Die Finanzierungslage bei mittelständischen Unternehmen ist mehr als gut. Was bedeutet das für den Factoring-Markt, der zuletzt so stark gewachsen ist?

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17.11.16
Finanzierungen

Ist der Boom am Factoring-Markt bald vorbei?

In diesem Jahr lief der Factoring-Markt erneut blendend. Doch die Niedrigzinsen setzen der Branche zu. Im nächsten Jahr könnte sich das bereits auf das Wachstum des Marktes niederschlagen.

Die Prognosen für den Factoring-Markt sind in diesem Jahr mehr als gut. Im ersten Halbjahr hat sich der Umsatz der Branche laut den offiziellen Zahlen des Deutschen Factoring-Verbands bereits um rund 4 Prozent erhöht. Das soll noch nicht alles gewesen sein. „Für 2016 rechnen wir insgesamt mit einem Wachstum von 5 bis 8 Prozent“, sagt Thorsten Klindworth, Gründer des Factoring-Anbieters A.B.S. Global Factoring, der sich vor allem auf den kleinen Mittelstand konzentriert.

Trotz der positiven Entwicklung in diesem Jahr rechnet Thorsten Klindworth damit, dass das Umfeld für die Factoring-Branche künftig ungemütlicher wird. Er geht deshalb für 2017 von einem deutlich verhaltenerem Wachstum aus: „Nach meiner Einschätzung wird der Markt im kommenden Jahr nur noch um weniger als 5 Prozent wachsen können.“

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Startups als Wachstumsfeld für Factoring

Grund dafür ist das anhaltende Niedrigzinsumfeld. Viele Unternehmen verfügen über ausreichende liquide Mittel. „Außerdem ist die Kreditvergabe der Banken expansiv geworden, wie durch die Politik der Europäischen Zentralbank gewollt“, so Klindworth. Die Nachfrage nach Factoring könnte deshalb abnehmen oder zumindest deutlich weniger stark wachsen.

Wachstumschancen für den Factoring-Markt sieht Klindworth deshalb vor allem bei kleineren Adressen. „Banken reißen sich darum, guten und etablierten Mittelständlern Kredite zu geben. Kleinere und junge Unternehmen, die gerade stark wachsen, haben es dagegen schwer“, sagt er. Für solche Unternehmen könnte Factoring ein Ersatz für Betriebsmittellinien sein, die Banken nicht bereitstellen wollen. Auch A.B.S. Global Factoring sei in der letzten Zeit verstärkt mit Startups in Kontakt. Insgesamt öffne sich der Factoring-Markt für kleinere Unternehmen.

Auch Unternehmen mit schlechteren Bonitäten könnten ein Wachstumsfeld für Factoring-Anbieter sein, denn sie haben einen schlechteren Zugang zu klassischen Bankfinanzierungen. In Marktkreisen ist zu hören, dass Anbieter bereit sind, stärker ins Risiko zu gehen. „Mein Eindruck ist nicht, dass sich branchenweit die Bonitäten der Kunden verschlechtern“, hält Thorsten Klindworth dagegen.

Niedrigzinsumfeld belastet Factoring-Anbieter

Ein Anreiz dafür, auch Unternehmen mit niedrigeren Bonitäten als Kunden zu gewinnen, dürfte allerdings da sein. Denn die Margen sind im Factoring durch das aktuelle Zinsumfeld stark unter Druck. „So niedrige Zinsen, wie wir sie derzeit haben, sind eine Katastrophe für Banken und auch für uns Factoring-Anbieter“, kommentiert Klindworth. Dazu kommt, dass der Margendruck die Konkurrenz unter den Anbieter deutlich verschärft. „Die Ergebnisse wachsen im Vergleich zu den Umsätzen unterproportional. Das trifft auch auf unsere Entwicklung zu“, meint Thorsten Klindworth.

Auf Kostenseite könnten die Anbieter kaum noch Geld einsparen. Selbst die günstigeren Refinanzierungskonditionen reichten nicht aus, um den akuten Margendruck zu kompensieren. Klindworth geht deshalb davon aus, dass sich einige Anbieter aus dem deutschen Markt zurückziehen werden: „Auch wenn es vielleicht 2017 noch nicht so weit ist, werden sicher künftig einige ihr Geschäft aufgeben.“

Auch mit weiteren Zusammenschlüssen sei zu rechen. In diesem Jahr hat bereits die Deutsche Leasing die Deutsche Factoring Bank übernommen. Das deutsche Factoring- und Leasinggeschäft von GE Capital ging an Crédit Mutuel.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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