Der angeschlagene Windparkfinanzierer Prokon könnte bald als Genossenschaft firmieren.

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27.03.14
Finanzierungen

Prokon gründet Genossenschaft

Carsten Rodbertus plant einen Neustart für Prokon: Der Windparkfinanzierer soll vor der möglichen Insolvenzeröffnung in eine Genossenschaft umgewandelt werden. Ob die Anleger dadurch bessergestellt werden, ist offen. Vieles könnte von der Insolvenzentscheidung abhängen.

Carsten Rodbertus startet einen neuen Versuch, um sein Unternehmen fortzuführen: Mitten in der Insolvenz soll Prokon von einer GmbH in eine Genossenschaft umgewandelt werden. Laut einem Bericht der Regionalzeitung Weser-Kurier haben bereits drei Prokon-Führungskräfte die vorläufige Satzung für die geplante „Prokon Genossenschaft für eine lebenswerte Zukunft eG” unterzeichnet: die Geschäftsführer Carsten Rodbertus , Henning Mau sowie Vertriebsleiter Rüdiger Gronau. Um das Verfahren abzuschließen, müsste die Genossenschaft ihre vollständige Satzung noch durch den Genossenschaftsverband genehmigen lassen.

Durch die Umwandlung in eine Genossenschaft möchte Prokon zusammen mit seinen 75.000 Anlegern „ganz von vorn” anfangen und neue Mitglieder – und damit frisches Kapital – gewinnen, wie es auf der kürzlich gegründeten neuen Unternehmenshomepage heißt. „Im Idealfall sind wir so erfolgreich, dass wir Projekte von der Prokon Regenerative Energien GmbH übernehmen können”, so Prokon weiter. Im Falle des Eintritts einer Insolvenz könnte das bedeuten, dass die Genossenschaft als Käufer für die voraussichtlich günstig veräußerten Windparks mitbieten könnte – sofern ausreichend Kapital vorhanden ist.

Freunde von Prokon: Genussrechtübertragung wäre ein Fehler

Da Mitgliedern einer Genossenschaft von Seiten des Gesetzes Mitspracherechte zustehen, sollen durch die Umwandlung die Mitspracherechte der Kapitalgeber gestärkt werden, so Prokon. In der Vergangenheit wurde vielfach kritisiert, dass Genussrechtsinhaber nicht über Mitspracherechte verfügen. Doch der Verein „Freunde von Prokon e.V.”, der anlässlich der Insolvenz gegründet wurde und bisher immer hinter Rodbertus stand, kritisierte den Satzungsentwurf scharf: Rodbertus habe „im Alleingang Fakten geschaffen”, die der Verein nicht mittragen wolle, vor allem in punkto Vorstandsbesetzungskriterien, Aufsichtsratszusammensetzung und Kontroll- sowie Abstimmungsmechanismen.

Darüber hinaus halten die Freunde von Prokon eine mögliche Übertragung der Genussrechte auf eine Genossenschaft für einen „schwerwiegenden Fehler”, sie würden die Mitbestimmungs- und Kontrollrechte der derzeitigen Anleger nicht ausreichend berücksichtigen. Außerdem sei diese Umwandlung, wie Rodbertus sie beabsichtige, in einer vorläufigen Insolvenz ohnehin nicht möglich, so der Verein. Ob eine Insolvenz vorliegt oder nicht, wird Ende April entschieden.

Im Januar hatte der Windparkfinanzierer aus Itzehoe eine vorläufige Insolvenz angemeldet, nachdem immer mehr der 75.000 Anleger ihr Genussrechtskapital abgezogen hatten. Insgesamt hatten sie 1,4 Milliarden Euro investiert.

julia.becker[at]finance-magazin.de

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