KI-Fehltritte: Moody’s warnt vor negativem Rating-Impact

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Schlechte KI-Strategien können sich negativ auf das Rating eines Unternehmens auswirken. Foto: rudall30 –stock.adobe.com
Schlechte KI-Strategien können sich negativ auf das Rating eines Unternehmens auswirken. Foto: rudall30 –stock.adobe.com

Gemini – das sollte Googles Antwort auf Open AIs viel gehypten Chatbot ChatGPT sein. Doch der Start Anfang dieses Jahres geriet zum Fiasko: Mit ungenauen Darstellungen historischer Personen sorgte Gemini für viel Aufregung in den sozialen Netzwerken. Der Tech-Konzern gab sich anschließend selbstkritisch, setzte die Option zur Generierung von Bildern mit Menschen vorerst aus und gelobte Besserung.

Finanziell sind die Folgen für Google sicher zu verschmerzen – der Reputationsschaden dürfte dafür umso schwerer wiegen. Dabei ist der Tech-Gigant längst nicht der einzige Konzern, der bereits Lehrgeld beim Thema KI zahlen musste. Air Canada oder GM-Robotaxi-Tochter Cruise machten zuletzt ebenfalls mit KI-Negativschlagzeilen von sich reden. Solche könnten sich künftig auch auf das Rating der Unternehmen auswirken.

US-Ratingagentur Moody’s reagiert auf KI-Fehltritte

So haben Fehltritte dieser Art nun Moody’s auf den Plan gerufen. In einem neu erschienenen Report warnt die US-Ratingagentur, dass eine schlecht definierte KI-Strategie die Bonität und Kreditqualität von Unternehmen schwächen könne. Bislang habe Moody’s zwar noch keine negativen Rating-Schritte infolge KI-bedingter Pannen vorgenommen, wie Vincent Gusdorf, Senior Vice President – Decentralised Finance & Digital Asset bei Moody’s, im Gespräch mit FINANCE verrät.

„Aber mit zunehmender Nutzung und Implementierung von KI wird es sicherlich Fälle geben“, so Gusdorf. Die Logik gelte wohlgemerkt auch in entgegengesetzter Richtung: „Es wird positive Rating-Maßnahmen auf Basis erfolgreicher KI-Implementierungen und Geschäftsfälle geben.“

Chancen und Risiken für Unternehmen bei KI

Doch worauf genau sollten Unternehmen achten? Moody’s spricht von einem „delikaten Balanceakt“: Während eine zu schnelle Einführung von KI-Anwendungen die Wahrscheinlichkeit fehlerhafter Ergebnisse erhöhe, gefährde eine zu langsame Implementierung die Wettbewerbsposition eines Unternehmens.

Dieser Spagat sei nur mithilfe einer möglichst umfassenden KI-Strategie, angemessenen Governance-Strukturen und finanziell gut ausgestatteten IT-Abteilungen zu meistern. Definitiv die falsche Strategie sei Abwarten und Nichtstun. „Im Großen und Ganzen erwarten wir, dass sich die KI positiv auf die meisten Branchen auswirken wird. Unternehmen können und sollten daher nun wirklich mit KI-Anwendungen beginnen – ansonsten könnten sie Wettbewerbsnachteile erleiden“, betont Gusdorf.

KI-Implementierung erfordert Mindset-Wandel

Wichtig sei zudem der für die Technologie notwendige Mindset-Wandel: „KI beziehungsweise Modelle für Maschinelles Lernen unterscheiden sich fundamental von Software-Anwendungen: Letztere sind deterministisch, KI verfolgt hingegen einen probabilistischen Ansatz“, erklärt Gusdorf.

Die Zuverlässigkeit der Modelle hänge daher stark von der Qualität der Daten ab, mit denen man sie füttert. „Außerdem müssen sie in regelmäßigen Abständen neu trainiert werden. Dies erfordert eine völlig neue Denk- und Herangehensweise, an die sich die Unternehmen erst gewöhnen müssen“, betont der Moody’s-Analyst.

CFO kommt Schlüsselrolle bei KI zu

Dem CFO komme bei alldem eine Schlüsselrolle zu: „Der CFO eines Unternehmens ist für das Budget zuständig und die Implementierung von KI-Modellen erfordert natürlich eine intelligente Budgetverteilung“, sagt Gusdorf. Der Schlüssel liege somit darin, einen begrenzten Geldbetrag an den Stellen einzusetzen, an denen die Auswirkungen am größten sind.

„In einigen Fällen wird der Großteil am besten in die Einstellung von Datenspezialisten gesteckt, in anderen wäre das aufgrund veralteter IT-Systeme, die erst einmal bereinigt werden müssen, verfrüht“, so der Moody’s-Experte. Dem CFO selbst könnte AI künftig zum Beispiel bei der Vorhersage der besten Bedingungen und des günstigsten Zeitpunkts für eine Anleiheemission eine große Hilfe sein.

Philipp Hafner ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth sowie an der University of Amsterdam studiert. Vor FINANCE arbeitete Philipp Hafner mehr als sechs Jahre bei der Verlagsgruppe Knapp/Richardi, zunächst als Volontär, anschließend dann als Redakteur für die Fachzeitschrift „Immobilien & Finanzierung“.