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Juwi im Zwielicht: Mehr als ein unmoralisches Angebot?

Bestechung bei Juwi? Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass ein Vorstandsmitglied mit dem Politiker Christian Köckert gekungelt hat - angeblich Gründer Matthias Willenbacher selbst.
Juwi

Gerade ist Juwi-Vorstand Matthias Willenbacher mit seinem Buch „Ein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin“ auf großer PR-Tour, da zieht sein Unternehmen eine ganz andere Art medialer Aufmerksamkeit auf sich: Die Staatsanwaltschaft Erfurt hat Anklage gegen „ein Vorstandsmitglied“ von Juwi sowie gegen den früheren Thüringer Innenminister Christian Köckert erhoben.

„Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung in drei Fällen“ wirft die Behörde den beiden vor. Der namentlich nicht benannte Vorstand des Unternehmens aus Wörrstadt (Rheinland-Pfalz) und der Politiker sollen demnach in der Zeit seit Mitte 2010 insgesamt drei Beraterverträge geschlossen haben. Der Inhalt: Der ehemalige Minister Köckert sollte in früheren offiziellen Funktionen – als ehrenamtlicher Beigeordneter der Stadt Eisenach und Mitglied der regionalen Planungsversammlung für Windkrafträder – die Interessen des Projektentwicklers für Anlagen aus erneuerbaren Energiequellen vertreten, dafür kassierte der CDU-Politiker insgesamt mehr als 80.000 Euro. Köckert war ab 1999 thüringischer Innenminister. Pikantes Detail: Im Jahr 2002 trat er zurück – unter anderem, weil bekannt geworden war, dass er eine CD mit vertraulichen Daten weitergegeben hatte.

Insider-Infos für Juwi?

Ähnliches wirft ihm nun die Staatsanwaltschaft vor: Nachdem das Landeskriminalamt im Februar 2012 Wohnungen und Büros in Thüringen, Hessen und Rheinland-Pfalz durchsucht hatte, erhärtete sich der Verdacht, dass Köckert vertrauliche Informationen über einen geplanten Windpark in Eisenach-Neukirchen und dem Nachbarort Mihla aus der Stadtverwaltung Eisenach Vertretern von Juwi zugespielt hatte. Nach den Durchsuchungen kündigte Juwi die Zusammenarbeit mit Köckert.

Juwi bestätigte die Anklage gegenüber FINANCE, wollte sich aber unter Hinweis auf das laufende Verfahren nicht näher äußern. Welcher der vier Vorstände sich bald wegen der Vorwürfe vor dem Landgericht im südthüringischen Meiningen verantworten muss, ist bislang nicht bekannt geworden. Insgesamt besteht das oberste Gremium heute aus vier Köpfen: Neben den Gründern Fred Jung und Matthias Willenbacher ist Jochen Magerfleisch als COO seit 2010 an Bord, 2012 kam schließlich auch noch Martin Winter als CFO hinzu. Zwar wurde Winter als einziger erst zu einem Zeitpunkt in den Vorstand berufen, als die kritischen Verträge längst geschlossen worden waren – allerdings arbeitete er bereits vor seinem Einstieg als Finanzchef als Berater eng mit Juwi zusammen.

Kreise: Verdacht fällt auf Willenbacher

Am wahrscheinlichsten dürfte Medienberichten zufolge allerdings sein, dass die Anklage sich gegen Matthias Willenbacher richtet. Der Unternehmensgründer ist gerade auf großer Roadshow mit seinem Buch „Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin“. Sein Vorschlag: Schafft die Regierung es, bis zum Jahr 2020 die Stromversorgung ausschließlich auf erneuerbare Energien umzustellen, verschenkt er seine Juwi-Anteile an die deutschen Energiegenossenschaften. Lange dürfte Willenbacher wohl nicht mehr mit unmoralischen Angeboten an Politiker kokettieren.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

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