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Machtkampf stürzt SKW in die Insolvenz

Der bayerische Stahlkonzern SKW meldet Insolvenz an und strebt weiter einen Debt-to-Equity-Swap an.
mady70/iStock/Thinkstock/Getty Images

Der Machtkampf um SKW Stahl ist eskaliert. Der Stahlzulieferer um Alleinvorstand Kay Michel hat am heutigen Mittwoch Insolvenz angemeldet. Der Schritt sei notwendig geworden, weil der Aktionär MCGM um SKW-Aufsichtsratsmitglied Olaf Marx das vom Vorstand ausgearbeitete Konzept für die finanzielle Restrukturierung blockiere, teilte SKW mit. Eine positive Fortführungsprognose für die bilanziell überschuldete Gesellschaft sei unter diesen Umständen nicht gegeben.

Für die Aktionäre bedeutet die Insolvenz voraussichtlich den Totalverlust. Das operative Geschäft der Tochtergesellschaften werde derweil ohne Einschränkungen weiterlaufen, versicherte SKW. Die Finanzierung erfolge vornehmlich über regionale Banken vor Ort und nicht über die SKW Stahl-Metallurgie Holding, erklärte CEO Michel in einer Pressemeldung. Nun wolle man das Unternehmen in Eigenregie sanieren.

PE-Investor Speyside und Hedgefonds MCGM kämpfen um SKW

Ursprünglich wollte der hochverschuldete bayerische Spezialchemiekonzern gemeinsam mit dem Private-Equity-Investor Speyside einen außergerichtlichen Debt-to-Equity-Swap durchsetzen.  Der US-Finanzinvestor hatte sich im Juli mit den kreditgebenden Banken darauf verständigt, ihnen zum Preis von 48 Millionen Euro Kreditforderungen im Nennwert von 74 Millionen Euro abzukaufen. Der Kaufvertrag ist inzwischen geschlossen, Mitte Oktober soll der Erwerb vollzogen werden, teilte SKW heute mit. Die Kreditforderungen wollte Speyside dann in Eigenkapital tauschen und sich so 95 Prozent der SKW-Anteile sichern.

Am 10. Oktober hätten die Aktionäre in einer außerordentliche Hauptversammlung über diese Rettungskonzept abstimmen sollen. Das Aktionärstreffen entfällt nun mit dem Insolvenzantrag. Der Debt-to-Equity-Swap soll immer noch vollzogen werden, allerdings jetzt im Rahmen des Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung.

An dem Rettungsplan hatte sich ein erbitterter Streit mit dem Hedgefonds MCGM entzündet. Denn auch in diesem Fall hätten die Aktionäre fast ihren gesamten Einsatz verloren. Der Münchener Turnaround-Investor Olaf Marx hatte deshalb ein Alternativkonzept für die Rettung des Unternehmens vorgestellt. Dieses sah vor, dass MCGM eine Kapitalerhöhung über 25 Millionen Euro garantieren und falls nötig den Gläubigerbanken ihre Kredite abkauft. MCGM hält selbst weniger als 3 Prozent der SKW-Aktien, hat sich aber über Vollmachten Stimmrechte im Umfang von rund 20 Prozent gesichert.

Wie reagiert Hedgefonds-Eigner Olaf Marx auf den Insolvenzantrag?

SKW wiederum betonte in der heutigen Mitteilung erneut, neben dem Speyside-Konzept hätten „keine tragfähigen und erfolgsversprechenden Alternativangebote“ für eine finanzielle Restrukturierung  vorgelegen. Aus insolvenzrechtlichen Gründen habe man daher die Abstimmung am 10. Oktober nicht abwarten können, da klar sei, dass MCGM das einzige machbare Rettungskonzept ablehne, heißt es aus dem Unternehmensumfeld.

CEO Michel hatte im Vorfeld auch auf den Zeitdruck hingewiesen. Die Kredite werden Ende Januar 2018 fällig, für eine von MCGM geplante Kapitalerhöhung reiche die Zeit nicht.

Ein Sprecher des Hegdefonds bestreitet das gegenüber FINANCE. Erst am gestrigen Dienstag hatte MCGM mitgeteilt, man habe gemeinsam mit einer „renommierten Vermögensverwaltung“ ein indikatives Angebot für die vollständige Übernahme der Bankschulden mitsamt Finanzierungsnachweis bei den kreditgebenden Banken vorgelegt. Details zu den Konditionen sowie den Namen der Vermögensverwaltung wollte der Sprecher auf Nachfrage nicht nennen.

Zu beobachten ist jetzt, wie MCGM-Chef Marx auf den Insolvenzantrag reagiert: Er hatte im Vorfeld gedroht, gegen Michel und den Aufsichtsräten von SKW rechtliche Schritte „wegen möglicher Pflichtverletzungen“ einzuleiten, sollten sie noch vor der Hauptversammlung Insolvenz beantragen. Das werde nun geprüft, erklärte sein Sprecher gegenüber FINANCE.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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