Microsoft ist einer der bekanntesten ERP-Anbieter – ist er auch der beste?

Microsoft

13.12.16
Finanzabteilung

SAP, Oracle, Microsoft: Welcher ERP-Anbieter ist der beste?

Große Player wie SAP, Oracle und Microsoft beherrschen den Markt für ERP-Systeme. Doch sind sie auch die besten Anbieter? Eine Kundenauswertung zeigt überraschende Ergebnisse.

Wer die Wahl hat, hat die Qual – das gilt auch für ERP-Systeme. Aus über 250 verschiedenen Systemen für das Enterprise-Resource-Planning können Unternehmen auswählen. Die Auswahl reicht von teurer, hochprofessioneller Software über kostenlose Standardprogramme.

Doch welcher ERP-Anbieter ist der beste? Mit dieser Frage hat sich das US-Beratungshaus Panorama Consulting, das auf ERP-Systeme spezialisiert ist, befasst und dazu Kunden der zehn bekanntesten ERP-Anbieter befragt. Auf Basis der 1.660 Antworten, die von September 2012 bis Februar 2016 erhoben wurden, hat die Beratung ein Ranking erstellt. Befragt wurden Kunden sowohl von großen und bekannten Anbietern wie SAP, Oracle, Microsoft, Epicor und Infor, als auch Kunden von weniger bekannten Anbietern wie IFS, Netsuite, Sage, Syspro und IQMS.

SAP hat den größten Marktanteil

Ganz vorne mit dabei im Ranking ist SAP. Wenig überraschend sind die Walldorfer mit einem Anteil von rund 20 Prozent am Weltmarkt klarer Marktführer. Abgeschlagen auf Platz zwei mit rund 14 Prozent Marktanteil findet sich Oracle, gefolgt von Microsoft mit knapp 10 Prozent. Auf Platz vier und fünf befinden sich Infor und Epicor.

SAP ist nicht nur beim Marktanteil auf Platz eins, sondern hat laut Kunden von allen Anbietern den kürzesten Payback, also die die Zeit, die die Kunden brauchen, um die Implementationskosten wieder reinzuholen. SAP-Kunden brauchten durchschnittlich 8,5 Monate, ganz knapp dahinter befinden sich schon die kleineren Konkurrenten Epicor und die US-Softwarefirma Netsuite. Überraschend schlecht abgeschnitten hat SAPs direkter Konkurrent Oracle. Dessen Kunden brauchten über 22 Monate, um die Umsetzungskosten wieder hereinzuholen.

Oracle-Kunden sind am schnellsten einsatzbereit

Dafür hat Oracle am besten bei der Implementierungszeit abgeschnitten. Mit einer Dauer von rund 25 Monaten gehen die Oracle-Kunden am schnellsten in den Einsatz des neuen Systems. Mit 30 Monaten liegt Infor auf Platz zwei, mit rund 34 Monaten SAP auf Platz drei. Die mit Abstand längste Implementierungszeit findet sich beim schwedischen Anbieter IFS, bis zum Einsatz der Software müssen die Kunden durchschnittlich 54 Monate, also viereinhalb Jahre warten.

Diese außergewöhnlich lange Wartezeit scheint sich allerdings auszuzahlen: Dem ERP-System von IFS sprechen die Kunden die höchste Funktionalität zu und bewerten diese mit 3,6 von 5 Punkten. Die Software sei benutzerfreundlich und wegen ihrer komponentenbasierten Bauweise besonders flexibel. Auf Platz zwei liegt Oracle, auf Platz drei Epicor. SAP landet auf dem letzten Platz, allerdings ist die Bewertung mit 2,9 von 5 Punkten nicht weit entfernt von den ersten Plätzen.

Netsuite ist gemessen am Umsatz am günstigen

Das letzte Kriterium, nach dem die Kunden ihre Anbieter bewerten mussten, sind die gesamten Implementierungskosten. Dazu zählen sowohl die Anschaffungs- als auch Betriebskosten für die spätere Nutzung, wie etwa Reparatur- und Wartungskosten.

Hier haben die kleineren Anbieter die Nase vorn: Gemessen am Umsatz der Kunden ist Netsuite am günstigsten, die Implementation der Software kostet die Kunden 2,8 Prozent ihres Umsatzes, gefolgt von der US-Firma IQMS (2,9 Prozent) und IFS (4 Prozent). SAP, Microsoft und Oracle finden sich weiter hinten, mit 5,7 Prozent ist Oracle sogar auf Platz zehn.

Epicor landet auf Platz eins

Fasst man alle Kriterien zusammen, zeigt sich: Nicht die großen Player SAP, Oracle und Microsoft sind laut den Kunden die besten ERP-Anbieter, sondern der US-Anbieter Epicor, der vor allem im Mittelstand sehr verbreitet ist. Hier schätzen die Kunden insbesondere, dass es eine sehr große Auswahl an ERP-Lösungen gibt, so dass für jeden etwas dabei ist.

SAP findet sich in der Gesamtauswertung auf Platz drei, das Unternehmen punktet vor allem bei großen internationalen Unternehmen. Allerdings muss man dazu sagen, dass in der Umfrage nicht das neue ERP-System SAP S/4 Hana berücksichtigt wurde, mit dem SAP momentan erfolgreich im Markt agiert. Oracle landet auf Platz fünf und profiliert sich vor allem durch hohe Flexibilität und Skalierbarkeit. Microsoft ist nur auf Platz sieben gelandet, hier schätzen die Kunden immerhin den mehrsprachigen Support.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Ohne ein gutes ERP-System geht nichts. Doch wie finden CFOs die richtige Software für ihr Unternehmen? Das können Sie in unserem FINANCE-Ratgeber nachlesen.