EQT investiert mit dem Kauf des Online-Händlers KFZ-Teile 24 in das Autogeschäft – einer der deutschen Midmarket-Deals 2015.

Peter M. Fisher/Fuse/Thinkstock/Getty Images

27.01.16
Deals

Private Equity: Der deutsche Midmarket schrumpft

Das viele Geld verdirbt den PE-Investoren im deutschen Midmarket zusehends das Geschäft. 2015 konnten sich nur zwei Private-Equity-Häuser gegen die allgemeine Flaute stemmen – die gleichen wie schon 2014.

Während Anzahl und Volumen der großen Deals 2015 am deutschen Private-Equity-Markt zugelegt haben, zeichnet sich immer stärker ab, dass das Mittelstandsgeschäft unter der Liquiditätsschwemme leidet, die derzeit den Private-Equity-Markt kennzeichnet. So ist der deutsche Mid-Market, der Private-Equity-Transaktionen im Wert von 50 bis 250 Millionen Euro umfasst, im zurückliegenden Jahr nicht mehr gewachsen, wie eine heute veröffentlichte Marktanalyse von FINANCE ergeben hat.

Insgesamt wurden für 2015 noch 29 Buy-outs im deutschen Midmarket gezählt, nach 30 Transaktionen im Vorjahr. Weil vor allem die größeren Deals fehlten, schrumpfte das geschätzte kumulierte Transaktionsvolumen sogar von 3,2 auf 2,7 Milliarden Euro, ein Rückgang von 15 Prozent. Damit unterbietet das Jahr 2015 auch den Fünfjharesschnitt 2010 bis 2014, der bei 28 Transaktionen und einem Marktvolumen von knapp 3,1 Milliarden Euro liegt.

„Die Konkurrenz durch strategische Käufer aus dem Ausland dämpft das Wachstum des Private-Equity-Marktes in Deutschland“, analysiert Torsten Grede, Chef der Deutschen Beteiligungs AG, die aktuelle Lage am deutschen Midmarket, die vor allem von einer rückläufigen Zahl an Secondary Buy-outs gekennzeichnet ist. „Daran wird sich auch 2016 nichts ändern“, glaubt Grede. Dies gelte auch für die damit verbundenen Begleiterscheinungen wie dem anspruchsvollen Preisniveau.

Equistone und DBAG untermauern ihre Marktführerschaft

Zu den bekanntesten deutschen Midmarket-Deals des vergangenen Jahres gehören der Einstieg von EQT bei dem Onlinehändler KFZ-Teile 24, die Übernahme des Dating-Portals Parship durch den britischen PE-Investor Oakley sowie der Kauf des insolventen Maschinenbauers Rena durch den Mid-Cap-Fonds Capvis. Der Schweizer Finanzinvestor tritt mit der Investmentstrategie an, die Abhängigkeit Renas vom hart umkämpften Solarmarkt zu reduzieren. 

Die begehrteste Zielbranche war mit fünf Transaktionen der Chemiesektor, gefolgt von je vier Deals in den Branchen Automotive, Healthcare und Handel. Aktivster PE-Investor im deutschen Midmarket war Equistone mit vier Buy-outs. Die Deutsche Beteiligungs AG setzte ihre offensive Einkaufstour fort und schlug dreimal zu. Emeram, EQT und Findos kamen auf zwei Neu-Investments. Equistone und die DBAG standen schon 2014 an der Spitze, und auch in der Zehnjahresbetrachtung führen sie mit 19 beziehungsweise 16 Deals die Rangliste klar an. Die Lücke zu den Verfolgern ist groß: Auf je neun Midmarket-Buy-outs seit 2006 kommen Ardian, Equita, Halder, Odewald und Quadriga.

Geka, Schülerhilfe und mehr: Welle an Recaps im zweiten Halbjahr

Der Marktrückgang geht neben der rückläufigen Zahl an Secondary und Tertiary Buy-outs (minus sechs Transaktionen gegenüber 2014) vor allem auf das schwache zweite Halbjahr zurück. Zwischen Juli und Dezember gab es 2015 nur elf neue Buy-outs mit einem Gesamtvolumen von knapp über 1 Milliarde Euro. Im zweiten Halbjahr 2014 wurden noch 17 Transaktionen im Wert von 1,6 Milliarden Euro eingeleitet.

Der Grund: Ein ungewöhnlich hohe Anzahl aussichtsreicher Transaktionen wurde im Herbst anders strukturiert als in Form neuer Buy-outs. Zum Teil setzten sich strategische Käufer durch, deren hohe Börsenbewertungen es ihnen ermöglichten, selbst ausgesprochen teure deutsche Mittelständler in einer Form zu übernehmen, dass der Zukauf ihren Aktionären eine Wertsteigerung verspricht. Dies ist zum Beispiel dann aussichtsreich, wenn das bezahlte Transaktions-Multiple unter ihrer eigenen Marktbewertung liegt.  

Vor allem aber wurde der deutsche Midmarket in der zweiten Jahreshälfte zum Opfer der Recap-Welle. Zahlreiche PE-Investoren stoppten laufende Verkaufsprozesse für ihre Portfoliounternehmen oder entschieden sich gegen deren Auflage, weil ihnen die Ausschüttung einer kreditfinanzierten Sonderdividende („Recap“) an die Fondsinvestoren attraktiver erschien. Der wieder aufgestockte Leverage erlaubt es den PE-Häusern, an einem gut laufenden Unternehmen länger festzuhalten, ohne wegen einer ineffizienten Kapitalstruktur die jährliche Rendite des Investments zu verwässern. Recaps gab es beispielsweise bei Cordenka (Investor: Chequers Capital), Geka (3i) und der Schülerhilfe (DBAG).

Nach Angaben des Corporate-Finance-Hauses Altium standen Recaps und sonstige Finanzierungen 2015 für mehr als die Hälfte aller Private-Equity-Finanzierungen im deutschen Mittelstand – ein außergewöhnlich hoher Wert, der aus Sicht von Altium in diesem Jahr wieder zurückgehen wird. Dennoch ist damit zu rechnen, dass die gute Ertragslage der Konzerne und die hohen Bewertungen am M&A-Markt dazu führen, dass auch 2016 ein schwieriges Jahr für die deutschen Mittelstands-Investoren werden wird.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Die vollständige Midmarket-Dealliste mit allen Details und einer tiefergehenden Marktanalyse finden Sie in der neuen Ausgabe des FINANCE-Magazins, die am Freitag erscheint.

Alles Wichtige zur Lage am deutschen PE-Markt liefert die FINANCE-Themenseite Private Equity.