Ottobock, der Ankündigungsweltmeister

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Wann fällt endlich der offizielle Startschuss für den Börsengang des Prothesenherstellers Ottobock? Foto: Drobot Dean – stock.adobe.com
Wann fällt endlich der offizielle Startschuss für den Börsengang des Prothesenherstellers Ottobock? Foto: Drobot Dean – stock.adobe.com

Ottobock will offenbar schon wieder an die Börse. So berichtete es zumindest das „Handelsblatt“ vor wenigen Tagen. Der Börsengang sei derzeit für Ende September bis Mitte Oktober geplant, schreibt die Zeitung mit Verweis auf Finanzkreise und das Unternehmensumfeld. Die im Raum stehende Bewertung: mehr als 6 Milliarden Euro. Bisher sei keine Entscheidung für einen Börsengang gefallen, deshalb könne man auch nicht über solche Details spekulieren, zitiert das „Handelsblatt“ den Prothesenhersteller.

Tatsache ist aber: Für Ottobock wäre ein erneuter Börsengang bereits der dritte Anlauf. 2017 war schon einmal ein IPO im Gespräch, stattdessen stieg damals aber der Private-Equity-Investor EQT bei den Duderstädtern ein. Damit war ein IPO zunächst vom Tisch. Zwei Jahre später, 2019, holte Ottobock die Börsengangpläne wieder aus der Schublade heraus. Doch auch dieser IPO kam nie. Im vergangenen Jahr kaufte die Unternehmerfamilie Näder ihre Unternehmensanteile von EQT zurück.

Reputation von Ottobock steht auf dem Spiel

Nun soll also der dritte Anlauf folgen. Und der muss sitzen, denn für Ottobock steht viel auf dem Spiel. Noch ein angekündigter IPO, der dann doch nicht kommt, dürfte der Reputation des Unternehmens schaden – so massiv, dass dann fraglich wäre, ob das Vertrauen des Kapitalmarktes in das Unternehmen überhaupt wiederhergestellt werden kann. Das gilt nicht nur für Börsengänge. Auch bei anderen Projekten wäre die Frage nach der Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit des Unternehmens künftig zumindest nachvollziehbar.

Viel auf dem Spiel steht auch für den deutschen IPO-Markt. Bislang ist in diesem Jahr lediglich der Börsengang von Pfisterer erfolgreich verlaufen, ein Zeichen der Wiederbelebung des Marktes wäre daher wünschenswert. Umgekehrt wäre ein angekündigter und wieder abgesagter Börsengang von Ottobock nach Autodoc, Brainlab und Stada für den Börsenplatz Deutschland ein weiterer Schlag in den Nacken.

Private-Debt-Finanzierung muss abgelöst werden

Hinzu kommt: Ottobock kann die IPO-Erlöse gut gebrauchen. Um EQT herauszukaufen, hat die Familienholding des Prothesenherstellers im März 2024 eine teure Private-Debt-Finanzierung über 1,1 Milliarden Euro abgeschlossen. Im Markt ist von zweistelligen Zinssätzen zu hören, die getilgt werden müssen. Eine Refinanzierung und damit Ablösung der teuren Finanzierung sowie ein Ende der hohen Zinslast kämen den Parteien also gelegen.

Immerhin: Sollte Ottobock tatsächlich planen, in den nächsten Wochen an die Börse zu gehen, hat der Prothesenhersteller einige gute Argumente für die künftigen potentiellen Investoren. Im ersten Halbjahr 2025 ist das Unternehmen weitergewachsen. Der Umsatz legte um 5 Prozent auf 801 Millionen Euro zu, das underlying Ebitda stieg um 30,5 Prozent auf 180 Millionen Euro, was einer underlying Ebitda-Marge von 22,5 Prozent entspricht.

Diese Zahlen sind konkurrenzfähig, anders als noch vor ein paar Jahren, als Ottobock dem Wettbewerb noch hinterherhinkte. Für das zweite Halbjahr ist der Vorstand um CFO Arne Kreitz „sehr zuversichtlich“. Nun muss Ottobock noch an der langfristigen Equity Story feilen – und das „Versprechen Börsengang“ endlich einlösen.

Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE sowie Chefin vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.