Stürmische Zeiten für Prokon: Der Windparkfinanzierer ist endgültig insolvent.

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02.05.14
Finanzierungen

Prokon: Insolvenzverfahren eröffnet

Seit Monaten fürchten Anleger um ihr Kapital – nun hat das Amtsgericht bestätigt, dass Prokon insolvent ist. Jetzt beginnt das Kaffeesatzlesen darüber, wie hoch die Recovery-Quote ausfallen könnte.

Lange wurde spekuliert, nun ist es amtlich: Prokon ist insolvent. Das Amtsgericht Itzehoe hat das Regelinsolvenzverfahren eröffnet,  Insolvenzverwalter bleibt Dietmar Penzlin. Begründet hat das Gericht die Insolvenz mit der bestehenden Liquiditätsunterdeckung von 95 Prozent: Inzwischen ist offensichtlich, dass sich die Verbindlichkeiten bei Prokon auf 391 Millionen Euro belaufen, die liquiden Mittel aber nur auf 19 Millionen Euro.

Überraschend lange war unklar, ob Prokon überhaupt Insolvenz anmelden kann. Noch im Januar hatte der ehemalige Geschäftsführer Carsten Rodbertus behauptet, die gekündigten nachrangigen Genussrechte seien in einem Insolvenzverfahren nicht als fällige Forderungen zu bewerten. Drei Gutachter beschäftigten sich in den vergangenen Monaten mit dieser Frage und stellten fest: „Eine Nachrangigkeit hindert die Fälligkeit einer Forderung nicht ohne weiteres”. Entscheidend sei vielmehr, dass es keine Stundungsverabredungen zwischen Unternehmen und Anlegern gab.

Anwälte: Prokon-Anleger könnten bis zu 60 Prozent zurückbekommen

Für die rund 75.000 Anleger bedeutet die Eröffnung des Insolvenzverfahrens nun, dass sie ihre Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden müssen. Die Anleger hatten Ende Januar den Ausschlag für die Insolvenz gegeben, nachdem sie innerhalb kurzer Zeit Genussrechte im Wert von knapp 400 Millionen Euro gekündigt hatten. Lange war unklar, wie hoch das Vermögen von Prokon ist, das Amtsgericht bezifferte dieses nun auf 1,05 Milliarden Euro. Demgegenüber stehen gezeichnete Genussrechte im Wert von 1,4 Milliarden Euro, insgesamt liegen die Verbindlichkeiten des Konzerns bei 1,53 Milliarden Euro. Prokon selbst hatte immer beteuert, unter Berücksichtigung der stillen Reserven würde das Unternehmensvermögen bis zu 130 Prozent des Genussrechtskapitals abdecken.

Damit ist nun bestätigt, dass Anleger auf mindestens einen Teil ihres Geldes verzichten müssen. Auch das Amtsgericht stellt fest: Ohne einen Schuldenschnitt kann das Unternehmen nicht fortgeführt werden. Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin hatte bereits vor einigen Wochen gesagt, dass er das Kerngeschäft des Unternehmens fortführen wolle.

Wie hoch die Insolvenzquote ausfällt, darüber gehen die Meinungen derzeit noch auseinander. Die Mehrheit rechnet mit Quoten zwischen 30 und 60 Prozent, darunter der Rechtsanwalt Marc Gericke von der Kanzlei Göddecke, der eine Quote von mindestens 50 Prozent vermutet. Die nächsten Schritte werden nun auf der Gläubigerversammlung am 22. Juli in Hamburg bekanntgegeben.

julia.becker[at]finance-magazin

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