BNP Paribas Deutschlandzentrale in Frankfurt: Die Factoringgesellschaft der französischen Großbank tritt aufs Gaspedal.

BNP Paribas

11.09.15
Finanzierungen

BNP Paribas Factor auf Angriffskurs

Im ersten Halbjahr 2015 hat besonders eine Factoringgesellschaft von sich reden gemacht: BNP Paribas Factor, die Factoringsparte der französischen Großbank. Dass Umsatzwachstum allein aber nicht den Erfolg bringt, zeigen warnende Beispiele aus jüngster Vergangenheit.

BNP Paribas Factor hat auf Angriffskurs geschaltet. Für das erste Halbjahr 2015 berichtet die  Factoringtochter der französischen Großbank BNP Paribas von Umsätzen in Höhe von 7,8 Milliarden Euro. Damit liegt sie mehr als 100 Prozent über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum, in dem sie gerade mal auf 3,8 Milliarden Euro kam. Im Gesamtjahr 2014 erwirtschafteten die Düsseldorfer ein Volumen von 9,4 Milliarden Euro.

Die Factoringgesellschaft wächst mit ihren 70 Mitarbeitern in Deutschland deutlich stärker als der Markt. Erst kürzlich hatte der Deutsche Factoring-Verband vermeldet, dass das Factoringvolumen im ersten Halbjahr auf den Rekordwert von 100,5 Milliarden Euro geklettert ist. Damit liegen die Gesellschaften, die nach eigenen Angaben 98 Prozent des Markts repräsentieren, rund 11,6 Prozent über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

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Zusammenarbeit mit BNP Paribas

Die BNP Paribas Factor, die bis Mitte 2012 als Fortis Commercial Finance firmierte,  profitiert insbesondere von ihrer Zugehörigkeit zu der französischen Großbank, die bekanntlich zur Wachstumsoffensive in Deutschland ausgerufen hat. „Wir arbeiten sehr gut mit der Bank zusammen“, sagt Thorsten König, Geschäftsführer von BNP Paribas Factor. Darüber hinaus nutzt die Factoringgesellschaft aber auch marktübliche Vertriebswege wie Makler, spezialisierte Versicherungsgesellschaften und ihre guten Kontakte zu PE-Investoren. Über neun Standorte ist die BNP Paribas Factor im Bundesgebiet vertreten.

Bei der Auswahl der Kunden ist BNP Factor flexibel. „Wir wollen in die Breite und in die Tiefe gehen“, sagt König. Von großen Dax-Unternehmen gehe die Klientel hinab bis zu mittelständischen Kunden mit lediglich 500.000 Euro Jahresumsatz. Besonders nachgefragt seien derzeit das Reverse Factoring, bei dem Finanzierungslösungen für Lieferanten angeboten werden. Im Angebot sei auch das Fälligkeitsfactoring, bei dem der Kaufpreis erst zum Zeitpunkt der Fälligkeit gutgeschrieben wird.

Harter Preiskampf

Allerdings hat auch BNP Factor mit der aktuell aggressiven Konkurrenz zu kämpfen. Viele Wettbewerber wie etwa die Eurofactor, die zur französischen Crédit Agricole gehört, haben Wachstumsambitionen in Deutschland (mehr dazu im aktuellen FINANCE-Magazin) . Andere machen durch M&A-Transaktionen von sich reden, wie jüngst die A.B.S. Global Factoring AG: Die  Wiesbadener, im Vergleich eher ein kleinerer Spieler, haben die österreichische VB Factoring Bank übernommen. Zusammen ergibt sich immerhin ein Factoringvolumen von 2 Milliarden Euro.

Die Folge der ambitionierten Pläne vieler Factoringgesellschaften ist ein harter Preiskampf. Die Vergangenheit hat indes gezeigt, dass einige ihren Wachstumskurs nicht nachhalten konnten – besonders wenn der Fokus der Gesellschafter nach einiger Zeit von den reinen Marktanteilen auf die Profitabilität umschwenkte. Nach starkem Wachstum in den 2000er Jahren hat sich beispielsweise der einstige Marktführer Coface Finanz seine Factoringaktivitäten in den vergangenen Jahren deutlich zurückgefahren. Kunden müssen sich dann neu orientieren, was einigen besonders in den Nachwehen der Finanzkrise schwerfiel.

Nicht nur Marktanteil, auch Ertrag

„Wir können uns von der Marktentwicklung nicht völlig lösen“, erklärt Thorsten König zu dem Thema. „Es geht uns aber definitiv nicht nur um den Marktanteil, sondern auch um den Ertrag.“ Hierzu macht die Gesellschaft im Gegensatz zum Factoringvolumen aktuell aber keine Angaben.

Ertragsseitig spielt die Musik weniger bei den Großmandaten als im Mittelstand. Bei den kleineren Kunden lassen sich häufig noch bessere Preise durchsetzen. Zudem nutzen viele das sogenannte Full-Service-Factoring, bei dem der Factor neben der Finanzierung und Absicherung der Forderungen auch Dienstleistungen im Debitorenmanagement übernimmt und daran verdient. Viele Großkunden geben diese Themen hingegen nicht aus der Hand.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

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