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Mittelstandsanleihe floppt: Hein Gericke prüft Schadensersatz gegen Bank

Der Hersteller von Motorradbekleidung Hein Gericke prüft Schadensersatzansprüche gegen eine Frankfurter Investmentbank.
Thinkstock / Getty Images

Vor wenigen Wochen hat es Hein Gericke nicht geschafft, eine Mittelstandsanleihe zu platzieren. Nun prüft das Unternehmen Schadensersatz gegen eine Frankfurter Investmentbank. Die Lage des Motorradbekleidungsherstellers ist offenbar angespannt: Die Hein Gericke Group als Holding hat für eine von sieben Gesellschaften der Gruppe, die Hein Gericke Deutschland GmbH, beim Amtsgericht Düsseldorf den Antrag auf Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens gestellt. Man habe so gehandelt, „weil ein angelsächsischer Fondsinvestor den Restbetrag von rund 1,2 Millionen Euro eines Kredits ohne wirtschaftliche Notwendigkeit und trotz vereinbarungsgemäßer Rückzahlung gekündigt und sofort fällig gestellt hat.“

Die schwierige Situation führt Hein Gericke anscheinend auch seine Probleme am Markt für Mittelstandsanleihen  zurück. Das Unternehmen hatte Ende Oktober die Zeichnungsfrist für eine geplante 16-Millionen-Euro-Anleihe mit einem Kupon von 8,25 Prozent einen Tag vor dem ursprünglich vorgesehenen Starttermin verschoben – mit einer kuriosen Begründung: Die Anleihe sei zwar auf „reges Interesse“ gestoßen, doch wegen „ferienbedingter Terminengpässe“ habe man allen interessierten Anlegern eine Roadshow-Teilnahme ermöglichen wollen und daher die Fristen verschoben, hieß es damals.

Hein Gericke: Anleihe „komfortabel besichert“

Der Emissionsflop könnte nun auch auf die Platzierungspartner zurückschlagen, denn Hein Gericke erwägt rechtliche Schritte. In einer Mitteilung schreibt das Unternehmen: „Als für die aktuelle Entwicklung schwerwiegend hat sich das Wirken einer Investmentbank herausgestellt. Eine komfortabel besicherte Unternehmensanleihe konnte nicht rechtzeitig platziert werden. Gegen die betroffenen Frankfurter Investment-Banker wird derzeit die durchsetzbare Höhe der Schadenersatzansprüche geprüft.“ Offizielle Angaben, um welche Bank es sich dabei handelt, machte Hein Gericke nicht.

Für die Begleitung der Hein-Gericke-Emission war die Frankfurter Bank Steubing als Sole Global Coordinator und Bookrunner mandatiert. Steubing-Vorstand Kai Jordan wollte sich auf FINANCE-Anfrage nicht näher zu dem Fall äußern und begründete dies mit dem "derzeit bestehenden Mandatsverhältnis". Allerdings erklärte Jordan, dass Steubing "keine Schadensersatzansprüche vorliegen". 

Hein Gericke ist nach eigener Aussage frei von Bankverbindlichkeiten und verfügt eigenen Angaben zufolge über einen siebenstelligen positiven Zahlungsmittelbestand. Die konsolidierte Bilanz weise eine Eigenkapitalquote von etwa 45 Prozent auf. Dennoch: „Die überwiegende Eigenkapitalfinanzierung reichte jedoch allein nicht aus, um genügend Liquidität für das operative Geschäft des Markenherstellers bereitzustellen“, schreibt das Unternehmen in der Mitteilung zum Insolvenzantrag der Tochtergesellschaft.

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