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Clariant: „Wir haben die traditionelle Budgetierung abgeschafft”

Weg von der traditionellen Budgetierung: Ein Prinzip, dass sich bei Clariant in den letzten beiden Jahren bewährt hat.
Clariant

„Im Jahr 2015 wollen wir eine EBITDA-Marge von über 17 Prozent erreichen“ – was Stephan Lynen, Leiter Konzerncontrolling des Schweizer Chemiekonzerns Clariant gestern auf der 14. Planungsfachkonferenz von Horváth & Partners in Köln formulierte, war ein deutliches Signal an die Wettbewerber. 2011 lag die Kennzahl bei 13,2 Prozent, die Ziele sind ehrgeizig.

Als Treiber setzt Lynen auf die neue Ideologie des Konzerns in Sachen Planung und Steuerung – deren Grundidee allerdings nicht erst angesichts der anhaltenden Konjunkturschwankungen der letzten Monate geboren wurde. Denn was viele Unternehmen aktuell beschäftigt, hat Clariant bereits durchlebt: Als der Konzern 2008 restrukturiert wurde, war klar, dass nicht nur die Organisationsstruktur völlig neu aufgesetzt werden sollte, sondern sich auch beim Controlling etwas verändern musste: „Wir brauchten schnellere, aber auch schlankere Steuerungssysteme“, sagt Lynen.

Dabei verordnete sich der Konzern nicht bloß eine Verschlankungskur – der Planungs- und Budgetierungsprozess wurden komplett neu konzipiert. Bis dato hatte Clariant klassisch (nach dem Gegenstromverfahren) budgetiert, mit dem dafür typischen Ressourceneinsatz: Im Schnitt 3-5 Zyklen über einen Zeitraum von 7 Monaten, das ganze Projekt erforderte während des Planjahres die Mitarbeit von rund 300 Personen konzernweit. „Die traditionelle Budgetierung haben wir abgeschafft“, fasst Lynen das Ergebnis zusammen.

Bottom-up auf Top-Niveau

Heute ist im Konzern nicht mehr die Rede vom „Budget“, stattdessen dreht sich alles um den Begriff „Objective": Ein extrem reduzierter Ansatz, in dem ausschließlich die Produktionskosten budgetiert werden, und das mit einer neuen Richtung. Daten werden innerhalb der elf Business Units von unten nach oben eingesammelt, am Ende setzt die globale Business Unit das „Objective“. Im Moment dauert der Prozess noch acht Wochen, das könne aber durchaus noch weniger werden, erwartet Lynen: „Das ist ein Bottom-up-Ansatz auf Top-Niveau.“ Der Vorstand unterstützt das Vorgehen in vollem Umfangund stellt die Vorgaben der globalen Business Unit aus Prinzip nicht in Frage.

Anfängliche Bedenken, dass die Leiter der Geschäftseinheiten zu ihrer eigenen Sicherheit zu konservative Ziele definieren könnten, hätten sich nicht bestätigt, erklärt Lynen. Das ist auf den ersten Blick eine überraschend positive Bilanz, sind die Incentives doch entscheidend an das festgelegte„Objective“ gebunden. Trotz der ansonsten propagierten Bottom-up-Linie wirken hier klare Ansagen von oben, so Lynen: „Es werden realitische und ehrgeizige Zielsetzungen erwartet.“ Ein offensichtlich erfolgreiches Rezept: Zumindest bislang hat sich das System bewährt.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

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