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Kreditversicherer Atradius kürzt Linien für SMA Solar

Wechselrichter-Fabrik von SMA: Die Solarkrise erreicht auch den Hersteller von Wechselrichtern.
SMA Solar Technology AG

Es war kein guter Jahresabschluss für  SMA Solar. Nur vier Wochen, nachdem Vorstandschef Pierre-Pascal Urbon, der vor gut drei Jahren den kürzlich verstorbenen Gründer Günther Cramer abgelöst hatte, die Prognose für 2014 bestätigt hatte, musste der Wechselrichterhersteller Anfang Dezember seine Ziele empfindlich zusammenstreichen. Für 2014 wird nun ein satter Verlust von bis zu 115 Millionen Euro erwartet. Projektverschiebungen in Großbritannien und ein Nachfragerückgang im Distributionsgeschäft seien die Auslöser, verkündete das Unternehmen aus Niestetal bei Kassel. Der Aktienkurs fiel von 21 auf unter 15 Euro.

Nicht nur die Investoren, auch ein Kreditversicherer fühlte sich offenbar durch die Kommunikationspolitik von SMA überfahren. Nach FINANCE-Informationen hat der Kreditversicherer Atradius sein Engagement bei SMA zurückgefahren. Atradius wollte dazu keine Stellungnahme abgeben, man mache „grundsätzlich keine Angaben zu Geschäftspartnern“.

SMA kommentierte den Vorgang gegenüber FINANCE so: „Aufgrund des gesunkenen Umsatzes und des damit teilweise einhergehenden Geschäftsrückgangs“ ergebe sich ein „entsprechend verringerter Absicherungsbedarf unserer Zulieferer“. Es liege im „wirtschaftlichen Ermessen des Versicherers, Ressourcen  anzupassen“.

Zudem deutet SMA Solar an, im Bereich der Kreditversicherungen noch Raum zu haben: „Bisher gezeichnete Limits sind darüber hinaus in der Vergangenheit nicht immer voll ausgeschöpft worden.“ Einige der SMA-Zulieferer hätten „wegen der hohen Eigenkapitalquote und der hohen Barmittel gar keine Kreditversicherer in Anspruch genommen“. Das Solarunternehmen befinde sich derzeit im „konstruktiven Dialog mit den Versicherern“, um „ein für SMA und seine Zulieferer zukunftsgerichtetes Paket zu schnüren, das auch den wirtschaftlichen Belangen der Kreditversicherer Rechnung trägt“.

Coface hält SMA offenbar noch die Stange

Damit bestätigt das TecDax-Unternehmen indirekt die FINANCE vorliegenden Informationen. Klar ist aber auch: Die Reserven von SMA reichen momentan aus, um Lieferanten, die möglicherweise Vorkasse verlangen, zu besänftigen. Die Eigenkapitalquote lag Ende September 2014 bei 54 Prozent, die Nettoliquidität bei rund 225 Millionen Euro. Auch halten andere Kreditversicherer SMA nach FINANCE-Informationen weiterhin die Stange – Beobachter nennen beispielsweise die Mainzer Coface. Der Kreditversicherer wollte sich gegenüber FINANCE allerdings nicht zu seinem Engagement bei SMA Solar äußern.

SMA muss nun gegenlenken, will der Konzern nicht in eine Liquiditätsproblematik schlittern. Allein die Nettoliquidität hat Ende September 2014 im Vergleich zum Vorjahr um immerhin 27 Prozent abgenommen. Wichtige Maßnahmen, um den Cash-Drain zu stoppen, hat der Weltmarktführer bei Solar-Wechselrichtern bereits kommuniziert.

So plant der Vorstand um Urbon und Finanzchefin Lydia Sommer, die jährlichen Ausgaben im Entwicklungsbereich bis Mitte 2015 auf 80 Millionen Euro zu senken. Außerdem wird sich SMA bis Mitte 2015 weltweit von „deutlich mehr als 600 Mitarbeitern“ trennen. Zudem wird die erst vor zwei Jahren für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag übernommene chinesische Tochtergesellschaft Zeversolar restrukturiert. Zeversolar steckte bereits schon zum Zeitpunkt der Übernahme in den roten Zahlen. Weitere Maßnahmen sind Ende Januar auf dem Capital Markets Day von SMA zu erwarten.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

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Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.

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