Gea Group

13.03.18
Finanzabteilung

Gea-CFO Helmut Schmale rückt in die Defensive

Der Anlagenbauer Gea schraubt seine Wachstumsziele zurück und liefert wenig Neues auf die Frage, wie künftig Wert geschaffen werden soll. Reicht das, um die Aktivisten im Investorenkreis ruhig zu stellen?

Der Druck auf das Management des Anlagenbauers Gea wächst: CEO Jürg Oleas und CFO Helmut Schmale haben es bei einem langersehnten Kapitalmarkttag nicht geschafft, die Investoren für Gea zu begeistern. Trotz zweier verlorener Jahre, in denen der Umsatz stagnierte und die Profitabilität sank, präsentierte der MDax-Konzern am gestrigen Montag in London kaum neue Maßnahmen, mit denen er das Ruder herumreißen will.

Stattdessen senkten die Düsseldorfer ihre Mittelfristziele: Für die Zeitspanne von 2018 bis 2022 rechnet das Management jetzt nur noch mit einem durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstum von 3,5 bis 4,5 Prozent – statt 4 bis 6 Prozent bis 2020, wie ursprünglich angekündigt.

Noch gravierender ist die Korrektur bei der Profitabilität: So soll die Marge auf das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bis 2022 auf 13,5 bis 15,5 Prozent steigen. Damit würde Gea aber gerade einmal auf das 2015er Niveau zurückkehren, als die Ebitda-Marge schon einmal bei 13,5 Prozent lag. Ursprünglich wollte der Anlagenbauer seine Marge auf das Ebit bis 2020 auf 14 bis 16 Prozent zu steigern. Dass diese Ziel nicht zu halten sein wird, hatte sich in den vergangenen Monaten aber bereits abgezeichnet.

Gea wächst nur dank M&A-Deals

Die Aktie des MDax-Konzerns verlor im Laufe des gestrigen Tages dann auch mehr als 4 Prozent. Bereits am Montag Morgen hatte der auf die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie spezialisierte Maschinenbauer enttäuschende Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr veröffentlicht: Der Umsatz lag mit 4,6 Milliarden Euro so hoch wie 2015, das operative Ebitda mit 564 Millionen Euro lag 9 Prozent unter dem Wert von vor zwei Jahren.

Im laufenden Geschäftsjahr sollen die Erlöse zwar um 5 bis 6 Prozent steigen, verspricht das Management. Allerdings dürfte das Wachstum im Wesentlichen durch zwei Zukäufe getrieben sein: Gea hatte Ende vergangenen Jahres den italienischen Anlagenbauer Pavan sowie Vipoll, einem slowenischen Spezialisten für Abfüllanlagen, erworben. Auch in Zukunft will Gea weiter „selektiv zukaufen“, wie aus der Präsentation des Kapitalmarkttages hervorgeht. 

CFO Schmale muss Investoren überzeugen

Unternehmenschef Oleas führt als Gründe für das enttäuschende Jahr 2017 vor allem die Schwäche der für Gea wichtigen Milchverarbeitungsindustrie sowie die Euro-Stärke heran.  Beobachter lassen den Verweis auf externe Faktoren der Misere allerdings nur bedingt gelten. Ein Großteil der Gea-Probleme sei hausgemacht, ist zu hören: Ein überstürzter Konzernumbau, nicht sauber integrierte Zukäufe und Wildwuchs in der IT – all diese Gründe führen Insider gegenüber FINANCE  für die aktuellen Probleme des Anlagenbauers an. Eine ausführliche Analyse zu Gea lesen Sie in der aktuellen FINANCE-Printausgabe.

Der gestrige Kapitalmarkttag galt daher als wichtiger Gradmesser für das Vorstandsduo: Gelingt es ihnen, den Investoren eine überzeugende Story zu liefern? „Das Management hat am Kapitalmarkt jegliches Vertrauen zerstört“, hatte im Vorfeld ein Analyst geätzt, der nicht namentlich genannt werden möchte, angesichts dreier Gewinnwarnungen und Prognoseverfehlungen seit Herbst 2016.

Dr. Helmut Schmale, GEA Group

Nach seiner Promotion arbeitet Schmale zunächst bei den Klöckner-Werken. Anfang 1993 steigt er als Prokurist bei GEA Wärme- und Umwelttechnik ein. Im Oktober 1997 wechselt Schmale in die Divisionsleitung des Bereichs Energietechnik und wird dort gleichzeitig CFO. Nach sieben Jahren in dieser Funktion wird Schmale im April 2004 zum Präsidenten und CEO des Bereichs Energietechnik ernannt. 2009 tritt er als Finanzchef der GEA-Unternehmensgruppe die Nachfolge von Hartmut Eberlein an.

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Gea bleibt vage bei Einsparzielen und Verkäufen

Um die Profitabilitätsziele bis 2022 zu erreichen, will Gea an verschiedenen Stellschrauben drehen: So soll etwa der Anteil des margenträchtigen Servicegeschäfts, der aktuell konzernweit bei 31 Prozent liegt, auf 33 bis 35 Prozent steigen. In der Produktion und im Einkauf strebt das Unternehmen weitere Synergien an, auch in der Verwaltung soll weiter gekürzt werden. Konkrete Einsparziele nannte Gea aber nicht.

Auch in Bezug auf das Portfoliomanagement blieb das Management vage: CEO Jürg Oleas hatte Ende Januar in Aussicht gestellt, „Aktivitäten mit Hunderten Millionen Euro Umsatz“, die die Profitabilitätsziele nicht erreichen, auf den Prüfstand zu stellen. Diese Pläne hat das Management allerdings – anders als angekündigt – gestern nicht konkretisiert.

Die Gea-Aktie dümpelt vor sich hin

Wie reagieren die Aktivisten bei Gea?

Dabei ist der Druck auf das Gea-Management hoch, seitdem im vergangenen Jahr zwei aktivistische Investoren bei den Düsseldorfern eingestiegen sind: Zunächst erwarb im August die Beteiligungsgesellschaft GBL einen Anteil von 3 Prozent. Das Vehikel, das dem belgischen Investor Albert Frère und dem Kanadier Paul Desmarais gehört, hat seinen Anteil kürzlich auf 4,3 Prozent aufgestockt. Im vergangenen Oktober stieg dann der Hedgefonds Elliott um seinen berüchtigten Manager Paul Singer mit 3 Prozent ein. 

Ihre konkreten Plänen liegen zwar im Dunkeln, mit der Aktienkursentwicklung von Gea können beide Aktivisten aber nicht zufrieden sein.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de