Der Run auf die KfW-Corona-Hilfen ist groß. So funktioniert der Antragsprozess.

KfW-Bildarchiv / Ruediger Nehmzow

07.04.20
Finanzierungen

So beantragen Unternehmen die KfW-Corona-Hilfe

Der Run auf die Kredite der KfW ist riesig – und bei der Antragstellung kann einiges schiefgehen. FINANCE beantwortet die wichtigsten Fragen zum Antragsprozess für die finanziellen Hilfen in der Corona-Krise.

Über 3.800 Anträge sind bei der Staatsbank KfW schon für die Corona-Hilfskredite eingegangen. Das angefragte Volumen beläuft sich auf über 11 Milliarden Euro – die allermeisten Anträge werden für Kredite mit einem Umfang von bis zu 3 Millionen Euro gestellt. Daraus lässt sich schließen, dass gerade kleinere und mittlere Unternehmen von dem Angebot Gebrauch machen wollen. Doch gerade für die kann der Antragsprozess zur Herausforderung werden. FINANCE beantwortet die grundlegenden Fragen dazu.

Was für Kredite stellt die KfW zur Verfügung?

Die KfW hat zwei Kreditprogramme erweitert, um Unternehmen in der Coronavirus-Krise Hilfsgelder zukommen zu lassen. Es handelt sich dabei zum einen um den KfW-Unternehmerkredit für Unternehmen, die es bereits seit mehr als fünf Jahren gibt, und zum anderen den ERP-Gründerkredit für die, die es noch nicht so lange gibt. Darüber hinaus hat die Förderbank ein Programm zur Direktbeteiligung an Konsortialfinanzierungen ab 25 Millionen Euro aufgelegt.

Je nach Größe des Unternehmens übernimmt die KfW einen Teil des Risikos von den Banken, die die Kredite an ihre Kunden weitergeben. Bei großen Unternehmen sind es bis zu 80 Prozent des Risikos. Bei mittleren und kleineren Unternehmen, in der Regel Firmen mit bis zu 250 Mitarbeitern und bis zu 50 Millionen Euro Umsatz, übernimmt die Staatsbank sogar bis zu 90 Prozent.

Darüber hinaus hat die Bundesregierung am gestrigen Montag noch ein Programm für Schnellkredite über bis zu 800.000 Euro für Mittelständler ins Leben gerufen. Diese Kredite, bei denen die KfW 100 Prozent der Haftung übernimmt, sollen allerdings anders als bei den anderen Programmen ohne weitere Kreditrisikoprüfung durch die Bank oder die KfW vergeben werden.

Was für Unterlagen muss man bei der KfW einreichen?

Der Antragsprozess für die KfW-Kredite, die unter den Programmen „KfW-Unternehmerkredit“ und „ERP-Gründerkredit“ ausgegeben werden, unterscheidet sich nur gering von früheren Anträgen für Förderkredite. Sie müssen über die Hausbanken eingereicht werden, die sie wiederum an die KfW weitergibt. „Finanzverantwortliche müssen neben dem entsprechenden Antragsformular weitere Unterlagen bereitstellen, wie etwa die Jahresabschlüsse der vergangenen zwei Jahre und eine profunde Liquiditätsplanung für die nächsten zwölf Monate“ erklärt Martin Hipp, CEO der Finanzierungsplattform Finmatch, die Mittelständler bei der bankengerechten Aufbereitung der Anträge unterstützt.

Um sich für die Unterstützung der KfW zu qualifizieren, müssen Unternehmen darlegen, dass sie vor Beginn der Pandemie-Auswirkungen in wirtschaftlich stabiler Verfassung waren. Stichtag für diese Betrachtung ist der 31.12.2019.

Wie geht man bei der Liquiditätsplanung vor?

Der Teil des Antrags, auf den Finanzverantwortliche die meiste Zeit verwenden sollten, ist die Liquiditätsplanung. „Es gibt dafür derzeit keine konkreten Vorgaben – weder von Seiten der Banken, noch der KfW“, so Hipp. Das bedeutet, dass Unternehmen selbst eine Prognose über den weiteren Jahresverlauf bilden müssen. „Dafür müssen verschiedene Szenarien durchgerechnet werden“, sagt der Finmatch-Experte. Zentral sei, dass der Liquiditätsbedarf anhand des gewählten Szenarios plausibel dargestellt wird.

Die KfW und die jeweilige Hausbank fordern zudem, dass Unternehmen bei Zuteilung des KfW-Betriebsmittelkredits durchfinanziert sind und den Kapitaldienst auf Basis der Planszenarien erbringen können. „Auch hier wird deutlich, dass es dafür keine genauen Vorgaben gibt“, betont der Martin Hipp. „Unternehmen müssen selbst entscheiden, was ihr Best- und was ihr Worst-Case-Szenario ist“.

In der Praxis führt die Tatsache, dass niemand weiß, wie lange die Corona-Krise andauern wird, aber offenbar schon zu Probleme bei der Kreditvergabe. Gerade erst hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier (CDU) das Verhalten einiger Banken kritisiert, die aufgrund dieses hohen Unsicherheitsfaktors bei der Planung nur zögerlich Kredite vergeben. Das sei aber gerade der Sinn dieser Hilfen. Altmeier hatte deshalb von den Banken ein pragmatisches Vorgehen gefordert.

Wie lange dauert die Risikoprüfung?

Auf staatlicher Seite hat es bereits Anpassung der Prüfprozesse gegeben: Bei Krediten bis zu 3 Millionen Euro übernimmt die KfW die Risikoprüfung der Hausbanken und nimmt somit keine eigene Prüfung mehr vor, was den Antragsprozess beschleunigen sollte. „Natürlich sind viele Banken nun auch stark ausgelastet“, schränkt Hipp ein. „Wir gehen aber davon aus, dass die Prüfung seitens der Hausbanken bei gut aufbereiteten Unterlagen innerhalb von wenigen Tagen erfolgen kann“, betont er.

Bei Krediten zwischen 3 und 10 Millionen Euro nimmt die KfW noch eine eigene Prüfung vor – allerdings in beschleunigter Form (Fast Track). Hipp geht davon aus, dass eine Kreditzusage nach aktuellem Stand wenige Tage nach Stellung des Antrags erfolgen kann. Über die Zeit bis zur tatsächlichen Auszahlung kann Hipp noch keine Angaben machen, da das Programm gerade erst angelaufen ist.

Was kann den Antragsprozess für KfW-Hilfen verzögern?

Viele fürchten allerdings, dass die Gelder zu spät bei den betroffenen Unternehmen ankommen könnten. An der Arbeitslast bei Banken und der staatlichen Förderbank können Unternehmen nicht rütteln. Sie haben es allerdings selbst in der Hand, ihrerseits den Antrag bestmöglich vorzubereiten. Für Hipp ist deshalb die Aufbereitung der Unterlagen das A und O: „Es wird zu erheblichen Verzögerungen kommen, wenn viele Unternehmen ihre Anträge unvollständig oder fehlerhaft einreichen“, betont er. „Wenn es zu einem Antrag zwei oder drei Rückfragen der Bank gibt, wird sich der gesamte Kreditprozess in die Länge ziehen.“

Darüber hinaus sollten sich auch die Unternehmen bereits jetzt auf einen solchen Prozess vorbereiten, wenn gerade noch kein Liquiditätsbedarf besteht. „Wer jetzt die Zeit nutzt und die entsprechenden Dokumente zusammenstellt sowie Szenariorechnungen durchführt, der wird im Fall der Fälle einen entscheidenden zeitlichen Vorteil haben“, betont der Finmatch-Experte.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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