BSW

27.06.13
Finanzabteilung

Mafiöse Strukturen bei Imtech

Der niederländische Energie- und Gebäudetechnikkonzern Imtech ist von seinem Topmanagement systematisch ausgeraubt worden. Ein interner Bericht deutet dem Handelsblatt zufolge auf massive Compliance-Verstöße hin. CEO und CFO sowie die Führungsspitze der deutschen Tochter mussten bereits gehen.

Es sind nicht immer nur die Banker. Nein, schwarze Schafe gibt es auch in den Unternehmen der Realwirtschaft. Besonders schwarze Exemplare haben ihr Unwesen beim niederländischen Energie- und Gebäudetechniker Imtech getrieben. Wie das Handelsblatt am Donnerstag berichtete, hätten interne Kontrollen „bandenartige Strukturen im Management“ des Konzerns aus Gouda nahe Rotterdam aufgedeckt. Betroffen sind sowohl die niederländische Führungsspitze aber auch und vor allem die deutsche Geschäftsführung. Seit Februar wurden bereits Dutzende Führungskräfte geschasst, darunter CEO René von der Bruggen, CFO Boudewijn Gerner, Deutschland-Chef Klaus Betz und der Leiter Finanzwesen Axel Glaß.

Korruption und Untreue: Mister Y hat es schon früher gewusst

Der Aderlass an der Führungsspitze des Konzerns ist atemberaubend. Ausgelöst haben den Exodus letztlich die Probleme beim Bau eines Freizeitparks in Polen. Anfang des Jahres wurde bekannt, dass dort Abschreibungen von 100 Millionen Euro fällig wurden. Doch die eigentliche Ursache liegt viel tiefer und auch viel weiter zurück. Korruption und Untreue hätten den Konzern wie ein Krebsgeschwür durchfressen, heißt es in einem internen Bericht aus dem Jahr 2011, der dem Handelsblatt vorliegt, und der schon damals das Management schwer belastete. Geschehen ist daraufhin jedoch erst einmal gar nichts.

Der Bericht stamme demnach von einem ehemaligen Kriminalbeamten aus Norddeutschland – Imtech nennt ihn offiziell nur „Mister Y“ – der Unregelmäßigkeiten beim „Project Blue“ untersuchen sollte. Project Blue ist ein Codename und steht für den Umbau der Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt. In dem Bericht wurden „Hinweise auf organisierte Kriminalität“ bei Imtech aufgedeckt und der Deutschland-Chef Klaus Betz schwer belastet. Doch anstatt durchzugreifen und der Sache auf den Grund zu gehen, delegierte die Imtech-Führung in Holland die Sache zurück an ihre deutsche Tochter. Dort wurde der Beratervertrag mit „Mister Y“ gekündigt. Er musste alle Unterlagen abgeben und erhielt Hausverbot.

Finanziell angespannte Lage: Covenants wurden angepasst

Imtech beziffert den Schaden bislang auf 370 Millionen Euro, mit steigender Tendenz. Zwischenzeitlich taumelte der Konzern finanziell am Abgrund. Ende 2012 hatten die Holländer wegen der Abschreibungen in Polen ihre Kreditklauseln gebrochen und mussten die Rabobank als Finanzberater zur Problemlösung hinzuziehen. Die Veröffentlichung des Jahresabschlusses wurde verschoben. Inzwischen liegen die Zahlen auf dem Tisch und eine Einigung mit den Kredit- und Anleihegläubiger ist erzielt. Diese haben auf einen Teil ihres Engagements verzichtet. Im Gegenzug musste Imtech Änderungen in den Kredit- und Anleihebedingungen akzeptieren – unter anderem höhere Margen und Einschränkungen bei der Neuverschuldung, bei Akquisitionen, Veräußerungen und Dividenden. Darüber hinaus musste Imtech Aktien wichtiger Tochtergesellschaften als Sicherheit verpfänden.

Die neue Führungsspitze um CEO Gerard van de Aast und CFO Hans Turkesteen steht nun vor der Herkulesaufgabe, eine neue Unternehmenskultur im Konzern zu etablieren. „Die Unternehmenskultur war suboptimal und zu stark auf gute Nachrichten fokussiert. Der neue Vorstand lehnt unethisches Geschäftsgebaren aufs schärfste ab“, hieß es dazu in einem Mitte Juni veröffentlichten Statement. Das halten längst nicht alle Führungskräfte so. Weltweit ist der Nachholbedarf in Sachen Korruptionsprävention und -bekämpfung enorm: In jedem vierten Unternehmen gibt es derzeit keine klaren Sanktionen bei wirtschaftkriminellen Handlungen.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de