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MS Deutschland: PE-Investor Callista will Eigenkapital nachschießen

Quo vadis, Traumschiff? Die Mittelstandsanleihe der MS Deutschland muss restrukturiert werden. Der Schiffseigentümer Callista macht den Gläubigern ein Angebot.
MS Deutschland

Die 50 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe des „Traumschiffs“ MS Deutschland steht kurz vor einem Haircut. Für den 8. Oktober wurden die Anleger zu einer Gläubigerversammlung eingeladen. Als gemeinsamen Vertreter der Anleihegläubiger schlägt der Emittent den CSU-Politiker und früheren bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein vor. Details zu seinen Restrukturierungsplänen nannte Olaf Meier, Chef des PE-Investors Callista, zu dessen Portfolio die MS Deutschland gehört, auch in einem aktuellen Interview mit FINANCE-TV nicht.

Jedoch bezeichnete er die Gläubiger als „wirtschaftliche Eigentümer“ der MS Deutschland und sagte mit Blick auf den Kurs der Anleihe, dass der Kapitalmarkt eine finanzielle Restrukturierung ja bereits für „überfällig“ halte. Aktuell notiert die Mittelstandsanleihe bei unter 40 Prozent. Gemeinsam mit den Gläubigern müsse man sich überlegen, „ob die Schuldenlast, die das Unternehmen heute trägt, eigentlich so zielführend sein kann“, sagte Meier bei FINANCE-TV. Kurz: „Die Eigenkapitalquote muss hoch, der Verschuldungsgrad runter.“

Callista will Zinskosten in die MS Deutschland investieren

Das Private-Equity-Haus Callista ist laut Meier bereit, sich an der finanziellen Restrukturierung des Traumschiffs zu beteiligen und frisches Eigenkapital einzuschießen – sofern auch die Gläubiger ihren Beitrag leisten, wie Meier betont. „Wir und unsere Investoren sind bereit, das Unternehmen weiter zu finanzieren, wenn die Voraussetzungen auch auf der Bilanzseite stimmen.“

Seine Formulierungen deuten darauf hin, dass ihm eine umfassende Entschuldung der Schiffs vorschwebt: Die 3,4 Millionen Euro, die das Unternehmen jährlich für Zinsen bezahlen muss, „fehlen, um in das Schiff zu investieren“. Eine Eigenkapitalspritze hatte der PE-Investor bereits bei der Übernahme der MS Deutschland von Aurelius im Januar angekündigt, dies damals freilich, ohne von einem Beitrag der Gläubiger zu sprechen.

Bei FINANCE-TV versucht Meier den Gläubigern, den absehbar erheblichen Schuldenschnitt mit einer „Wachstumsstory“ schmackhaft zu machen, die die MS Deutschland anschließend werden solle. Den Gläubigern stellt er eine „Upside“ in Aussicht. Meier hält es für möglich, dass das Schiff, das aktuell tief in der Verlustzone fährt und auch mit sinkenden Umsätzen zu kämpfen hat,  mittelfristig „gutes Geld“ verdienen kann.

Doch auch 2014 musste Meier bereits als verlorenes Jahr abhaken: Ende Juli musste das Management die Umsatzziele für 2014 zurücknehmen. Firmenchef Christopher Nolde musste gehen, Callista entsandte ein spezielles Sanierungsteam in die Reedereizentrale nach Neustadt.  
 
Ob die Gläubiger Olaf Meiers Plänen folgen, ist vor allem deshalb offen, weil ihre Forderungen – anders als bei den meisten anderen Mittelstandsanleihen – besichert sind. Im Insolvenzfall dürften die Gläubiger die MS Deutschland als Sicherheit verwerten. Ein früheres Gutachten hatte den Wert des Schiffs auf 60 Millionen Euro beziffert, was der wesentliche Grund für das umstrittene A-Erstrating der Anleihe durch die Ratingagentur Scope war. Der Kursverlauf der Anleihe macht aber deutlich, dass die Investoren diesem Wertansatz von Beginn an keinen Glauben geschenkt haben. Dennoch dürfte die Besicherung die Verhandlungsposition der Gläubiger in der anstehenden Restrukturierung stärken. 

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Info

Wie es zu der Schieflage des Traumschiffs kommen konnte und wie der neue Eigentümer Callista bislang agiert hat – alle Infos auf unserer FINANCE-Themenseite zur MS Deutschland.

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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