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Cyberangriff auf Pumpenkonzern KSB

KSB wurde Opfer einer Cyberattacke. Foto: Robert Kwiatek, KSB Aktiengesellschaft.
KSB wurde Opfer einer Cyberattacke. Foto: Robert Kwiatek, KSB Aktiengesellschaft.

Weiterer Cyberangriff bei einem deutschen Unternehmen: Vorgestern Nacht wurde KSB Ziel eines schweren Cyberangriffs. Das gab der Pumpenhersteller aus Frankenthal am heutigen Freitagvormittag per Ad-hoc-Mitteilung bekannt. Verschiedene Gesellschaften der KSB-Gruppe seien betroffen. Laut Unternehmen war der Angriff „ernsthaft“. Der in die Wege geleitete Notfallplan führe aktuell zu Einschränkungen im laufenden Betrieb, erläutert KSB.

KSB: Produktion teils eingeschränkt

Das Ausmaß des Cyberangriffs lässt sich noch nicht abschätzen. Einem Sprecher zufolge habe das Unternehmen den Angriff frühzeitig bemerkt und die Server vom Internet genommen. „Derzeit sind interne und externe Spezialisten damit befasst, das genaue Ausmaß zu analysieren und Gegenmaßnahmen einzuleiten.“

Die Bereiche Produktion und Logistik seien bereits wieder angelaufen. Allerdings könne es im Versand zu Störungen und damit zu verzögerten Auslieferungen kommen. Bei dem ERP-System dauere die Wieder-Inbetriebnahme noch an, so der Sprecher.

Besonders betroffen ist offenbar die elektronische Kommunikation, auch jene mit Geschäftspartnern. Diese funktioniere „nicht oder nur sehr eingeschränkt“.  KSB will nun auf analoge Kommunikation ausweichen.

Datenklau bei KSB?

Bekannt ist laut Unternehmenssprecher außerdem, dass einige persönliche Daten abgeflossen sind. Welche genau, sei noch zu klären. Der Kapitalmarkt scheint über den Cyberangriff nicht besorgt zu sein. Die Aktie gab zwar kurz nach Bekanntmachung des Angriffs leicht von 455 auf 452 Euro nach, erholte sich aber im Lauf des Vormittags bereits wieder. Der Pumpenhersteller hat momentan einen Börsenwert von rund 726 Millionen Euro.

Zuletzt hatten die Frankenthaler Positives zu verkünden: Ende März meldete das Unternehmen, dass sich der Umsatz im Jahr 2021 auf rund 2,3 Milliarden Euro belief – im Vorjahr waren es 2,2 Milliarden Euro. Besonders erfreulich entwickelte sich das Ergebnis von Zinsen und Steuern: Das Ebit verdoppelte sich von 70,2 auf 141,2 Millionen Euro.

Auch Nordex wurde Ziel einer Cyberattacke

Die KSB-Cyberattacke ist schon die zweite auf ein großes deutsches Unternehmen in kurzer Zeit: Vergangene Woche wurde der Windturbinenhersteller Nordex Opfer eines Cyberangriffs. Durch den Krieg in der Ukraine nehme die Bedrohung durch Cyberattacken zu, davon können auch deutsche Unternehmen betroffen sein, warnte zuletzt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Die aktuellen Angriffe könnten der Anfang einer großen Welle sein. Im Dezember 2021 wurde die Java-Schwachstelle „Log4Shell“ bekannt, welche es Angreifern ermöglicht über das Internet eigene Programmcodes auszuführen und damit einen Brückenkopf für weitere Cyberattacken zu installieren.

eva.brendel[at]finance-magazin.de

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Eva Brendel ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Kommunikationswissenschaft, VWL und Politik in Bamberg und Jena studiert. Neben dem Studium arbeitete Eva Brendel als freie Nachrichtenmoderatorin bei einem Lokalsender und moderierte eine eigene Podcast-Reihe.

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