Die Europäische Zentralbank reguliert die Vergabe von Private-Equity-Krediten durch Banken stärker. Was bedeutet das für Private Debt?

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02.05.17
Finanzierungen

Hilft das Leverage Cap den Private-Debt-Anbietern?

Die Europäische Zentralbank plant, Banken in der Vergabe von Private-Equity-Krediten einzuschränken. Jetzt überlegen Private-Debt-Investoren, was das für sie bedeutet.

Die Europäische Zentralbank (EZB) plant eine strengere Regulierung von Private-Equity-Finanzierungen. Vor allem wollen die Marktwächter es deutlich komplizierter machen, Leverages von mehr als dem Sechsfachen des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) zu vergeben.

Die Richtlinie wird aber nur für Banken gelten. Private-Debt-Anbieter, die Kapital von institutionellen Investoren einsammeln und dieses dann für Private-Equity-Deals in Krediten zur Verfügung stellen, können genau so weitermachen wie bisher.

Private Debt europaweit im Aufwind

Das Geschäft der Debt-Fonds befindet sich ohnehin im Aufwind. Im dritten Quartal 2016 wurden Deloitte-Zahlen zufolge europaweit 181 solche Kreditvergaben getätigt, knapp ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum. Jetzt fragen Branchenteilnehmer sich, ob die neue Regulierung das Geschäft der Private-Debt-Anbieter weiter ankurbelt.

„Das Leverage Cap von 6x Ebitda dürfte auf den deutschen Midmarket wenig Auswirkungen haben“, schätzt Mark Brenke, Co-Chef der Private-Debt-Sparte des Finanzinvestors Ardian. „Wir sprechen hier von recht illiquiden Transaktionen, bei denen die Verschuldungsquote deutlich geringer als im Largecap-Bereich ist.“

Deutsche Banken wehren sich gegen Private-Debt-Anbieter

Tatsächlich wachsen die Verschuldungsquoten traditionell mit der Größe der Deals und der finanzierten Unternehmen. Branchendaten zeigen, dass rund 20 Prozent aller Buy-out-Finanzierungen ein Leverage von mehr als 6x Ebitda haben. Im Midmarket, dem Spielfeld der Private-Debt-Anbieter, ist der Anteil aber geringer, betont Brenke. „Dort würde ich die Quote auf 10 bis 15 Prozent beziffern. Dabei handelt es sich tendenziell um besonders cash-generative asset-light Unternehmen, also weniger um klassische Industrieunternehmen.“

Beobachter machen für den Aufstieg der Debt-Fonds auch die stärkere Regulierung der Banken nach dem Lehman-Crash verantwortlich. Dem widerspricht Brenke: „Der Private-Debt-Markt wächst in Europa stark. Das liegt aber nicht an Regulierungsthemen, sondern daran, dass Banken sich aus dem eher illiquiden Markt für mittelgroße Private-Equity-Finanzierungen zurückziehen, um sich auf große Deals zu konzentrieren.“

Dies gilt allerdings vor allem für Märkte, in denen Bankfinanzierungen traditionell keine so hohe Bedeutung haben, zum Beispiel USA, Großbritannien oder Frankreich. Im deutschen Mid-Market hingegen wehren sich die Banken mit Kampfangeboten vehement gegen den Vormarsch der Private-Debt-Anbieter.

Private-Equity-Manager: „Marktanteil von Private Debt wird steigen“

Andere Branchenteilnehmer glauben anders als Brenke dass das bevorstehende Leverage Cap durchaus das Geschäft von Private Debt ankurbeln könnte. So etwa Karsten Langer, Partner des Private-Equity-Investors Riverside in Brüssel. „Die Marktanteile der Debt-Fonds werden unabhängig vom Leverage Cap steigen, aber wenn eines in Kraft tritt, könnte das den Prozess weiter beschleunigen“, wird der Investmentmanager von der Branchenpublikation „Private Equity News“ zitiert.

Private-Equity-Investoren sind die wichtigsten Kunden der Debt-Fonds, gleichzeitig erweitern immer mehr PE-Häuser ihr Produktspektrum um Private-Debt-Fonds.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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