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Vedes platziert Mittelstandsanleihe binnen Stunden

Der Spielzeughändlerverbund Vedes leidet unter der Onlinekonkurrenz. Die Mittelstandsanleihe wurde eifrig gezeichnet.
Vedes

Kontrapunkt zur zäh verlaufenen Emission der Hanse Yachts-Anleihe vor zwei Wochen: Der Spielzeughändler Vedes hat es ohne Prob leme an den Markt für Mittelstandsanleihen geschafft. Die Vedes AG, in der rund 1.150 stationäre Spielzeughändler zusammengeschlossen sind, hat nur wenige Stunden gebraucht, um die Mittelstandsanleihe mit einem Nennwert von 20 Millionen Euro unterzubringen. Solche schnellen Platzierungserfolge, die in der Anfangzeit des Mini-Bondmarkts noch üblich waren, sind selten geworden. Mit der Emissionsbank Steubing und der Kommunikationsberatung Better Orange hat das gleiche Beraterteam Vedes an den Markt gebracht, das bei der  nicht voll platzierten Hanse Yachts-Mittelstandsanleihe  noch wenig Fortune hatte, aber auch schon den Autozulieferer NZWL ähnlich rasch an den Markt gebracht hatte.

„Investoren stehen Schlange, wenn Anleiheemissionen die Kriterien des Best-Practice-Guides erfüllen“, sagt Andreas Wegerich vom Finanzierungsberatungsunternehmen Youmex zu FINANCE. Das Vertrauen ins Management, ein Zinsdeckungsgrad von 2-5 bei einer Eigenkapitalquote von über 20 Prozent sowie ein nachvollziehbares Geschäftsmodell seien entscheidend, so Wegerich.

Bei Vedes dürfte die Investorenentscheidung knapp ausgefallen sein, deutlich war sie dennoch: Mit den frischen 20 Millionen plant Vedes, eine im Dezember begebene 12 Millionen Euro-Privatplatzierung zu refinanzieren, die damals ohne Wertpapierprospekt und Rating für ein Jahr begeben wurde. Nach Abzug der Emissionskosten und der Ablösung des alten Bonds  fließt Vedes ein Nettoemissionserlös von 7,2 Millionen Euro zu. Damit machen die Emissionskosten 10 Prozent der frei verfügbaren Gelder aus, die Vedes nun für „allgemeine Unternehmenszwecke“ verwenden will. Erstaunlich: Nur 30 Prozent der Altanleger nahmen das Angebot an, die neue Mittelstandsanleihe zu zeichnen.

Vedes leidet unter bröckelndem Stammgeschäft

Die Ratingagentur Feri vergibt ein Emissionsrating von BB, was einem „erhöhten Ausfallrisiko“ entspricht. Besichert ist die Mittelstandsanleihe mit der Verpfändung der deutschen Markenrechte an Vedes, die nach unterschiedlichen Wertansätzen zwischen 27 und 34 Millionen Euro wert sein sollen. Zugleich verpflichtet sich Vedes zur Beschränkung der Ausschüttungen auf maximal 50 Prozent des Jahresüberschusses und gab eine Negativverpflichtung auf weitere Finanzverbindlichkeiten ab.

Mit der Anleiheemission finanziert Vedes einen gewagten M&A-Deal: Zum Jahresbeginn 2014 übernahm Vedes, selbst bis dato die Nummer 2 im deutschen Spielzeuggroßhandel, den Marktführer Hoffmann, um seine Einkaufsmacht zu stärke. Die Ratio hinter der per Asset Deal abgewickelten Übernahme ist die Stärkung der Einkaufsmacht. Der stationäre Spielzeughandel leidet wie viele Einzelhändler unter starker Konkurrenz von Onlinehändlern wie Amazon.

Der zuletzt rückläufige Großhandelsumsatz von Vedes, der von 2011 bis 2013 von 55 auf knapp 52 Millionen Euro sank, soll nun auf 125 Millionen Euro steigen. Aus dem Dienstleistungsgeschäft für die angeschlossenen Spielzeughändler unter den Marken Vedes und Spielzeugring erwartet das Unternehmen offenbar keine Impulse. Auch dieser Bereich war zuletzt rückläufig und erreichte im vergangenen Jahr rund 11 Millionen Euro Umsatz.

Finanzschulden bei 7x Ebitda

Wie hoch die Ertragskraft der vergrößerten Vedes sein wird, ist indes ungeachtet des Schritts an den Kapitalmarkt diffus. Vedes wollte gegenüber FINANCE keine Planzahlen veröffentlichen und verwies lediglich darauf, dass das Unternehmen seit Jahren schwarze Zahlen schreibe. Die Rückzahlung der Mittelstandsanleihe und die Bedienung der Zinsen sollen aus dem operativen Cashflow erfolgen.

Kurzfristig werde die Hoffmann-Integration die Profitabilität von Vedes belasten, schreibt die Ratingagentur Feri. Ungemach droht, sollte es bei der Verlagerung der Vedes-Logistik aus Nürnberg an den neu erworbenen Standort Lotte bei Osnabrück, von der sich Vedes Synergien und einen breiter diversifizierten Marktzugang über Fach-, SB- und Onlinehandel erhofft, nicht alles glatt gehen: „Verzögerungen  beziehungsweise höhere Kosten im Integrationsprozess könnten dazu führen, dass das Unternehmen die Refinanzierung der Anleihe durch eine erneute Anleiheemission oder andere Maßnahmen durchführen muss“, schreibt Feri in der Ratingzusammenfassung.

Auch dazu, wie die Bilanzzahlen nach der Emission (Post Money) aussehen werden, hielt sich Vedes gegenüber FINANCE zunächst bedeckt, obwohl bereits im Zuge der ersten Anleiheemission die Eigenkapitalquote von 55 auf 30 Prozent sank. Durch die Aufstockung sinkt diese weiter in die Größenordnung von ca. 26 Prozent, wie Vedes bestätigte. 2013 erzielte Vedes einen operativen Gewinn (Ebit) von 1,7 Millionen Euro. Das Ebitda lag im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre bei rund 2,5 Millionen Euro. Bereits Ende 2013 – also vor der Refinanzierung und Aufstockung – erreichten die Nettofinanzschulden damit das siebenfache Ebitda.

Die Vedes-Emission sendet ein Lebenszeichen vom Markt für Mittelstandsanleihen. Die Dealpipeline bleibt indes dünn: Für das Gesamtjahr 2014 rechnet Wegerich mit einer einstelligen Anzahl von Neuemissionen.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de