Revision ist Jiang Ya Chen die ideale Verstärkung für das Finanz- und Controllingteam innerhalb Powerlands“, sagte Peter Diesch. Der Verweis auf die interne Revision dürfte nicht zufällig gefallen sein.

Zudem wird in der Mitteilung zur Ernennung Chens explizit auf seine Mitgliedschaft im Prüfungsausschuss eines Shanghaier Unternehmens hingewiesen. Der Arbeitsauftrag für den neuen CFO dürfte damit klar sein: Licht in die dunklen Ecken Powerlands zu bringen, den Konflikt mit BDO zu schlichten und am Ende vielleicht doch noch ein Testat für einen – wie Powerland es formuliert „geänderten“ Jahresabschluss – zu erhalten.

Aktienrückkauf pusht Powerland-Kurs

Dass der Kurs der Powerland-Aktie trotz des bunten Straußes an Vorwürfen nicht noch weiter in den Keller sackte, lag vor allem an der Ankündigung, bis zu 1,5 Millionen Aktien (10 Prozent des Kapitals) zurückzukaufen. Der Kurs schoss daraufhin von 2,00 Euro auf über 3,50 Euro nach oben. Der Grund ist klar: Der Aktienrückkauf entspräche gut 27 Prozent der 5,5 Millionen Aktien, die sich aktuell im Freefloat befinden – eine mächtige Unterstützung für den Kursverlauf.

58 Prozent der Anteile hält CEO Shunyuan Guo. Nach dem Rückkauf würden nur noch knapp 28 Prozent der Powerland-Aktien an der Börse gehandelt.  Vielleicht bereitet Powerland angesichts des ganzen Ärgers langsam bereits sein De-Listing vor.

armin.haeberle[at]finance-magazin.de

Welche zum Teil grotesken Skandale die anderen Unternehmen aus dem Reich der Mitte beuteln, lesen Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu China-Aktien.