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Private-Debt-Fonds drängen Banken aus dem Midmarket

New York vs. Frankfurt: Die internationalen Debt-Fonds machen den deutschen Banken das Leben am Midmarket immer schwerer.
Batuhanozdel/Thinkstock/Getty Images

Am deutschen Finanzierungsmarkt für Private-Equity-Deals („Leveraged Finance“) ist mit einer weiteren Verschiebung der Marktanteile zu rechnen. „Die aktuelle Volatilität an den Kapitalmärkten spielt den Debt-Fonds in die Hände“, glaubt Dominik Spanier, Leiter des Debt-Advisory-Teams von Lincoln International in Deutschland. 

Im vergangenen Jahr gelang es den Debt-Fonds, ihren 2014 eroberten Marktanteil von rund 26 Prozent am deutschen Leveraged-Finance-Markt zu behaupten. Dieses Jahr werden sie zu einem neuen Sprung ansetzen, erwartet Spanier: „Am Jahresende werden die Debt-Fonds zwischen 30 und 40 Prozent des deutschen Midmarkets kontrollieren.“

Dem Finanzierungsspezialisten zufolge sind mittlerweile schon 40 Debt-Fonds in Deutschland aktiv, 2012 waren es nach Zählung von Lincoln International noch neun gewesen. Und der Trend hält an: So betreten gerade Debt-Ableger der US-Finanzinvestoren Blackrock und TPG den deutschen Markt. Die beiden Großinvestoren Permira und EQT sind schon seit längerem mit ihren Debt-Fonds in Deutschland aktiv.

Die Musik dürfte 2016 bei Private-Equity-Transaktionen mit einem Wert zwischen 50 und 300 Millionen Euro spielen, wie eine aktuelle Umfrage von Spaniers Team unter deutschen Debt-Spezialisten erwarten lässt: Fast drei Viertel der 55 Befragten erwartet dort die höchste Marktaktivität. Der Anteil derer, die mit vielen Deals im Largecap-Bereich rechnen, ist gegenüber Anfang 2015 von 17 auf 2 Prozent gesunken. 

Banken und Debt-Fonds kämpfen um den Midmarket

„Ein Großteil des Wettbewerbs konzentriert sich gerade auf den Midmarket“, berichtet Spanier, der daraus „gute Finanzierungsbedingungen“ für jene Private-Equity-Häuser ableitet, die dort ihren Schwerpunkt haben. Aktuell geben dort Equistone und die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) den Ton an.

Die Debt-Fonds haben gute Chancen, den Banken dort 2016 das Leben schwer zu machen – ausgerechnet in deren traditioneller Domäne. Dafür spricht schon allein die Preiserwartung: Unter dem Strich glauben die von Lincoln befragten Debt-Financiers – rund zur Hälfte Banker und Debt-Fonds-Manager –, dass sich die Margen von Bankkrediten für Buy-out-Situationen 2016 leicht verteuern werden. Das tun sie bereits seit dem Sommer.

Die Spreads bei den Unitranche-Finanzierungen, die in erster Linie von den Debt-Fonds angeboten werden, dürften in der Tendenz hingegen weiter sinken. 45 Prozent der Befragten erwarten das, während nur 15 Prozent mit steigenden Spreads für Unitranches rechnen. Die einst große Preisschere zwischen Bankkrediten und Unitranches schließt sich also weiter. 

Lincoln-Berater Dominik Spanier: „Banken bereit für Underwriting“

Die Banken wehren sich Spanier zufolge auf ungewöhnliche Weise gegen das Vordringen der Debt-Fonds: Nicht etwa, indem sie ihre Margenausweitung rückgängig machen, sondern indem sie bereit sind, mehr Risiken zu übernehmen. „Die Banken zeigen sich zunehmend bereit für echtes Underwriting“, sagt Spanier – also für verbindliche Kreditzusagen, ohne vorher schon Zusagen von Dealpartnern zur Hand zu haben, Teile des Kredits später im Rahmen einer Syndizierung zu übernehmen.

Die Verschuldungsquoten scheinen auf den immer schärfer werdenden Wettbewerb jedoch nicht mehr zu reagieren. Schon seit mehr als einem Jahr liegt der durchschnittliche Leverage von europäischen Private-Equity-Transaktionen bei rund 5x Ebitda – und dabei scheint es auch zu bleiben: „Anfang 2015 sind noch 65 Prozent der von uns Befragten von weiter steigenden Verschuldungsgraden ausgegangen – jetzt sind es nur noch knapp 30 Prozent“, erklärt Spanier.

Dass die Verschuldungsgrade an die Decke gestoßen sind, verhindert allerdings auch, dass der Markt Druck ablassen kann und manche Geldgeber ihr Engagement drosseln. Die Folgen sind deutlich zu sehen: In den zurückliegenden Monaten hat die Liquiditätsschwemme vielen PE-Investoren im deutschen Mittelstand das Geschäft vermasselt. Der deutsche Midmarket ist trotz der Liquidtätsschwemme kurioserweise sogar geschrumpft.

Auch die Debt-Provider halten die Situation für problematisch: 63 Prozent der von Lincoln Befragten vertreten die Ansicht, dass der deutsche Midmarket derzeit mit übermäßig viel Kapital ausgestattet ist. Nur 30 Prozent sehen Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht.  

Info

Alle wichtigen Hintergründe und Entwicklungen zu dem Trend-Thema Debt-Fonds im deutschen Midmarket finden Sie auf unserer brandneuen FINANCE-Themenseite zu Private Debt.