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Beate Uhse prüft Begebung einer Mittelstandsanleihe

Das Erotikunternehmen Beate Uhse denkt darüber nach, eine Mittelstandsanleihe zu emittieren.
Beate Uhse

Der nächste Emittent einer Mittelstandsanleihe steht in den Startlöchern: Das Erotikunternehmen Beate Uhse denkt darüber nach, eine Mittelstandsanleihe zu begeben. „Die Beate Uhse AG prüft alternative Finanzierungsmöglichkeiten, die unter anderem auch die Begebung einer Mittelstandsanleihe mit einschließen“, erklärte das Flensburger Unternehmen in einer Adhoc-Mitteilung, die insgesamt sehr knapp gehalten ist. Es hieß lediglich noch: Nach einer positiven Entscheidung des Vorstands zur Finanzierung würden weitere Details bekanntgegeben. Auf Anfrage von FINANCE wollte sich das Unternehmen aktuell nicht näher zu seinen Plänen äußern.

Starke Marke „Beate Uhse“ dürfte bei Mittelstandsanleihe helfen

Sollte sich der Beate-Uhse-Vorstand um CEO Serge Van der Hooft und CFO Kees Vlasblom für die Emission einer Mittelstandsanleihe entscheiden, könnte sie schon in den nächsten Wochen und damit noch vor der Sommerpause begeben werden. Wie die Anleihebedingungen gestaltet sein könnten, ist noch vollkommen offen, auch ob Beate Uhse dem aktuellen Trend am Mini-Bondmarkt folgt und die angestaubte, aber immer noch bekannte Marke als Sicherheit bereitstellt. Zuletzt hatten dies die Emittenten Vedes (mit großem Erfolg) und Hanse Yachts (mit weniger Erfolg) getan.

Nach Angaben des Unternehmens kennen 98 Prozent der Deutschen die Marke Beate Uhse. Laut dem Geschäftsbericht 2013 soll die Marke rund 33 Millionen Euro wert sein, „Tendenz steigend“, wie es seitens Beate Uhse heißt. Nach der Repositionierung der Marke in den vergangenen beiden Jahren spricht die Erotikikone, die sich gerade zum Wäschehersteller und E-Commerce-Unternehmen wandelt, nun vornehmlich weibliche Käuferinnen an, die inzwischen 80 Prozent der Beate-Uhse-Kunden ausmachen.

ING darf Beate Uhse-Kredit jederzeit kündigen

Dennoch überraschen die Überlegungen von Beate Uhse, den Bondmarkt anzuzapfen. Noch im März hatte der seit Herbst 2013 amtierende Beate Uhse-CFO Kees Vlasblom im Interview mit FINANCE-TV erklärt, einen Kredit gegenüber einer Mittelstandsanleihe zu präferieren: „Wir sprechen bereits mit anderen Banken über eine Neufinanzierung“, sagte Vlasblom damals.

Beate Uhse ist geschäftlich wieder auf Kurs, schleppt aber nach wie vor ein ungelöstes Finanzierungsthema mit sich herum, da sich die langjährige Hausbank ING aus dem Kreditengagement bei den Flensburgern zurückziehen will. Seitdem Beate Uhse im Jahr 2010 Covenants eines Kredits gebrochen hat, besitzt die ING ein kurzfristiges Kündigungsrecht. Bislang hat die Bank darauf verzichtet – auch weil es Beate Uhse gelungen ist, die Kreditlinie bei der niederländischen Bank von ursprünglich 40,8 Millionen Euro auf inzwischen deutlich unter 15 Millionen Euro zu reduzieren.

Was die Platzierung der Mittelstandsanleihe trotz des aktuell unsicheren Finanzierungshintergrunds erleichtern dürfte, ist, dass Beate Uhse keine weiteren Bankschulden in nennenswerter Höhe ausweist. Angesichts des Refinanzierungsvolumens im niedrigen zweistelligen Millionenbereich ist davon auszugehen, dass eine Mittelstandsanleihe von Beate Uhse – wie die Minibonds von Vedes und Hanse Yachts – eher ein kleineres Volumen im Bereich zwischen 15 und 25 Millionen Euro haben dürfte. Neben den Mitteln zur Refinanzierung des ING-Kredits dürfte Beate Uhse auch noch zusätzliche Gelder für die Finanzierung des anstehenden moderaten Wachstums und Working-Capital-Aufbaus benötigen.

Beate Uhse läutet Expansionsphase ein

Die langjährige, zähe Sanierung haben die Flensburger für beendet erklärt. „Die Insolvenzgefahr ist gebannt, wir haben das Unternehmen stabilisiert“, sagte CFO Vlasblom bei FINANCE-TV. Die 2013 präsentierten Zahlen untermauern diese Aussage. Trotz eines nochmaligen leichten Umsatzrückgangs auf 142 Millionen Euro ist Beate Uhse wieder profitabel. Das Ebit stieg 2013 gegenüber dem Vorjahr von 1,4 auf 3,4 Millionen Euro bei einem starken freien Cashflow. So gelang es CFO Vlasblom, die Nettoverschuldung zum Jahresende 2013 auf 12,2 Millionen Euro zu senken. 2012 standen noch 16,8 Millionen Euro, 2011 sogar noch 20,9 Millionen Euro Nettofinanzschulden in der Bilanz.

Auch im ersten Quartal hat Beate Uhse eigenen Angaben zufolge die Darlehen bei den Banken planmäßig weiter zurückgeführt. Für 2014 erwartet das Erotikunternehmen einen Umsatzanstieg auf 145 bis 150 Millionen Euro sowie ein operatives Ergebnis von 5 bis 7 Millionen Euro, mittelfristig soll es noch weiter aufwärts gehen.

Was den potentiellen Investoren gefallen dürfte, ist das Cashflowprofil des Unternehmens. Das vor einigen Jahren viel zu groß dimensionierte zentrale Versandlager von Beate Uhse ist bei weitem nicht voll ausgelastet. Dies lastet zwar auf den Margen, versetzt CFO Vlasblom aber in die Lage, die erhofften zusätzlichen Umsätze ohne nennenswerte Sachinvestitionen bewältigen zu können.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

sabine.paulus@finance-magazin.de | + posts

Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.