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Bafin erlegt Delivery Hero Geldbuße auf

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Nach der Corona-Pandemie ist der Boom der Lieferdienste abgeebbt. Delivery Hero ist unter Druck. Und jetzt fliegt auch noch ein Bußgeld der Bafin ins Haus. Foto: Ralf - stock.adobe.com
Nach der Corona-Pandemie ist der Boom der Lieferdienste abgeebbt. Delivery Hero ist unter Druck. Und jetzt fliegt auch noch ein Bußgeld der Bafin ins Haus. Foto: Ralf - stock.adobe.com

Der Lieferdienst Delivery Hero hat gegen die Marktmissbrauchsverordnung verstoßen und eine Insiderinformation nicht bekannt gegeben. Aus diesem Grund hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) am gestrigen Mittwoch eine Geldbuße in Höhe von 630.000 Euro festgesetzt.

Delivery Hero versäumte Prognose-Ad-hoc

Auf Anfrage von FINANCE begründet Delivery Hero die Bafin-Maßnahme damit, dass das Unternehmen es versäumt habe, die Prognose für das Geschäftsjahr 2022 in Form einer Ad-hoc-Mitteilung offenzulegen, so ein Unternehmenssprecher. Weil Delivery Hero mit ihrem Sitz in Deutschland Wertpapiere und andere Finanzinstrumente emittiert hat, muss das Unternehmen Insiderinformationen sofort veröffentlichen, erklärt die Bafin in ihrem Bekanntmachungsschreiben.

Mit der Veröffentlichung einer Ad-hoc-Mitteilung soll verhindert werden, dass „sich Insider mit ihrem Wissensvorsprung beim Handel mit Wertpapieren und anderen Finanzinstrumenten Vorteile verschaffen“, so die Bafin. Bei einem Verstoß kann die Bafin das Unternehmen mit einer Geldbuße ahnden, die maximal 2,5 Millionen Euro oder bis zu 2 Prozent des Gesamtumsatzes beträgt.

Delivery Hero hat nun die Möglichkeit, gegen den Bescheid Einspruch einzulegen. Ob das MDax-Unternehmen davon Gebrauch machen wird, hat Delivery Hero nicht kommentiert.

Delivery Hero muss nachhaltig profitabel werden

Delivery Hero ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, sowohl organisch als auch über Zukäufe, wie etwa in Südkorea. Profitabel war der Essenlieferdienst aber lange Zeit nicht: Der Lieferdienst, der in mehr als 40 Ländern aktiv ist, erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 9,2 Milliarden Euro und wies einen Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 790,2 Millionen Euro auf.

Die Halbjahreszahlen 2023 lassen jedoch hoffen: Der Umsatz lag bei rund 22 Milliarden Euro, damit konnte Delivery Hero seinen Umsatz im Vergleich zum ersten Halbjahr 2022 (20 Milliarden Euro) um über 11 Prozent steigern.

Aufhorchen lässt aber speziell das bereinigte Ebitda, das nach den ersten sechs Monaten 2023 mit 9,2 Millionen Euro einen positiven Wert erreichte. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2022 stand hier ein sattes Minus von 323 Millionen Euro zu Buche. Delivery Hero spricht daher im Halbjahresbericht auch von einem „signifikanten Meilenstein auf dem Weg in Richtung Profitabilität“.

Delivery-Hero-Aktie im Sinkflug

Für das Gesamtjahr 2023 erwartet Delivery Hero ein Wachstum von rund 15 Prozent beim Gesamtumsatz. Außerdem rechnen die Berliner „weiterhin“ mit dem Break-Even des bereinigten Ebitda der Segmente in diesem Jahr – sowie „zum ersten Mal in der Geschichte des Konzerns ein positives adjusted Ebitda für das gesamte Jahr“.

Aufschluss über die weitere Entwicklung des Unternehmens werden die Zahlen zum dritten Quartal 2023 geben, die Delivery Hero am kommenden Dienstag, den 14. November veröffentlichen will. Eine nachhaltige Profitabilität wünschen sich auch die Investoren – und diese könnte den Aktienkurs auch endlich beflügeln. Dieser befindet sich seit Monaten im Sinkflug und notiert derzeit bei knapp 28 Euro.

Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.