Der dynamische Rolling Forecast soll den Controllern bei Daimler Financial Services mehr Zeit für Analysen bieten, sagt Controlling-Chef Christian Rottenkolber.

Foto: Daimler Financial Services

24.10.14
Finanzabteilung

Controlling bei Daimler FS: „Keine Budgetierung mehr“

Daimler Financial Services arbeitet an einem „dynamischen“ Rolling Forecast. Was hinter dem Ansatz steckt und warum er mehr ist als ein bloßes Controlling-Projekt, erklärt Chef-Controller Christian Rottenkolber.

Sie führen gerade im Controlling von Daimler Financial Services einen „Dynamic Rolling Forecast“ ein. Was genau soll daran dynamisch werden?
Den Rahmen bildet ein klassischer Rolling Forecast: Wir gehen weg von der statischen Ganzjahresplanung hin zu einem rollierenden Sechs-Quartals-Forecast, der quartalsweise erneuert wird. Dynamisch ist aber die Ausgestaltung. Damit die Ergebnisse der Planung immer genauer werden, habe ich einen kombinierten Ansatz gewählt: Auf der Grundlage der Ist-Daten erfolgt zunächst eine statistische Trendableitung für die nächsten sechs Quartale, diese korrigieren wir dann mit Szenario-Rechnungen für bestimmte Parameter. Das hat den Vorteil, dass die Genauigkeit unserer Vorhersagen für die kommenden Zeiträume immer größer wird, da sich die Datenbasis automatisch immer weiter verfeinert. Zugleich runden wir die auf dem Wege der Statistik erhaltenen Ergebnisse durch Experteneinschätzungen ab – denn mit Statistiken alleine kann man keine valide Einschätzung erhalten.

Betrifft das Projekt auch die Budgetierung?
Ja, es gibt dann keine Budgetierung im eigentlichen Sinne mehr. Das Budget wird mit dem rollierenden Forecast errechnet. Dies wird zwar weiterhin im Rahmen der lokalen Verantwortlichkeiten erfolgen, aber ohne das für eine Planung mitunter typische Verhalten, im Zweifel eher eine Spur zu konservativ unterwegs zu sein.

Wie weit sind Sie mit der Umsetzung?
Wir haben letztes Jahr damit begonnen. Jetzt befinden wir uns im ersten Drittel und gleichzeitig auch dem schwierigsten Teil: der Kulturänderung im Unternehmen. Wir erklären unseren Mitarbeitern, dass ein Umdenken notwendig ist – weg von der alten Jahresplanung hin zum Forecast. Da ist vieles natürlich eingeübt und Verhaltensmuster lassen sich nicht von heute auf morgen ändern.

Controller: Schritt zum Business Partner

Mit welchen Bedenken werden Sie denn konfrontiert?
Vielen fällt es noch schwer, sich vorzustellen, was der neue Ansatz für sie persönlich bedeutet. Am häufigsten höre ich deshalb die Frage nach dem Nutzen für den Einzelnen. Ich erkläre meinen Mitarbeitern dann, dass sie mit dem neuen Ansatz mehr Raum für Analysen bekommen und weniger Zeit mit der klassischen Datenaufbereitung verbringen müssen. Sie haben damit die Gelegenheit, mehr und mehr Zeit in ihre Rolle als „Business Partner“ zu investieren.

Wollen das denn alle Mitarbeiter überhaupt?
Natürlich kann sich dann niemand mehr hinter Excel-Tabellen „verstecken“. Aber die meisten finden den Ansatz sehr spannend und erkennen die Möglichkeiten, die für sie damit verbunden sind.

Wann geht das Projekt live?

Sie sprechen immer von „Projekt“ – das trifft es aber nicht. Wir haben bewusst kein Projekt aufgesetzt, sondern arbeiten das Thema in der Linienorganisation ab. Die Prozesse werden vollständig umgestellt. Nur mit dieser Herangehensweise, verbunden mit einem Umdenken in der Organisation, können wir Erfolg haben. Häufig wird in einem Projekt der Schwerpunkt auf Daten und Systeme gelegt. Das ist aber nicht alles, wichtiger ist der Mitarbeiter. Deshalb haben wir mit dem Change Management begonnen.

Dann also die Frage: Wann sind die Systeme umgestellt?

Die Voraussetzungen sollten nächstes Jahr im Herbst erfüllt sein. Aber das Schöne ist, dass wir bereits jetzt nicht mehr von einer klassischen Jahresplanung sprechen, sondern die neuen Ansätze schon heute in die Planung einfließen – auch ohne die technische Infrastruktur.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

Christian Rottenkolber ist Leiter Corporate Controlling bei Daimler Financial Services.